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KRAFTWERK - Tour de France Soundtracks

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Artist KRAFTWERK
Title Tour de France Soundtracks
Homepage KRAFTWERK
Label ASTRALWERKS
Leserbewertung
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9.0/10 (3 Bewertungen)

Aufzeigen bitte, wer sich noch etwas von diesem Album verspricht! Das Tragische an KRAFTWERK ist, dass wenn man über sie spricht immer die Rede davon ist, wie sehr die Düsseldorfer ihrer Zeit voraus waren, dass sie die Paten von Techno und was-weiß-ich-nicht-allem waren und einer ganzen Generation von Elektronik-Tüftlern den Weg geebnet haben. Niemanden scheint mehr zu interessieren, dass die Band ganz fantastische MUSIK gemacht hat, die nicht nur die letzten paar Dekaden unbeschadet überstanden hat, sondern der man sicherlich noch einige Jahre zutrauen kann. Man lege nur mal wieder „Spiegelsaal“ von der Trans Europa Express aus 1978 auf – unfassbar, wie frisch das klingt und wie unverwechselbar. Nicht weil es innovativ ist, sondern weil es KRAFTWERK ist.

Wer also jetzt bemängelt, dieses Album biete „nichts Neues“ setzt am falschen Punkt an. Und überhaupt werden nur oberflächlich an dem Phänomen Techno Interessierte der einleitenden „Tour de France Suite“ Anbiederung an aktuelle Trends vorwerfen. Der 4/4 Takt ist lediglich das klopfende Herz unter einer schillernden Oberfläche aus sich immer wieder gegeneinander verschiebenden Rhythmusstrukturen und Melodiefragmenten, deren Ausgangspunkt die 83’er „Tour de France“-Single ist, die aber weit darüber hinaus führen. Die Basis der Soundtracks bilden aber die sechs ganz neuen Stücke, die zusammengenommen knapp eine halbe Stunde dauern, was sogar noch weniger ist als ihre beiden ersten Alben. Doch obwohl mit Spielzeit gegeizt wird, die Dosis Qualität und Einfallsreichtum passt. „Vitamin“ und das kunstvoll Atemgeräusche verarbeitende „Elektro Kardiogramm“ dürfen sofort auf die „Best Of“ mit drauf und wie Ralf und Florian in „La Forme“ immer wieder musikalische Gewitterwolken aufziehen lassen, ohne die Spannung tatwirklich aufzulösen, macht ihnen von fast der gesamten Konkurrenz so schnell keiner nach.

Dass sie nun von einem großen Teil der Presse mit Häme übergossen werden, daran sind sie natürlich selbst maßgeblich Schuld, obwohl „Tour de France Soundtracks“ das Rätsel nicht auflöst, sondern lediglich den Schleier ein wenig lüftet. Angreifbar ist das aktuelle Werk vor allem deshalb, weil ihm der ansonsten stets präsente Humor fehlt, mit dem sich die Band früher elegant aus der Affäre ziehen konnte. Doch wem es um die Substanz und nicht um den Mythos geht, der wird auf seine Kosten kommen. Nicht weil es KRAFTWERK ist, sondern weil es gute Musik ist.

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