Band Filter

Request did not return a valid result

KREATOR - Hordes of Chaos

VN:F [1.9.22_1171]
Artist KREATOR
Title Hordes of Chaos
Homepage KREATOR
Label STEAMHAMMER/ SPV
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.4/10 (34 Bewertungen)

Ich wage einmal eine Prognose: Über diese Scheibe wird man in der Szene viel reden, jedoch nur wenig diskutieren! Nachdem EXODUS Scheußlichkeiten ausgestellt haben und METALLICA die Magnetik des Todes ausleuchteten, präsentieren KREATOR chaotische Horden und tun dies so eindrucksvoll, dass schon in kurzer Zeit dieses neue Album als absoluter Metalklassiker betrachtet werden wird.

Mich überrascht dies besonders, weil ich die Loblieder auf den Vorgänger „Enemy of God“ nie so recht mitsingen konnte, mir war die Rille zu glatt produziert bei gleichwohl anerkennenswerter Qualität der Kompositionen. „Hordes of Chaos“ boostet „Enemy” jedoch auf beiden Ebenen: Es ist knackiger produziert UND die Songs haben eine enorme kompositorische Dichte. Schon beim Einlegen der CD bekommt man von den Altenessenern das erste Zeichen: Gerade einmal 35 Minuten Laufzeit leuchtet einem das Display entgegen. Der erste Schrecken wird jedoch von einem absolut fantastischen Songanfang förmlich weggeblasen. Es tritt auf: „Hordes of Chaos (A Necrologue for the Elite)“! Und wie kann man KREATOR für diesen Song genug loben? Kein langweiliges Intro, das Album beginnt direkt mit hauchzarten Gitarrenleads, zunächst nur eine Gitarre spielend, dann die zweite mit selbigem Thema einsteigend um das Thema mit höchster Dynamik zu steigern. Dies bietet Anlass, um eine ebenso dynamische Rhythmusfraktion, insbesondere Ventor mit tollen Figuren, ins jetzt schon mächtige Fahrt aufweisende Boot zu bitten. Erst nachvollständiger Versammlung aller Protagonisten gibt es einen abrupten Cut und der Song wird zu einem knallharten Thrashmassaker, in dem das Gehacke jedoch immer noch hinreichend Raum für kleine, den Song perfekt ergänzende Gitarrenspielchen bietet. Nach einer fantastischen Kombination aus Bridge und Solo schreitet das Stück zum dramatischen Höhepunkt, in dem Mille immer wieder „Every one against every one“ gefolgt vom Titel „Hordes of Chaos“ brüllt. Dass zum Schluss die Gitarren ausklingen wie damals bei „South of Heaven“ ist eigentlich ein Sakrileg, mit diesem Song jedoch ist Petrozza und Co. jedoch ein derart meisterhafter Streich gelungen, dass man sich verdient in diese absolute Ruhmeshalle des harten Metalls stellen darf.

KREATOR sind clever genug oder haben den richtigen Instinkt dafür, dass nach einem solchen Burner ein anders gelagertes Stück folgen muss: „Warcurse“ ist ein Uptempo Brecher, wie man ihn von KREATOR kennt. Lediglich das Niveau setzt sich wiederum vom Standard KREATOR-Song ab. Auch hier ist der Songanfang (diesmal durch Ventor initiiert) vortrefflich gelungen, auch hier gibt es wunderbare Gitarrenleads und auch hier setzen KREATOR immer wieder und immer wieder an die richtigen Stellen entscheidende Variationen. Wo in früheren Zeiten Aggression und Energie der Band gereicht hätten und ein harter schneller Thrash Metal Song gereicht hätte, zeigt sich gerade in diesem Song die Besonderheit dieses Albums: Petrozza ist auf dem absoluten Höhepunkt seiner kompositorischen Meisterschaft angekommen. Jede Minute enthält etwas Besonderes, nie wird sich mit üblichem Standard zufrieden gegeben. Zu jeder Zeit hat man das Gefühl, dass sprudelnde Kreativität und ungezügelte Energie sich synergetisch aneinander steigern und die Musik endlich auf das Level hebt, das schon „Enemy of God“ avisierte. Geiler Song übrigens.

Wie bei zahlreichen großen Thrash Klassikern sind es bei KREATOR im Jahre 2009 die Stücke mit ruhigen, melodischen Parts, die für die ganz besondere Würze sorgen und die letztlich aus einem hervorragenden Album eines machen, das die Zeiten überdauert und den Annalen bierselig als „Klassiker“ hinzugefügt wird. „To the Afterborn“ ist ein solches Stück, das mit seinem getragenen Anfang und der langsamen Steigerung in seinen Bann zieht. KREATOR gelingt ein fantastischer Chorus, in dem die besten Momente des sogenannten Melodic Death Metal herbei zitiert werden und man den entsprechenden Bands recht schnell aufzeigt, wo in diesem Metier eigentlich der Hammer hängen sollte. Weiterhin steigert sich der Song in schwindelerregende Gitarrensolohöhen, auch die Großen des Thrash Metal anrufend, und in bretthartes Mille-Gebrüll bzw. Gejaule. Danach hat sich der geschaffte und begeisterte Hörer eine kurze Pause verdient und die bekommt er mit dem Gitarrengeplänkel „Corpses of Liberty“ auch. Jedoch steht ihm das große Finale noch bevor:

„Demon Prince“ beschließt diese unglaubliche Scheibe und das würdig mit dem – zumindest für mich – besten KREATOR Song überhaupt!!! Hier scheinen die Essener ihre ganze Karriere in überragende 5:16 Minuten zu fassen, die ganze reiche Palette findet seelenerwärmende Anwendung. Nach einer Eröffnung, die doppelläufige Gitarrenleads mit dynamischer Schlagzeugarbeit verbindet, geht der Titel zu einem harten Metal Geknüppel über, in dem Mille sowohl tief grummelnd wie auch hoch jaulend seine Vocals höchst intensiv und druckvoll raushaut. Als wäre dies noch nicht schön genug, wird der Song von einer gitarristischen Interruption in den superben Chorus geführt, die ich in dieser Schönheit und Brillanz nur von METALLICA oder COMMUNIC kenne. Das ist gleichzeitig Gänsehaut und metallische Raserei! Dass das Solo ganz klar ne SLAYER Nummer ist, sollte man in diesem Fall vielleicht gar nicht als Hommage, sondern eher als feindliche Übernahme verstehen. Immerhin haben SLAYER seit mindestens „Seasons in the Abyss“ nichts mehr auf die Reihe gebracht, was mit diesem Prachtstück mithalten könnte und selbst dieser Altklassiker wird für mich von den Essenern dicke getoppt.

Das Fazit fällt insgesamt leicht: KREATOR gelingt mit „Hordes of Chaos“ ein ganz ganz fetter Eintrag in die metallische Ruhmesliste. 2009 werden alle anderen Thrash Bands nur noch als Fußnote zu KREATOR gewertet werden können. Wenn diese Platte dazu beiträgt, dass wieder mehr Bands eher dem Geiste des Spätachtziger Thrashs folgen als wie zuletzt eher den derben Anfangstagen (auch da liefern KREATOR ja vielen Bands die entscheidende „Endless Pain“ Blaupause), wäre dies für die Metal Gourmets sicherlich das hoffnungsvollste Zeichen am Pommesgabel Himmel. Hier ist den Ruhrpott Urgesteinen aber zunächst ein riesiger Dank auszusprechen, verbunden mit der Empfehlung, dass kein Fan sich die Tour mit CALIBAN entgehen lassen sollte. Dort sieht man sich.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

KREATOR - Weitere Rezensionen

Mehr zu KREATOR