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KREATOR - Phantom Antichrist (Ultimate Edition)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist KREATOR
Title Phantom Antichrist (Ultimate Edition)
Homepage KREATOR
Label NUCLEAR BLAST
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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9.8/10 (539 Bewertungen)

Mit der neuen Thrash Metal-Bibel „Phantom Antichrist“ blasen KREATOR nicht nur zum Angriff auf den Thron, sie stürmen ihn einfach und manifestieren sich hiermit endgültig auch weltweit als DIE Thrash-Band, der einfach nichts und niemand das Wasser reichen kann! Punkt. Die „Big 4“ kacken gegen diese ausgeklügelte Urgewalt mal dermaßen ab, dass ihnen nur die Rückleuchten der Ruhrpott-Institution in Sichtweite bleiben.

Natürlich erfinden auch KREATOR sich und den Thrash Metal nicht neu (wer macht das schon?… eben!), aber sie hauchen ihm mit diesem Geniestreich nochmal neues Leben ein, sind wieder mal Vorreiter und Trendsetter, an dem sich ALLE Kapellen die Zähne ausbeißen. Klar, die letzten 3 Alben waren jedes für sich völlig Granate und sind Pflichtstoff in jedem Thrash-Haushalt… aber alle 3 Werke sind sich im Aufbau und der Songverteilung sehr ähnlich. Auch „Phantom Antichrist“ startet wie gehabt mit einem geilen Intro („Mars Mantra“) und dem Titeltrack, wo die Herren aber nun noch melodischer und ausgefeilter zu Werke gehen als bisher, ohne dabei auch nur einen Millimeter an Kompromißlosigkeit und Brutalität einzubüßen. Allergrößtes Tennis, Thrash Metal aus dem Lehrbuch und nicht nur in der KREATOR-Setlist ein zukünftiger Klassiker, dieser in allen Belangen perfekte Track darf und wird in Zukunft in keiner metallischen Disse wegzudenken sein! Neben dem typisch sägend-rhythmischem Riffing, den Bangpflichtigen Moshparts und dem erneut formidablen Ventor-Geknüppel tritt ein gewisser Sami Yli-Sirniö an der Klampfe nach 10 Jahren Bandzugehörigkeit endlich vollends aus seinem Schatten heraus und spielt in der Form seines Lebens auf! Der Live eher zurückhaltende und un-Thrash-ig agierende Finne spielt dermaßen alles in Grund und Boden mit seinen filigranen Melodien und Soli, das man sich einfach nur mal auf sein Können konzentrieren sollte und MUSS – trotz allen Geballers.

Die perfekte Ergänzung zu Milles eher grobem Geschruppel und der optimale Gegenpol zur sonstigen Brutalität. Mille hatte ja schon früher ein Händchen für grandiose Gänsehautmelodien, man denke nur mal an die sträflich unterbewerteten „Renewal“, „Outcast“ und „Endorama“! Nach den obigen Werken fand er in Sami aber auch endlich den passenden Sidekick, der das Ganze in feinere Bahnen lenkt und rund ausarbeitet. Und aus eben jenen Phasen finden sich Elemente wieder auf „Phantom Antichrist“, was eben doch den kleinen aber feinen Unterschied ausmacht zu den 3 vorherigen Werken. Das wird schon beim Titeltrack in der grandiosen Gitarrenarbeit klar, auch wenn der Song natürlich ansonsten ein KREATOR-Knüppler vor dem Satan ist zu dem man die Rübe bis ins Nirwana schütteln kann und muß. Und wenn Mille im schwerst groovenden Mittelpart mit Moshgarantie einleitend „Terror will Prevail“´ aus dem Hintergund brüllt, dann sieht man sich schon im Pit mitbrüllen. Da sitzt jedes Detail an der richtigen Stelle, das rausgefauchte „Phantom Antichrist“ dürfte nächstes Jahr auf dem Rock Hard Festival aus tausenden von Kehlen gebrüllt einen Meter Gänsehaut verursachen, dem sich selbst nicht-Thrasher nicht entziehen werden können.

Sicher werden Kritiker und Neider wieder mal rumnörgeln, dass Mille eh nur seine altbekannten Riffs verbrät und wieder mal mit den ewig gleichen Vokabeln gegen das Unrecht der Welt ankeift… was aber wohl kaum eine Jemand anders betreibt, selbst ach so innovative Combos wie RUSH, DREAM THEATER (die beide tolle aktuelle Scheiben fabriziert haben!) oder die unsäglichen Retro-Klaubands wie OPETH, THE DEVIL´S BLOOD und wie sie alle heißen bedienen sich schön bei ihren eigenen Frühwerken bzw. bei den 70er-Rockdinosauriern. Ist mir auch völlig Hupe, denn geile Mucke bleibt geile Mucke und da sind KREATOR mehr denn je an vorderster Front. Das energisch nach vorn preschende „Death to the World“ darf ebenfalls nicht im Live-Set fehlen, aggressiv wie sonst was, die Melodien ausgefeilter denn je und der ruhigere Mittelpart muß als Verfeinerung bzw. Erweiterung des aktuellen Bandsounds gesehen werden. Genau so wiederholt man sich eben nicht komplett von Album zu Album, ohne dabei seinen eigenen Pfad zu verlassen. Was ja eine Band wie PARADISE LOST auch seit jeher grandios schafft!

Schon nach diesen knapp 10 Minuten dürfte jedem Klar sein, das den Jungs hier ein ganz großer Wurf gelungen ist, der selbst die letzten 3 Meisterwerke toppt. Dazu gesellt sich die endfette Produktion von Jens Bogren, der die KREATOR-Maschine so richtig amtlich rollen lässt, ihr mörderische Riffsalven ebenso verpflanzt hat, wie mehrstimmige Klampfen und Ur-geile Twin-Guitars, die im Thrash Metal ihresgleichen suchen. Einzigartig! Mit „From Flood into Fire“ bietet man dann allerdings den ersten überraschenden Track, denn hier werden die „Outcast“/ „Endorama“-Elemente richtig deutlich. Der Song rollt zwar gut vorwärts, beginnt aber auch leicht düster-akustisch und mündet in einen übermelodischen, fast clean gesungenen Refrain, bevor im Mittelteil die Knüppelkeule explodiert, die wiederum von einem full-stop Gothic-like Part mit Sprechgesang ausgebremst und mit sphärischem Sami-Solo komplettiert wird… famos! DER Überkiller folgt allerdings erst noch mit dem bedächtig beginnenden „Civilization Collapse“, den Mille gewohnt passend mittels geraunztem „Total Attack“ nach der ersten Strophe von der Kette lässt. Es entwickelt sich einer der schnellsten (!) KREATOR-Feger seit frühen Tagen und das mörderische Moshpitriff im Mittelteil zeigt Pseudo-Thrashern wie MACHINE HEAD, wo der wahre Hammer hängt!

By the Way, Dr.Flynn sollte sich seine erste MH-Granate mal wieder einfahren und sich fragen, warum er vergessen hat, wie´s richtig geht… Mit dem Mitgröhler „United in Hate“ und dem prägnanten „We are Legion“-Refrain fährt man im Hause KREATOR die nächste Live-Rakete auf, wieso zur Hölle steht seit Jahren das strunzdämliche „Phobia“ im Set??? Fliegt hoffentlich jetzt endlich mal raus (Wunschdenken wohl…). Auch „The Few,The Proud,The Broken“ wartet mit ungewöhnlich tönender Klampfenarbeit auf, wird nach der Hälfte regelrecht progressiv (!) und entwickelt hartnäckige Langzeitwirkung. Mit dieser konsequenten Bandsounderweiterung hat wohl niemand vorab gerechnet. Mit dem fast 6 Minuten langen „Your Heaven My Hell“ bescheitet man ebenfalls recht ungewohnte Pfade, denn der ruhige Beginn ist eindeutig Milles Faible für FIELDS OF THE NEPHILIM geschuldet und er nimmt sich endlich wieder die Freiheit, das auch massiv zu zeigen. Der Midtempostampfer ist ansonsten bis auf den erneut starken und prägnanten Refrain und das lange Solo nicht ganz so spektakulär ausgefallen wie die restlichen Tracks, hebt sich aber durch die erfreuliche un-Thrashigkeit positiv ab.

„Victory will Come“ kommt als recht einfach gestrickter, schneller Thrasher aus den Boxen gefegt, der auf die Mütze gibt, mit seinem Refrain und dem treibenden Riffing punktet und allein schon wegen des hochmelodischen Solos gewinnt. Womit wir zum letzten und ungewöhnlichsten Track des Albums kommen: „Until our Paths Cross Again“ hat fast schon Schunkelrhythmus, sehr viele akustische Gitarren, keine wüsten Thrash-Ausbrüche und ist sehr episch angelegt. Klar wird’s mittendrin auch mal schnell, Ventor ackert, Sami gniedelt, aber insgesamt der un-KREATORigste Track seit „Endorama“.

Unterm Strich also mal eben ein ebenso überraschendes, wie traditonelles, aber eben vollkommen killendes Überwerk, das in jedem Thrash-Bunker auf einen gesonderten Platz gehört! Passend dazu haben Nuclear Blast diesem Geniestreich eine mordsgeile auf 500 Stück limitierte Riesen-Hartbox spendiert, die natürlich ausverkauft ist und in Kürze schon horrende Preise erzielen dürfte. Enthalten ist die Digipack-Version des Albums mit der separaten Bonus-DVD (Making Of und gut eine Stunde Live in Wacken 2008 und 2011 in brillianter Qualität) in einem Schuber und dazu diese exklusiv nur in dieser Box erhältlichen Sachen: die Live-Mitschnitte der DVD nochmal als CD, ein rotes Logo-T-Shirt, Poster, Autogrammkarte Mille und natürlich ein Zertifikat. Oben auf die Box ist ein großes Blechschild mit dem Digi-Coverartwork genietet, macht optisch was her in der heimischen Vitrine, die exklusiven Sachen rechtfertigen den ursprünglichen Preis von 55,55 €.

Mir fehlt zur Abrundung allerdings noch eine Vinyl-Beilage, die muß man sich dann halt extra zulegen (den Vogel schiesst da derzeit die auf 100 Stück limitierte grüne Version ab, die schon locker dreistellig gehandelt wird!), Sammler dürfen sich über diverse Farben freuen…

Egal, in welcher Form, für „Phantom Antichrist“ gilt nur eins: PFLICHTANSCHAFFUNG!!!

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