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KREUZWEG OST - Edelrost

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Artist KREUZWEG OST
Title Edelrost
Homepage KREUZWEG OST
Label COLD SPRING RECORDS
Leserbewertung
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7.8/10 (4 Bewertungen)

5 Jahre nach dem Debüt „Iron Avantgarde“ erscheint das Projekt KREUZWEG OST erneut auf der Veröffentlichungsbildfläche. Mittlerweile bei Cold Spring Records beheimatet verbirgt sich hinter der Formation der bekannte Österreichische Kreativkopf Silenius (aka Michael Gregor, SUMMONING, Ex-DIE VERBANNTEN KINDER EVAS), mittlerweile unterstützt von Roland Albrecht und dem dritten im Bunde, dem Grazer Oliver Stummer. Nicht mehr dabei ist Martin Schirenc, der sich wieder seinen Metal-Vorlieben in Form von HÖLLENTHON und PUNGENT STENCH widmet. Zusammen will das neuformierte Trio den Schrecken des 2ten Weltkrieges in ein furchteinflössendes Tondokument gießen, die ursprüngliche Philosophie von KO ist also über die Jahre unverändert geblieben. Musikalisch hat sich allerdings schon etwas getan.

Während „Iron Avantgarde“ noch fast als reines Hörspiel mit einen wenigen Soundelementen daherkam, wurden nun die Samples wesentlich organischer mit eigenen Klängen verbunden. Und diese Klänge stammen aus den Bereichen Industrial, Ambient oder ansatzweise auch der Neoklassik. Wie schaut also nun ein typisches KREUZWEG OST-Stück aus? Thematisch zusammenhängende Sample Fetzen werden immer wieder geloopt und mit Percussion sowie Flächen zu einem fast rituellen Ganzen verschmolzen. Die Auswahl der Sprachausschnitte ist dabei sehr gelungen, was bereits bei dem Titelstück und Quasi-Intro „Edelrost“ deutlich wird. Hier rezitiert ein Sprecher auf fast unheimliche Art und Weise die Einleitung von Thomas Manns „Zauberberg“, dabei kommt eine geradezu beklemmende Atmosphäre auf. So präpariert taucht der Hörer ein in eine Welt der Soldatenehre, der Strenge und des militärischen Drills. Was die Verwendung der Samples angeht, kann man hier einige Parallelen zur Electro Formation FEINDFLUG ausmachen, wenngleich die eigentliche musikalische Umsetzung dann doch erheblich differiert. Dazu sollte man auch sagen, dass die Österreicher keinerlei Verherrlichung extremer Ansichten im Sinne haben, was dem aufmerksamen Hörer auch durchaus nicht entgehen sollte. Mit „Zucht und Hunger“ hat man zusätzlich einen kleinen thematischen Ausreißer drin, hier geht es eher um die extremen Bedingungen in einem Frauenlager. Ungewöhnliche Parts, wie beispielsweise arabische Klänge (inklusive der Benutzung einer Djembe) runden das Klangvergnügen ab.

KREUZWEG OST üben eine sehr merkwürdige Faszination auf den Hörer aus, die uralten Originaldokumente mit ihrer pathetisch strengen Sprache wirken auf seltsame Weise anziehend und abstoßend zugleich. Dazu hat man es dieses Mal geschafft, rhythmische Soundscapes darunter zu legen, so dass auch nach mehrfachem Konsum keine Langeweile aufkommt. In Ausführung und Qualität ein hervorstechendes Werk für den Liebhaber ritueller Maschinensounds!

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