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KRIEGER - s/t

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Artist KRIEGER
Title s/t
Homepage KRIEGER
Label MOTOR MUSIC
Leserbewertung
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4.4/10 (8 Bewertungen)

„…alles ist auf den Punkt gespielt und frei von nervenden Gitarrensolos“ (Zitat Promozettel).
Hallo?! Geht’s noch? Jemand zuhause? Ein weiser Mann sagte einst: „Wer sich rühmt, auf Gitarrensolos zu verzichten, versucht nur zu überspielen, dass er ein schlechter Gitarrist ist“ (Zitat Kulturelles Allgemeinwissen).

Und wenn der Rezensent allgemein ein Freund des flotten Gitarren-Gegniedels ist, so ist die Promo-Abteilung mal wieder über das Ziel hinausgeschossen. So kann denn gleich auch vermeldet worden, dass Krieger relativ stumpfen Deutsch-Rock spielen, bei dem Hits leider noch Mangelware sind. Die viel gerühmten Blues-Sprengsel sind nur schmückendes Beiwerk und heben das Songwriting keineswegs zu den angepriesenen neuen Ufern. Hier und da gibt es ein komplett geklautes Riff von ZZ TOP („Wenn Du mich küsst“), aber sonst ist der Blues in weiter Ferne, im Sinne von JOHN LEE HOOKER oder ähnlichen originären Vertretern dieser Musik-Gattung sogar gänzlich abwesend. Dennoch kann man den Sound eigentlich durchgehen lassen, da dieser von Pelle Gunnerfeldt (Gitarrist von FIRESIDE und Produzent von den HIVES) ganz anständig umgesetzt wurde und ja durchaus einen gewissen archaischen Reiz hat.

Kommen wir aber wieder mal zum Knackpunkt einer jeder deutschen Band: Den Gesang.
Hier verspielen sich KRIEGER viele Pluspunkte, da die Stimme von Thomas Baumgärtel die Musik überhaupt nicht zu unterstützen vermag. Die Stimme strahlt keinerlei Charisma oder Gefühl aus. Das Ganze wird durch die uninspirierten typisch deutschen Möchtegern-Texte in ONKELZ oder RAMMSTEIN Richtung gelenkt, welches mir persönlich leider überhaupt nicht schmeckt. Wären die Lyrics zumindest auf DAS AUGE GOTTES Niveau hätte man darüber ja noch hinweg sehen können, es kann ja schließlich nicht jeder ein Jochen Distelmeyer sein. Insgesamt klingt alles zu aufgesetzt, um authentisch zu sein. Die ganze Blues-Nummer riecht ein wenig nach bemühter Makulatur um zu verdecken, dass die Jungs eigentlich nichts Neues nach RAMMSTEIN zu bieten haben (Das RAMMSTEIN-Management kümmert sich ebenfalls um KRIEGER… Say no more).Und wenn mal etwas weiter zurückblickt, kommt einem eine verschollene Gruppe wie die ungleich besseren KIND TOT in den Sinn, denn KRIEGER klingen manchmal komplett nach eben dieser Formation (damals erste deutschsprachige Band auf Roadrunner). Somit sei der Neuheitseffekt schon einmal relativiert, denn deren Platte erschien schon 1995.

So bleibt im Endeffekt eine neue deutsche „Kult-Band“ für die anvisierte pubertierende Zielgruppe, der erfahrene Musik-Fan wird sich wohl, nach erster freudiger Erwartung durch die Ankündigung der zu erwartenden Ingredienzien, enttäuscht abwenden. Manchmal ist man ja sogar versucht, ein wenig mitzusingen, aber irgendetwas lässt einen irgendwie davon abhalten. Potential ist vorhanden, nur sollte man sich nächstes Mal auch wirklich trauen, etwas Neues zu machen. Und wehe irgendwo fällt noch einmal JOHNNY CASHs Name im Zusammenhang mit KRIEGER.

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