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KUMMERBUBEN - Schattehang

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Artist KUMMERBUBEN
Title Schattehang
Homepage KUMMERBUBEN
Label CHOP RECORDS/ H’ART
Leserbewertung
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7.9/10 (10 Bewertungen)

„Schattehang“ von den KUMMERBUBEN ist garantiert ein Album, welches zwar in jedes Regal, jedoch nicht in irgendeine Schublade passt. Die sechs Schweizer Musiker, die als Entstauber der eidgenössischen Volkslieder gelten, haben dem Alpenlastigen Folk ein weiteres Kapitel hinzugefügt. Allein das Instrumentarium der Formation erfordert einen besonderen Stil von Musik und bildet damit nicht nur die Modernisierung der alten Volkslieder in direkter Linie. Akkordeon, Saxophon, Gitarre, Banjo, Mandoline, Schlagzeug und Kontrabass lassen sich gemeinsam mit dem höchst differenzierten Gesang auf Pop, Jazz, Chanson, Folk, Klezmer und diverse Zwischengenres ein. Gesungen werden die Lieder mit kräftigem Schweizer Dialekt, der den Deutschen Zuhörer mit einem besonderen, nicht uninteressanten Reiz versorgt.

Die KUMMERBUBEN holen mit ihrem neuen Album eine Rumpelkiste voller fast vergessener Lieder aus der Schweizer Bergwelt aus dem Keller und versorgen sie mit neuen Melodien, die mal rockig, poppig, mal melancholisch, depressiv, mal aber auch spannend/ grausig klingen. Jeder einzelne Song auf der Scheibe erzählt Geschichten, die zeitlos sind. Sie erzählen von toten Hähnen, von Blumen, die aus dem Blut entspringen, vom Glück, vom Weggehen und vom Heimkehren. Voller Schwung wird mit „Andermatt“ gestartet, einem Titel, der sofort das Tanzbein schwingen lässt und mit seinem eingehenden Refrain zum Mitsingen einlädt. Es folgt ein ebenso schneller Track namens „Händschelied“, bei welchem das Akkordeon den Ton angibt und Spaziergänge in das Chansonneske macht. Doch auch mit dem dritten Lied „Has“ lassen die Musiker noch keinen Fuß vom Gaspedal und drücken auf das zuckende Tanzbein, wobei sich der Bläsersound fast nach großem Orchester anhört und das Saxophon interessante jazzige Spritzer zwischen die Gitarrenrhythmen wirft. Ab jetzt wird der Pfad der schnellen Takte verlassen und etwas klezmerangehaucht wird das Lied vom Vogel (bei dem zwar von Nachtigall gesungen, jedoch die Raben zu hören sind) vorgetragen. Faszinierend die Zwischentöne der unterschiedlichsten Instrumente. Danach wird es düster und mystisch, wenn von Anneli hinterm Haus im Garten erzählt wird. Der Sound erzeugt eine Stimmung, die an ein abgelegenes Bergdorf erinnert, in welchem womöglich scheußliche Dinge passiert sind. Weitaus lebenslustiger geht es dann mit „I Dr Aare“ weiter, einem gezupften Lied mit surrenden Geigen und flüsterndem Gesang, welches zum Träumen anregt. Französisch wird dann im Walzertakt von Marie erzählt, bevor das Akkordeon erneut ein rasantes Tempo vorgibt und das „Lügenmärli“ erzählt wird. Das schnelle Spottlied „Stomperli“ wird ausgelassen verjazzt und vertont einen Jodler da droben auf der Alp auf äußerst knappe Weise. Anschließend geht es nachdenklich und etwas schleppend, aber mit faszinierender Gitarrenuntermalung, weiter, um mit einem alten französischen Volkslied wieder schneller zu werden. Mit „Alpenrose“ wurde eine schweizerdeutsche Volksballade neu vertont, deren Gesang vom Saxophon begleitet wird, während das Banjo ununterbrochen seinen eigene, passend arrangierte, Melodie spielt. Mit einem Hau-drauf-Takt und dem „Rabababab“ wird von einer Bauern- und Handwerkerarmee erzählt, bevor der Ausklang des Albums in einem Schlaflied „Guet Nacht, Mys Liebili“, welches mit unheimlich schöner Melodie säuselnd ins Ohr gehaucht wird, gefunden wird.

Mein Fazit: Extrem interessant für den, der sich auf andere Musik einlassen möchte und ihr gegenüber offen ist. Musik zum Tanzen und Schmusen. Unverkennbar nicht leicht einzuordnen und die vielfältige Erfahrung der vielseitig orientierten Musiker (von Laie bis Profimusiker im Orchester) ist in den detailreichen Arrangements durchaus erkennbar.

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