| Artist | LABRASSBANDA |
| Title | Polka Party |
| Homepage | LABRASSBANDA |
| Label | EMBASSY OF MUSIC |
| Leserbewertung |
Was 2007 zunächst als musikalische Revolution in Bayern begann und dortige Traditionshüter erschütterte, gleichzeitig aber die Jugend zu Blechblasmusik in Scharen vor die Bühnen und in die Clubs holte, erfasste spätestens 2013 beim deutschen Vorentscheid zum Eurovision Songcontest die komplette Bundesrepublik. Es folgten ausverkaufte Konzerthallen von Berlin bis Köln, von Hamburg bis München. Etwaige Sprachbarrieren bei Texten in bayerischer Mundart: Fehlanzeige. Die größten Festivalbühnen z.B. beim Southside- oder Hurricane-Festival wurden förmlich von Fans überrannt, wenn die Band um Frontmann Stefan Dettl mit ihrem mitreißenden Sound aus Brass-Pop, Hip-Hop, Punk und Techno, sogar den Nachthimmel zum Glühen brachte. Die Rede ist natürlich von LABRASSBANDA aus Übersee am Chiemsee. Neben Stefan Dettl (Gesang & Trompete) gehören zur Kapelle noch Manuel Winbeck (Posaune), Manuel Da Coll (Schlagzeug), Fabian Jungreithmayr (Bass), Jörg Hartl (Trompete), Korbinian Weber (Trompete), Matthias Hoffmann (Tuba), Michael Wagner (Gitarre) und Tobias Weber (Schlagzeug). Live treten die Herrschaften stets barfuß und in Lederhosen auf und wenn es ab Anfang April wieder auf Tour geht, werden die Bayern neue Songs im Repertoire haben, denn mit „Polka Party“ ist unlängst das siebte Studioalbum erschienen.
Obwohl man nicht unbedingt von massenkompatibler Musik sprechen kann, hat es „Polka Party“ aus dem Stand auf #30 der Albumcharts geschafft. Das macht bereits deutlich, dass sich LABRASSBANDA über die letzten 18 Jahre eine solide Fan-Base erspielt haben. Auf die Ohren bekommt die Anhängerschaft zwölf Songs, die erneut einen wilden Mix aus Brass, Pop, Techno und Ska, gepaart mit bayerischem Charme und einer ordentlichen Portion Punk-Attitüde und ganz neu einer Prise Hip-Hop (vgl. „Space Bäda“) aufweisen. Mit volkstümlicher Blasmusik hat das Ganze natürlich so gut wie nichts mehr zu tun, davon konnte man bereits dank der Vorabsingles überzeugen. Mit „Goaßnmaß“, einem Stück, dass die Freundschaft und gute Gesellschaft feiert, lassen es LABRASSBANDA extrem entspannt angehen; ursprünglich stammt die Nummer übrigens von der kolumbianischen Folkpop-Combo MORAT, während das groovige „Space Bäda“ gemeinsam mit dem Rapper ROGER REKLESS performt wird. Die dritte Auskopplung ist der temperamentvolle „Teufelstanz“, der zukünftig auch live für gute Stimmung sorgen dürfte und zudem ein kraftvolles Statement gegen Antisemitismus, Rassismus und Diskriminierung setzt. Mit dem finalen „Egyptian Reggae“ befindet sich noch ein instrumentales Blasmusik-Cover auf der Platte, denn der Track aus dem Jahr 1977 ist im Original von THE MODERN LOVERS. Zuvor geht es jedoch mit dem eröffnenden „Almaty“ mit viel Drive nach Kasachstan, ehe nicht minder munter der „Polka King“ gekürt und in der Folge eine „Balkanhochzeit 2.Tag“ gefeiert wird. Ganz offensichtlich kennt man bei dieser Gelegenheit keine Ermüdungserscheinungen, denn es geht temporeich zur Sache, bevor der „Eisbär“ im gemütlichen Midtempo hereinstampft. „Herz“ übernimmt im Heartbeat-Rhythmus mit treibendem Gebläse, das sich bei „Ohne Schuah“ im Highspeed-Modus befindet. „Rabbit“ geht mit fordernden Tonfolgen auf die Hüften und wenn dem „Senf“ ein Loblied gesungen wird, geschieht dies mit einer prägnanten Tuba und einer gehörigen Portion Coolness.
Die Texte auf „Polka-Party“ versteht man als Nicht-Bayer möglichweise nicht immer, der Spirit der Langrille ist jedoch so universell, dass LABRASSBANDA ihre Spielfreude problemlos auch außerhalb ihres Mundart-Kosmos vermitteln können. Dass die studierten Musiker allesamt ihr Handwerk verstehen, versteht sich außerdem von selbst. Also dann: die Polka-Party kann steigen!

Hinterlassen Sie einen Kommentar.
Du musst angemeldet sein, um einen Kommentar abzugeben.