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LACASA DEL CID - Who Killed Barbie?

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Artist LACASA DEL CID
Title Who Killed Barbie?
Homepage LACASA DEL CID
Label AVASONIC
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

Hinter dem Bandnamen LACASA DEL CID verbirgt sich das musikalische Multitalent Carsten Klatte, der in den Neunzigern mit CASSANDRA COMPLEX zusammenarbeitete, dann bei GOETHES ERBEN, GIRLS UNDER GLASS und PROJECT PITCHFORK die Saiten zupfte und zuletzt in der Live-Mannschaft von WOLFSHEIM mitspielte. Seit 2005 widmet er sich nun intensiv seinem Soloprojekt LACASA DEL CID und wartete im vergangenen Jahr mit seinem Debüt „Lonestar“ auf.

Offensichtlich steckt der Herr Klatte voller Ideen, denn auf „Who Killed Barbie?“ sind 16 neue Songs verewigt, die wieder im düsteren Folk- und Countrystyle daherkommen. Anders als auf „Lonestar“ tritt die Elektronik heuer allerdings in den Hintergrund. Das gesamte Album wird durch Akustik-Instrumente getragen. In erster Linie ist dies die Gitarre von Mastermind Klatte. Hört man die ersten Töne von „The buriel of a tribe and the birth of a bastard“, glaubt man jedoch, LOU REED ein Stück von JOHNNY CASH spielen zu hören. „Hey dude“ verstärkt diesen Eindruck noch, während „Blind eyes black and white“ mit seinem Flüstergesang und der verzerrten Gitarre langsam etwas düsterer wird. „Thinking of sin“ lässt wieder an LOU REED denken. Sehr gelungen, wie die Percussion von Gastmusiker Sönke Liethmann das Saiteninstrument begleitet. „In the Slide Show“ bringt zwei weitere Musiker zum Einsatz. Andy Laaf zeichnet für Cajon & Snare verantwortlich, während Friedrich Paravicini am Cello für zusätzliches Gänsehaut-Feeling sorgt. Gleiches gilt für „Imperial prayer“ und „The ancient time“. Eine weitere tolle Ballade ist das Neofolk-Stück „Reaping Rape“. Hier scheint der Gesang irgendwo aus dem Nichts zu kommen, behutsam begleitet von ebenso treibender wie beschwörender Instrumentalisierung. Wer „The idiot“ gehört hat, weiß was Carsten Klatte mit dem Begriff „Neowestern“ meint; ich sah mich bei dem Song geradezu in den staubigen Sonnenuntergang reiten. Die wunderschönen Balladen reißen nicht ab – „Tell me tell me overwhelm me“ ist der beste Beweis dafür. „Waste some time“ ist ein Beispiel für lupenreines amerikanisches Songwritung, das jedoch mit düsteren Elementen versetzt wurde. Dark Americana sozusagen. „Leave and live forever“ wird ganz vom Cello getragen, ganz offensichtlich verstehen nicht nur APOCALYPTICA mit dem Bogen umzugehen. „Another Wheel“ findet noch mal virtuos zurück zum Neowestern, bevor das wehmütige „The Talking“ und schussähnliche Geräusche ein absolutes Ausnahmealbum beendet.

„Who Killed Barbie“ verzaubert mit genialem Songwritung, das sich auf das Wesentliche beschränkt und zeigt, dass manchmal weniger einfach mehr ist. Dazu noch die ausdrucksstarken und emotionalen Vocals und der Hörgenuss ist perfekt. Auch inhaltlich sind die Texte beachtenswert. So will schon der Albumtitel aufmerksam machen auf falsche Schönheitsideale und lebensfeindlichen Lifestyle. Wenn Barbie (wie irgendein Forscher herausgefunden hat) mit ihren sogenannten idealen Maßen eh als Mensch keine Überlebenschance gehabt hätte, weil sie nicht einmal stehen könnte und die inneren Organe keinen Platz hätten, müssen wir ihren Tod wohl auch nicht weiter beweinen. Feiern wir lieber LACASA DEL CID und diesen Longplayer.

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