Band Filter

LACRIMOSA - Sehnsucht

VN:F [1.9.22_1171]
Artist LACRIMOSA
Title Sehnsucht
Homepage LACRIMOSA
Label HALL OF SERMON
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.1/10 (8 Bewertungen)

Kaum eine andere Band hat im Laufe ihrer Schaffensphase solch einen kreativen Schatten auf die düstere Musik geworfen wie LACRIMOSA. Angefangen bei ihren frühen Werken wie „Angst“ oder „Einsamkeit“, die noch einem dem Gothic anverwandten Stil (NDT – neue deutsche Todeskunst) angehörten, über ihre härteren Werke, siehe „Inferno“ oder „Stille“, bis hin zum Bombast mit „Elodia“ oder den beinahe schlagerhaften letzten Scheiben. Trotz oder gerade auf Grund ihrer äußerst eigenen Art, Musik darzubieten, bauten Tilo Wolff und auch Anne Nurmi im Laufe der Zeit eine immer größer werdende Fanschar auf. Angesprochen von traurigen, verzweifelten und vor allem tiefgründigen Texten wurde die schwarze Schar immer größer und fieberte nach dem letzten Studioalbum von 2005 dem neuen Werk entgegen.

Ich persönlich war auch sehr gespannt auf das neue Opus der Schweizer Melancholiker. Ihre stets fesselnden Werke zogen mich immer in ihren Bann, konnte man sich doch einfach bequem hinsetzen, die Augen schließen und die Musik von der ersten bis zu letzten Note genießen. Und so wollte ich das auch bei „Sehnsucht“ tun. Das funktionierte auch bis ca. zur 30. Sekunde. Denn dort wurde mir mit einem (leider mittlerweile im Promo-Bereich typischen) Voice-Over mitgeteilt, was ich gerade höre. Nun gut, 2 Voice-Over pro Song bin ich ja schon gewohnt – aber was mir hier vorliegt, ist eine Entweihung der CD und die Säge am Nervenkostüm gleichermaßen. Im Schnitt alle 25 – 30 Sekunden ertönt eine sympathische Frauenstimme, die mir erzählt, dass ich LACRIMOSAs neues Album mit Namen „Sehnsucht“ goutiere. Wenn man bedenkt, dass das Album beinahe 60 Minuten lang ist, kann man sich ausrechnen, wie oft mir diese Mitteilung übermittelt wurde. Das ist definitiv zu viel! Ich stand für mich ganz persönlich davor, dieses Werk a) zurückzuschicken oder b) richtig zu zerreißen! Denn Spaß geschweige denn ein Gefühl für die Musik konnte ich hier nicht entwickeln. Aber das wäre für die Leser nicht fair und würde, wohl oder übel, dem Album (also das was davon hörbar war) nicht gerechtfertig sein. Denn abseits der geschätzten 120 „Interludes“ liegt hier ein klassisches und beeindruckendes Werk vor! Tilo hat es für meinen Geschmack geschafft, seine letzten Alben zu „überspringen“ und eine direkte Verbindung zum grandiosen „Elodia“ zu schlagen. Dabei fällt jedoch auf, dass das hier wohl die erste VÖ ist, bei welcher der Begriff „Sehnsucht“ in den eigentlichen Texten namentlich nicht erwähnt wird (was natürlich gerade bei dem Titel überrascht). Dabei ist dieses Wörtchen doch sonst so beliebt in der lyrischen Melancholie der Eidgenossen. Auch handelt es sich auch wieder um ein Konzeptwerk. Tilo besingt in den 10 Songs die 10 Facetten der Sehnsucht, ohne wie bereits angesprochen das Wort an sich in der Lyrik zu nutzen. Lediglich in einem Songtitel („Die Sehnsucht in mir“) kommt der Begriff vor. Über diesen feinfühligen Opener geht es zu „Mandira Nabula“ weiter. Hier wird der Vortrag am Mikro schon harscher und die Gitarren werden neben anderen Instrumenten auch vom Akkordeon begleitet. Das folgende „A.u.S.“ ist wieder ruhig ausgefallen und könnte stilistisch auch auf „Einsamkeit“ stehen. So arbeitet sich die Formation Stück für Stück durch die verschiedenste Gemütszustände, um schlussendlich im „Koma“ zu landen. Dieser Zustand wird in bombastischer Art mit viel Orchester und mächtigen Gitarren intoniert. An Schluss bleibt man allein zurück – gefangen in der Melancholie dieser Songs und ist drauf und dran, noch einmal den Startknopf zu drücken – zumindest wenn das Material frei von VoiceOver wäre). Auch klanglich ist dieses Album wieder eine typische LACRIMOSA-Scheibe. Sauber produziert, druckvoll und dabei nie den Bandeigenen Charme vermissend unterstützt der Sound das Werk nachhaltig.

Als Fazit kann ich hier jetzt nur eines sagen: Ich wäre bei einer ordentlichen Promo wohl wirklich ins Schwärmen geraten. So allerdings bleibt ein fader Beigeschmack. Ich konnte mich nicht richtig auf die CD einlassen und war am Ende einfach genervt! Das Album wird in der finalen Version mit ziemlicher Sicherheit „groß“ sein – aber das, was mir hier als Schreiberling vorgesetzt wurde, ist es nicht wert, mehr als nur einmal gehört zu werden.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

LACRIMOSA - Weitere Rezensionen

Mehr zu LACRIMOSA