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LAITH AL-DEEN - Bleib unterwegs

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Artist LAITH AL-DEEN
Title Bleib unterwegs
Homepage LAITH AL-DEEN
Label SONY
Leserbewertung
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6.3/10 (3 Bewertungen)

Jeder hat ja so seine „guilty pleasures“. Künstler, die man aufgrund der eigenen musikalischen Sozi-alisation eigentlich mit Missachtung strafen müsste, die einem aber doch irgendwie ans Herz ge-wachsen sind. So ein alter Metaller/ EBMler wie ich (mit der Betonung auf „alt“) mag mittlerweile auch ganz gern mal ruhige Klänge, so denn mit einer gewissen Klasse und Authentizität dargeboten. LAITH AL-DEEN fällt in diese Kategorie: Keine bahnbrechende Musik, aber ein sympathischer Künstler, gute Stimme, nicht zu flache Texte, ein Schuss Melancholie, eine Prise Aufbruch. Und man kann zu einigen seiner Stücke sehr gut „Spinning“ fahren, das nur am Rande. „Bleib unterwegs“, der Titel des neunten Studioalbums seit 2002, klingt da irgendwie programmatisch. Nie Stillstehen, im-mer neugierig sein, immer nach vorne schauen. Ein neuer Produzent – Udo Rinklin (u.a. Herr Poisel) – ist auch an Bord, ob die Scheibe damit gleich ein „Wagnis“ ist, wie der Pressetext verkündet, sei mal dahingestellt.

Wo LAITH AL-DEEN draufsteht, ist er auch drin, Metalcore oder Hip Hop sind nicht zu erwarten. Eher erdiger, mal soulig, mal rockig, mal leicht elektronisch angehauchter Pop ohne die ganz großen Ecken und Kanten – aber auch Welten von der Belanglosigkeit luxuslärmiger Silbermonde entfernt. Dieses Mal hat der Deutsch-Iraker vorab auch seine Facebook-Anhänger um interessante Geschich-ten geben, ein cleverer, identitätsstiftender Schachzug, der zudem die emotionale Schwarmintelli-genz nutzt. Dass dabei letztendlich die „üblichen“ Themen im Vordergrund stehen… geschenkt. An-fang einer Liebe, Ende einer Liebe, Aufrichtigkeit, verpasste Chancen, Leidenschaft wider das Desin-teresse. Es sind überwiegend persönliche Dinge, nicht die politische Groß-Wetterlage. Dadurch wirkt das Ganze intim und wahrhaftig, wenngleich auch Laith nicht vor Worthülsen zurückschreckt, sich allerdings doch deutlich von den Allgemeinplätzen diverser Kollegen abhebt. Hervorzuheben neben der emotionalen Vorabsingle „Geheimnis“ (die sich nicht in den Charts platzieren konnte, spricht für Laith), das treibend groovige „Du fehlst“, der von GREGOR MEYLE komponierte Titeltrack, das sich langsam ins Gehirn fräsende „5 Sekunden“ mit dem Zählrefrain und das ansatzweise experimentell-/ trip-hoppige „Elektrisch“. Dazu noch ein gelungenes Duett mit der lieben CÄTHE namens „Nichts was es nicht gibt“.

Im Grunde wird jeder, der sich bis jetzt zu Herrn Deens musikalischem Output bekannt hat, mit der neuen Scheibe zufrieden sein, innerhalb seiner Discographie ist diese mit Sicherheit im oberen Drit-tel anzusiedeln. In den Geschichten wird sich letzten Endes jeder noch so störrische Gefühlskühl-schrank wiederfinden. Und jetzt immer schön in Bewegung bleiben…

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