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LAITH AL-DEEN - Session

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Artist LAITH AL-DEEN
Title Session
Homepage LAITH AL-DEEN
Label SONY
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Jeder von uns hat einen persönlichen Soundtrack seines Lebens. Stücke, die uns gleich beim ersten Hören verzaubert, berührt und in ihren Bann gezogen haben. Stücke, die wir mit bestimmten Personen oder Situationen in Verbindung bringen. Stücke, die wir gerne selbst geschrieben und gesungen hätten. Wohl dem, der zu den etablierten deutschen Popstars gehört wie LAITH AL-DEEN und mit „Session“ diesen Wunsch frei nach dem Lustprinzip in die Tat umsetzen kann. Bislang hatte ich Herrn Al-Deen nicht so auf meinem Radar, was im Wesentlichen mit meiner nicht allzu großen Affinität zu deutschsprachiger Musik zusammenhängt, jedoch keinesfalls als Ignoranz der von Al-Deen gebotenen Qualität verstanden werden darf. Und weil zum Soundtrack von Laith auch STING oder BRUCE SPRINGSTEEN gehören, gibt es für seine „Session“ einen kleinen Waffenstillstand im Kampf um die Anerkennung deutschsprachiger Popmusik, für die er sonst gerne ins Feld zieht. Wir haben also gute Chancen, zusammen zu kommen – auch weil wir (fast) gleichaltrig wohl eine ähnliche Plattensammlung unser eigen nennen, wie mir ein erster Blick über die Tracklist verrät.

Los geht es mit einer Nummer von DES’REE, das gut zum Soundkosmos von Laith passt, „You gotta be“ war auch im Original ein schönes Stück Soul aus den 90ern, das man auch heute noch oft im Radio hört. Bei „Evelin“ macht mein Herz natürlich einen Sprung, ein wundervolles Kleinod der NATIONALGALERIE aus der Feder von NIELS FREVERT, für mich das Beste, was die Hamburger Schule hervorgebracht hat und in meinem Kopf fest mit einer bestimmten Person verknüpft. Da hätte sich Herr Al-Deen schon mächtig anstrengen müssen, um das Ding zu verhauen, hat er aber nicht, es gefällt mir auch aus seiner Kehle, nah am Original, nur ein großes Stück weniger räudig und rotzig. Auch mit „If I ever lose my faith“ von STING rennt er bei mir offene Türen ein, bewundere ich doch das Gesamtwerk des Herrn Sumner uneingeschränkt, hier als schöne Klavier-/ Celloballade interpretiert und nicht einfach nur nachgespielt. „Luka“ von SUZANNE VEGA war mir mal eine Zeit zu abgenudelt, kann man sich mit männlicher Stimme und als lockeren Gitarren-Groover wieder antun. CLUESOs wunderschön melancholisches „Winter Sommer“ hingegen verliert als Reggae für meinen Geschmack an der nötigen Tiefe, hier gebe ich dem Original den Vorzug. Es folgt ein weiterer großer Name: DAVID BOWIE mit „This is not America“, gelungen umgesetzt, wenngleich nicht mit der gleichen magischen Sogkraft. „Der Sturm“ ist ein Eigengewächs, das sich auffallend unauffällig in die anderen Stücke einreiht. Weiter geht es mit dem Boss BRUCE SPRINGSTEEN und „I’m on fire“, ein weiteres Stück auch aus meiner Vinyl-Sammlung und Laith kann hier mal so richtig in den tiefen Lagen brillieren, auch diese Version empfiehlt sich für längere nächtliche Autofahrten. Nun ein großer Sprung zu IDEALs „Eiszeit“, sehr psychedelisch und von daher etwas aus dem Rahmen fallend, das Thema aber immer noch aktuell (oder einfach zeitlos?). „Lay your love on me“ dann wieder das absolute Gegenteil, kein Wunder hätte ich doch Laith als deutschsprachiges Pendant zu ROACHFORD genannt. Sehr, sehr relaxed – hier ist der Mann zu Hause. „Oh yeah“ stammt im Original von ROXY MUSIC und kommt gemütlicher und warmherziger als von BRYAN FERRY daher, außerdem mit schöner Chorunterstützung. SEAL passt natürlich auch gut zum Sound von Laith Al-Deen. Mit „Prayer for the dying“ hat er sich ein eher melancholisches Stück ausgesucht, ein wenig intimer und vergleichbar gefühlvoll umgesetzt, ein Highlight des Albums. Wer eignet sich besser als Rausschmeißer als FRANK SINATRA? „It was a very good year“ hat zum Glück keine Abnutzungserscheinungen und setzt einen passenden Schlusspunkt unter ein durch und durch gelungenes Album.

13 Stücke über etliche Genres hinweg hat LAITH AL-DEEN mit mal mehr, mal weniger Veränderungen in seinen Sound-Kosmos geholt und dabei hörbar Spaß gehabt. Man spürt seine Liebe zu den einzelnen Songs (die nicht immer zu den ganz, ganz großen Hits der Original-Interpreten gehören) und so muss ich mein Bild vom „Schmusepapst“ ein wenig revidieren. Durch die geschmackssichere Auswahl der Titel und einer durchgehend begeisternden Gesangsleistung hat mich Laith nun doch noch gekriegt. Ein schönes Sommer-Album, nicht nur für die Ü30-Fraktion!

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