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LARRY BISHOP - Hell Ride (DVD)

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Artist LARRY BISHOP
Title Hell Ride (DVD)
Homepage LARRY BISHOP
Label SENATOR/ UNIVERSUM
Leserbewertung
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Teenager, dessen Mutter sich mit verlodderten Motorradfahrern rumtreibt, wird Waise, da drei böse Rocker Mami anzünden. Schmorbraten mag der Kleine nicht so gerne und rächt mit Hilfe einiger Witzfiguren „Muttern“, wofür er sich (unverständlicher Weise) geschlagene (ca.) 32 Jahre Zeit lässt.

Jene zwei Sätze braucht man höchstens, um diese total in die Nesseln gesetzte Reanimation des in den seligen 60/ 70ern so beliebten Biker/ Rocker Movies zu beschreiben. Diese hauptsächlich in Bahnhofs und Autokinos beheimatete Spezies, wird von Filmgelehrten (und Figuren, welche sich dafür fälschlicherweise halten) als Exploitation Kino ab- bzw. aufgewertet, was insoweit richtig ist, dass diese Filme kein eigenständiges Genre begründeten, sondern ein späteres Subgenre anführen (z.B. Roadmovies usw. usw.).

Zurück zu „Hell Ride“, dieses Desaster hat ein gewisser Larry Bishop zu verantworten. Bishop ist ein American Actor, Screen Writer und Movie Director (Quelle: Wikipedia), der bereits Ende der 60er Jahre in einigen Rockerstreifen mitgespielt hat. Außerdem ist Bishop mit Tarantino ziemlich dicke, er spielte auch den arroganten Chef von Budd in „Kill Bill Vol. 2“. Dies sollte der Leser dieser Zeilen wissen, damit er kapiert, weshalb Bishop nach seiner letzten, bereits zwölf Jahre zurück liegenden Regiearbeit (welche ich glücklicherweise nicht kenne) plötzlich wieder die Chance bekam, Regie nach eigenem Drehbuch zu führen und sogar als Hauptdarsteller rumkaspern darf.

Bishop traut sich viel, kann aber leider nichts! Beim Drehbuch brauchen wir uns nicht lange aufzuhalten, es existieren unsterbliche Klassiker mit noch weniger Story und diese funktionieren auf wunderbare Art und Weise. Kommen wir zu Larrys Schauspielkunst. Der Typ ist mindestens Anfang sechzig (sein tatsächliches Alter ist im WWW leider nicht festzustellen), sieht mit seinem (angeklebten?) schwarz gefärbten Bart und Haupthaar und dem bescheuerten Dauergrinsen ungelogen aus wie „Graf Zahl“ aus der Sesamstrasse, stiefelt aber wie ein Bandido durch die Sierra. Bishop scheint sich für unwiderstehlich zu halten, denn er inszeniert sich so, dass wirklich jede Pussy die ihn nur riecht, umgehend „on Fire“ ist. Dass ein „untalentierter Gernegroß mit Beziehungen“ auf peinlichste Weise versucht, sich selbst abzufeiern und sich einbildet, er wäre cool, ist eine Sache, dass es Bishop aber gelingt, seinen nicht gerade uninteressanten Cast aufs eigene erbärmlichste Niveau herunter zu ziehen, das ist doch sehr bemerkenswert.

Vinnie Jones, der als Fußballprofi dadurch berühmt wurde, Paul Gascoigne vor laufender Kamera in die Eier gegrabscht zu haben und später von Madonnas (Ex) Mann für die Tough Guy Rollen in dessen Brit Gangster Lichtblicken entdeckt/ traumbesetzt wurde, um dann nach Hollywood umzuziehen, ist es in „Hell Ride“ als Oberböser schlicht und ergreifend langweilig. Er agiert als eine Art Vernon (der Wetz aus Roadwarrior) Wells für Bescheuerte. Michael Madsen, jeder sollte ihn eigentlich kennen, beweist einmal mehr deutlich, dass er seine besten Jahre wohl endgültig hinter sich gebracht hat. Madsen agiert als einer von Bishops Gang Members und disqualifiziert sich beispielsweise dadurch, dass er seine Club Patches auf einem Sacko anstatt auf ner Kutte trägt = autsch! Außerdem quatscht Madsen nur Scheißdreck und liefert sich mit einem gewissen Eric Balfour in einer Wüstenkneipe den längsten Faustkampf seit John Carpenters „They Live“, leider ist Bishop nicht Carpenter und so missrät auch diese Sequenz aufs Gröbste, was Bishop, der in dieser Szene schauspielerisch anwesend ist, nicht im geringsten daran hindert, sein patentiertes Idiotengrinsen zu perfektionieren (es ist wirklich sick!). Weiter geht es mit David Carradine. Machen wir uns nichts vor, der olle „Quai Tschang Caine“ war seine gesamte Laufbahn über auch immer nur Kategorie „b“ – „c“, oder? In „Hell Ride“ reicht es für den Sohn des John und den Bruder des Keith gerade mal dazu, für drei Minuten gefesselt auf einen Stuhl zu sitzen und angezündet zu werden. Da lob ich mir doch Herrn Cage, der im umwerfenden Grindhouse in noch kürzerer Zeit äußerst Academy Award verdächtig den Dr. Fu Man Chu gibt. Gehen wir über zu Dennis Hopper, der ja nicht nur „Easy Rider“ in Szene setzte (auch wenn er bei den Dreharbeiten so breit war, das ihm dabei geholfen werden musste), sondern auch in nicht wenigen reinrassigen Bikermovies in Nebenrollen brillierte. Hopper muss sich hier in seiner ersten Sequenz von einem Vollidioten auf die Stiefel pullern lassen. Danach versucht Dennis in diese filmische Katastrophe etwas Würde rein zu bringen, er scheitert mit einem Lächeln.

Noch mal zum Konstrukt von „Hell Ride“. Den geistlosen Dialogen zuhören zu müssen, ist eine Tortur. Der Film wird umständlich erzählt, was total unnötig ist, denn dadurch wirkt er nur konfus. Aber der Produzent heißt Tarantino und Bishop wäre gerne so gut wie sein Freund. Der Look, welcher durch Hilfe momentan wieder so beliebter Farbfilter kreiert wird, passt überhaupt nicht zu einem Rockerfilm. Eher zu den TV Poserproduktionen, denen der bereits weiter oben erwähnte Senor Balfour entliehen wurde. Deshalb erweckt „Hell Ride“ auch bereits nach sehr kurzem zweifelhaften Genuss den Eindruck, dass man es hier mit unehrlichem Scheißdreck zu tun hat. Schon das Old Shool-artige Filmplakat, welches beim begeisterten Fan „richtiger“ Grindhouse Movies absolut falsche Hoffnungen erweckt, ist eine unverschämt dreiste Lüge. Nebenbei gesagt, die paar Biker Sequenzen aus Walter Hills „Another 48 Hours“ sind 1000 Prozent authentischer als Bishops Müll. Einzig Vinnie Jones scheint sich am Ende „brennend und mit zerschnittenen Hals“ kaputtzulachen, weil er kapiert, wo er hier gelandet ist. Spiel lieber wieder Fußball Vinnie, bei Sporting Mutante in Berlin ist gerade ein Job frei!

Hell Ride= Null Action, Null Spannung, Null Coolnes und zu viel einschläferndes Bla Bla müder Männer im Rentenalter. Hell Ride = ein wirklich schlechter Film eines noch mieseren Möchtegern Regisseurs. Larry Bishop = der komischste Kauz seit Ed Wood. Das musste einfach einmal in dieser Deutlichkeit manifestiert werden, bevor dieser Schund wieder von irgendwelchen Blindgängern abgefeiert wird. Ignoriert diesen bornierten Hochglanzschund einfach und schenkt eure wertvolle Freizeit/ Aufmerksamkeit lieber den wunderbaren Klassikern des Genres, wie zum Beispiel „The Born Losers“, „The Northville Cemetery Massacre“, „Werewolves On Wheels“ (für Freunde des Obskuren!), „Stone“ oder „Mad Max“ – um nur einige aufzuzählen. Oder freut euch mit mir auf das neue Projekt von einem Maestro, der mit seinen drei bisherigen Werken beweist, dass er das Exploitation Kino heiß, ja innig liebt und verstanden hat. Ich rede von Rob Zombie und seinem neuen Epos „Tyrannosaurus Rex – …there will be Blood Bikers“. Angeblich konnte Rob den großartigen Viggo Mortensen für die Hauptrolle gewinnen. Ein Gefühl freudiger Begeisterung befindet sich seit dieser News in meinem Körper und dieses Gefühl ist wohlig.

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