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LAST RITES - Mind Prison

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Artist LAST RITES
Title Mind Prison
Homepage LAST RITES
Label TWO FAT MEN
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Es ist ein Initiationsritus, den jede junge Band durchwandern muss: In kleinen Clubs spielen, Demos an Fanzines und Plattenfirmen verschicken, hoffnungsfroh warten, abgewiesen werden. Mit ein wenig Glück darf man in einer dreckigen Kneipe für ein paar Bier Bezahlung auftreten. Bei dem italienischen Vierer LAST RITES gingen die Dinge allerdings bedeutend geschmierter. Nachdem die definitive Konstellation feststand und man ein erstes Demo aufgenommen hatte, flatterten rasch Live-Angebote ins Haus und innerhalb kurzer Zeit standen eigene Tracks auf vier Kompilationen. Sicherlich: Zu den gängigen Haushaltsnamen gehörten diese nicht, doch sorgten sie rasch dafür, den Bandnamen überregional bekannt zu machen. Das niederländische Label Two Fat Men biss zu und hat einen guten Fang gemacht.

Denn dass es die Truppe mit dem Erfolg eilig hat, wird gleich in den ersten Takten klar. „Mind Prison“ huldigt dem Bay Area Thrash, bringt aber nicht die nostalgische Aura, sondern vielmehr die aufwühlende Energie und die jugendliche Frische der frühen Tage zurück. MEGADETH mit einem Schuss ARCH ENEMY? PANTERA mit Melodikeinlagen? Ja, all das! Thrash spielt eine Rolle und von den Großen, die bei ihnen im Plattenschrank stehen, haben sich LAST RITES einige Kniffe und dicke Riffe abgeguckt. Doch sollte man ihnen das nicht sonderlich vorhalten, denn im Vergleich zu einigen traurigen Kopisten haben die Jungs auch wirklich etwas auf dem Kasten. Das fängt bei der coolen, detailverliebten Schlagzeugarbeit an und endet noch lange nicht bei der einfallsreichen, aufs Wesentliche reduzierten Saitenarbeit. Denn auch die eigenverantwortlich durchgeführte Studioarbeit ist von allererster Güte: Ein frischer, polierter Sound ist das. Kühl, doch nicht klinisch. Klar, doch nicht zu kommerziell. Wenn dann auch noch die Songs stimmen, muss sogar der letzte Zweifler verstummen: „Without Face“ legt wie ein gewöhnlicher Thrasher los, ehe sich im Refrain züngelnde Gitarrenlinien arabesk um ein drohendes Riff winden. „Psycho Killer“, einer der frühen Stücke der Gruppengeschichte, hat alles, was ein Hit benötigt: Ein brillantes einleitendes Riff, einen bärenstarken Refrain und ein stimmiges Arrangement mit einem blitzenden Solo. „Kuldemonium“ schließlich ist ein klug konzipiertes und treffsicher realisiertes Instrumentalstück. Nur ein einziges Mal verfehlt die Gruppe das Thema, als der Versuch, jetzt auch noch in Powermetal zu machen und dabei richtig zu singen, kläglich scheitert. Nur weil sie aus Italien kommen, heißt das noch lange nicht, dass sie so etwas straffrei durchziehen dürfen!

Es bleibt bei diesem Aussetzer. Der Rest macht viel Spaß, verdammt viel sogar. Und zeigt noch einmal auf, wie groß der Unterschied zwischen nur mehr ordentlichem und grandiosem Thrash sein kann. Dass LAST RITES das „Almos Famous Competition“-Publikum problemlos für sich zu gewinnen vermochten: Eine Selbstverständlichkeit. Der zweiten Teil des Wettbewerbs findet nun unter den bedeutend härteren Auspizien einer gnadenlosen Jury statt: Der Öffentlichkeit. Und bei der haben sich schon viele Prognosen aus dem Vorfeld als verfrüht erwiesen. Doch dass dies die letzten Riten dieser Band sein sollen, wird wohl nur ein hoffnungsloser Pessimist vermuten.

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