Band Filter

LAVA 303 - Wunderbare Electrofrau

VN:F [1.9.22_1171]
Artist LAVA 303
Title Wunderbare Electrofrau
Homepage LAVA 303
Label HERZBERG VERLAG
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
0.0/10 (0 Bewertungen)

Hinter LAVA 303 steckt Constanze Maly, die auch bei der All Girl Band THE SLAGS mit von der Partie ist. Allerdings steht bei LAVA 303 weniger Schlampenrock, denn elektronischer Acid Rock mit einigen merkwürdigen Nebenschauplätzen auf dem Programm. Entstanden ist LAVA 303 vor etwas mehr als zehn Jahren als ein Projekt, in dem sich Constanzes Suche nach einem anderen Leben spiegelten sollte. „Wunderbare Electrofrau“ ist dabei so etwas wie ein musikalisches Tagebuch des vergangenen Jahrzehnts, in dem offensichtlich eine Menge passiert ist.

Einigermaßen sphärisch geht es „Hinein in’s neue Hexenjahr“ los, bevor sich das coole „Ich lieb dich von fern“ nicht nur 2-RAUMWOHNUNG-Fans empfiehlt. „Dancing“ ist zweifellos zum Tanzen gemacht und gefällt mit satten Gitarrenriffs, die auf knackige Synthie-Samples treffen. Lässt sich soweit gut an, also die Regler etwas aufdrehen und den Bass wummern lassen. Klappt auch ganz hervorragend bei „Everything’s About Politics“, wobei das Ganze eine Spur elektronischer wird und die Vocals Richtung ANNE-CLARK-Sprechgesang changieren. Kann man sich zweifelsohne ebenso anhören wie das unterkühlte „Mamabitch“. Dann kommt mit „Amazonenstaat“ eine Nummer, die es nicht wirklich gebraucht hätte. Zumindest nicht für den unbeleckten Zuhörer ohne Hintergrundwissen, was möglicherweise hinter dem Song stecken mag. Beim bloßen Hören wirkt „Amazonenstaat“ wie eine schlechte Emanzenhymne, aber ich verweise an dieser Stelle auf den Tagebuchcharakter des Longplayers. Wird schon alles seinen guten Grund haben. Gleiches gilt für „Plemetina“, ein Traditional aus dem Kosovo, das sich mit orientalisch anmutenden Klängen anschließt. Getoppt wird der Balkanpop-Ausflug mit dem Remix eines Hochzeitsliedes aus der Region und einem mit Musik unterlegten Interview („Kallma Cigaren“), das ebenfalls im Kosovo entstanden ist. Da ist mir eindeutig die „Babyblues Session 2“ näher. Weniger wegen des Babyblues, sondern da die Groovebox wirklich Laune macht. „Party Politics“ wabert unaufdringlich vor sich hin, bevor „Place of Art“ wieder mehr Tempo macht. „Der Berg groovt & Urs Balboa“ passt hervorragend zu einem Alt-Achtundsechziger-Sit-in, dem „Der Erik“ auf eher unangenehme Weise folgt. Die Percussions sind ja absolut ok, aber diese immer wiederkehrenden Wortfetzen vom kleinen Erik, der auch mal sagen darf, wo er denn wohnt und mit wem er gern spielt, nerven ganz einfach. Wahrscheinlich fehlt mir für so etwas ebenso der Zugang wie zu „Wurzelzwerge“. Scheint so etwas wie ein kindgerechter Selbstfindungstrip zu elektronischer Musik zu sein, dem sich mit „Gathering of The Tribes“ noch eine Art Trommelkurs anfügt. Inzwischen rechne ich mit allem, weshalb die monotone „Babyblues Session 3“ nicht mehr sonderlich überraschen kann. Was fehlt noch? Natürlich: der obligatorische Protestsong zur Akustikgitarre. Wie schön, dass mit „Immigrant Song (Frankfurt am Meer)“ umgehend Abhilfe geschaffen wird.

Nach einem vielversprechenden Start habe ich irgendwann den Überblick verloren. Zu viel chaotisches Irgendwas, das sicherlich sehr bedeutungsvoll für die Künstlerin ist, sich mir aber auch nach mehrmaligem Hören nicht erschließen wollte. Versucht selbst euer Glück!

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

LAVA 303 - Weitere Rezensionen

Mehr zu LAVA 303