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LEÆTHER STRIP - After the devastation

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Artist LEÆTHER STRIP
Title After the devastation
Homepage LEÆTHER STRIP
Label ALFA MATRIX
Leserbewertung
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9.3/10 (3 Bewertungen)

Das Christkind kam dieses Jahr früher als erwartet, meine bestellte LEÆTHER STRIP CD ist schon unerwartet eingetroffen, obwohl der offizielle Release Termin eigentlich der 13. Januar ist, aber ich will mich garantiert nicht beschweren, denn nach der phänomenalen Comeback-EP „Suicide Bombers“ konnte sich meine Ungeduld kaum in Grenzen halten. Ja, Claus Larsen ist endlich wieder unter den Lebenden und bringt als Begrüßungsgeschenk gleich ein Doppelalbum auf den Markt. Wer sich die EP schon besorgt hat, wird von einem bekannten Stück begrüßt, die CD fängt mit „The Shame of the Nation“ als Album-Edit an, nicht besonders anders aber etwas glatter gebügelt, damit es besser als Albumopener herhalten kann. Mit „Back in Control“ kommt das erste neue Stück daher und zeigt gleich seine wahre Herkunft, unverwechselbar in alter Manier wird die Midtempo-Stärke des Dänen gezeigt, nicht hektisch aber dafür sehr tanzbar. Man bemerkt auch den aktuellen Zahn der Zeit, seine elektronischen Spielzeuge sind moderner geworden, und das will er auch zeigen, zum Glück verliert LEÆTHER STRIP dadurch nicht an Charme. Nun kommt wieder ein Song von der EP zum Einsatz, „Death is walking next to me“ als Album-Edit bringt nichts Neues und ist leicht softer im Ansatz. Bei „A boy“ kommt endlich etwas Schwung in die Geschichte, leicht technoid angehaucht wird zum Tanz aufgefordert, und der Track avanciert sofort zu einem meiner Favoriten. Herr Larsen kann aber auch anders, mit „Dying is easy, life is harder“ kommt etwas völlig neues von ihm, mit minimalen Soundspielereien zaubert er einen Hit ohne gleichen, mit zarter Stimme hat er seinem bisher melodiösesten Song auf die Welt geholfen und erfindet sich somit neu. „Sleep is only heartbreak“ kann man getrost gelangweilt überspringen, dafür entschädigt „Slam“ mit harten und guten Beats die Knüppel-Fraktion. Man kommt aus dem Staunen nicht mehr heraus, bei „Smerte“ singt er tatsächlich auf Dänisch (vermute ich mal) mit typischer LS-Untermahlung. „Happy Pills“ zeigt uns wiederum seinen herrlichen Hassgesang, macht kräftig Druck und zählt sicherlich zu den besseren Songs der ersten CD. Bei den nächsten beiden Tracks findet man nichts besonderes mehr vor, guter altbekannter Sound, nur das letzte Stück ist noch eine imposante 11-minütige Instrumentalorgie.

Wie schon erwähnt ist es diesmal ein Doppelalbum, und da wollen wir doch mal gleich nachschauen, was uns auf dem zweiten Silberling erwartet. Ein Kracher namens „Gaza Strip“ macht den Anfang, zwar etwas langsam aber noch mit genügend Biss, um einen hypnotisch über die Tanzfläche gleiten zu lassen. „Suicide Bombers“ sollte nun jeder kennen, doch die Album-Version solltet Ihr euch unbedingt anhören, diese zeitlich gekürzte Fassung stellt schon fast die Maxi-Versionen in den Schatten: Sozusagen kurz, prägnant und tanzbar bis zum geht nicht mehr, eigentlich schade dass es nicht auf der EP drauf war, aber egal, ich habe sie ja nun. Noch ein alter Bekannter sagt „Hallo“, eine 2006er Version von „Carry me“ kommt auch vor und versucht sich noch mal bei den Fans vorzustellen. Claus gab dem Song mehr Drive auf den Weg, und zum ersten Mal kann ich mir ihn auch in einer Disko vorstellen. „Empty Space“ zeigt er schon wieder neue Gesangsspielereien mit sehr schönen flächigen Sounds, welche durch Mark und Bein gehen, hat einen sehr netten 80er Underground Touch, einfach ein Traum, BOYTRONIC müssten neidisch werden. „Junkie do, Junkie die“ ist ein einfaches instrumentales Stück von LE, an sich gut, aber das sind wir von Claus Larsen eh gewohnt. Bei „Homophobia“ wird Holz nachgeschoben, ein sehr geiles Meisterstück im Namen des Herrn, cooler Elektro-Synth. Die bisherigen Albumversionen der EP Stücke waren außer „Suicide Bombers“ eher mau, beim letzten Vertreter „This is where I wanna be“ zeigt er auch mal eine verbesserte Kreation, zwar nur in erster Linie beim Anfang, aber dies gibt dem Ganzen schon einen neuen Anstrich. Auf die nächsten 3 Lieder werde ich nicht eingehen, LE-Einheitsbrei ohne Wiedererkennungswert, aber bei „I was born that day“ wird es interessant, sakrale Orgeln bieten ein düsteres Opus, welches ich in dieser Form noch nie gehört habe. „Leaether Strip Part 3“ ist noch ein abschließendes Instrumentalstück, wie die beiden Vorgänger auch und dementsprechend anhörenswert.

Wer in den Genuss kommt, die Limited Edition von „After the devastation“ gekauft zu haben, bekommt noch einen dritten Silberling namens „Aeftershock“ präsentiert. Abgesehen vom Titelstück „Aeftershock“ sind alle Titel Remix-Versionen von Albumstücken. Der Titeltrack ist nur ein Instrumental mit Samples, jedoch ist es für das Beste, was Claus Larsen in dieser Art je raus gebracht hat, eigentlich sogar das Beste seit FRONT 242 mit „Welcome to Paradise“. Der Rest sind sehr gute Remixe, mal mit Klavier, dann im Future-Pop-Look oder EBM-Stil, jedoch möchte ich das Interesse besonders auf 3 Exponate lenken. „Slam (Fist Fight At Tekno Club Mix)“ ist das härteste innovativste Stück seit „I Am Your Conscience“, wer dazu nicht tanzt, ist taub oder besitzt 2 Holzbeine. Bei „Empty Space (New Romantics Version)“ und „I Was Born That Day (Rest In Peace Bob Moog Version)” kommt etwas ins Spiel, was mir schon vorher auffiel, ein leichter Hang zu 80er Songs, welche hier perfektioniert werden, diese Mischung aus analogem Synthiepop und harten EBM-Klängen ist für meine Begriffe bisher Einmalig. Wenn Ihr also überlegt, das normale Doppelalbum oder die Limited Edition zu kaufen, dann geht die Tendenz ganz klar zu Zweitem.

Jetzt noch das Resümee, man muss dieses Meisterwerk unbedingt kaufen, es geht eigentlich kein Weg daran vorbei, alleine die Ideenpalette des Altmeisters ist überwältigend, so was kann Ihm keiner so schnell nachmachen. Leider kann ich „After the devastation“ nicht die Höchstnote vergeben, denn es gibt doch zwischendrin ein paar kleine langweilige Hänger wie beim Vorgängeralbum „Self-Inflicted“ auch, die Genialität seiner besten Stücke macht das fast vergessen, ganz außer acht lassen darf man das aber nicht. Anspieltipps gibt es zur Genüge, am besten meine Tipps der obigen Rezension raus schreiben, aber meine absoluten Lieblinge sind die Außergewöhnlichen geworden wie „Dying is easy, life is harder“, „Happy Pills“, „Carry me Version 2006“ (ja, trotzdem ein prima Song) und „Empty Space“, die Favoriten der Mini-CD sind oben schon gut beschrieben. Noch Fragen Kienzle? Eine, Hauser! Wie macht dieser kleine Däne das nur alles? Tja, deshalb ist LEÆTHER STRIP LEÆTHER STRIP.

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