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LEICHTMATROSE - Gestrandet

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Artist LEICHTMATROSE
Title Gestrandet
Homepage LEICHTMATROSE
Label FERRYHOUSE/ WARNER MUSI
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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7.7/10 (111 Bewertungen)

Da ist er wieder der LEICHTMATROSE und legt nach der Single „Sexi ist tot“ mit seinem Debütalbum „Gestrandet“ nun schon zum zweiten Mal bei mir im heimischen Player an. Das freut mich natürlich sehr, war ich doch von der ersten Singleauskopplung schon mehr als überzeugt und restlos begeistert. Wohlweislich habe ich mir etwas Zeit genommen, um dem Silberling ganz genau zu lauschen, denn der Inhalt ist recht komplex und entfaltet sich nicht unbedingt beim ersten Hören. Eigentlich geht es um Alltagsthemen, die Gesellschaft und häufig auch deren ganz eigene Abgründe verpackt in manchmal sehr subtile Texte. Und hin und wieder wird es auch sehr direkt und umgangssprachlich.

Los geht es gleich mit dem ersten „Kracher“, der in dem Sinne gar keiner ist, denn eigentlich ist „Herztransplantation“ leise und todtraurig ausgefallen. Mein absoluter Favorit auf dem Album, denn besser kann man sich bei Liebeskummer gar nicht quälen als mit diesem Song. Und er wird mich immer an einen der unschönsten Abende meines Lebens erinnern. Ob das nun gut oder schlecht ist, sei jetzt mal dahingestellt. Ach ja, musikalisch bewegt sich das Ganze übrigens im poppigen Elektronikbereich mit NDW Einflüssen, bei „Studentenfutter“ auch mal mit Reggae Anleihen versehen. Aber nach wie vor faszinieren mich beim LEICHTMATROSEn vor allem die mit Wortspielereien gespickten, intelligent-kritischen Texte. Zu „In Wahrheit gelogen“ habe ich allerdings bis heute keinen rechten Zugang gefunden und werde das wohl auch nicht mehr, aber zum Glück folgen mit „Gestrandet“ und „Sexi ist tot“ (beide auch auf der gleichnamigen Single enthalten) gleich wieder zwei ausgezeichnete Titel, die mir mehr als nur gut gefallen. Sowohl musikalisch als auch inhaltlich, ohne da jetzt noch mal näher drauf einzugehen. Mit „Der einsame Astronaut“ wird es dann wieder melancholischer und äußerst sehnsuchtsvoll. Irgendwie ein richtiges Liebeslied, das genauso kitschig ist, wie es sich gerade anhört. Aber eben nett kitschig und nicht furchtbar kitschig. Das oben schon erwähnte „Studentenfutter“ kann mit einem ausgesprochen guten und nicht immer ganz politisch korrekten Text glänzen, ist aber musikalisch nicht so ganz mein Ding. Aber darüber kann man spätestens bei der Textzeile „Studenten sind blöd…“ hinwegsehen. Und dann kommt „Junge von nebenan“, bei dem einem angesichts der aktuellen Ereignisse in Winnenden das Lachen im Halse stecken bleibt. Konnte der LEICHTMATROSE natürlich zum Entstehungszeitpunkt nicht ahnen, als er den Text über einen Amokläufer mit schwerer Kindheit schrieb. „Peng, peng, peng macht das Schießgewehr“. Ähnlich schwere Kost ist dann auch „Vom Esel im Galopp verloren“ über Menschen die einen Mutterkomplex besitzen. Man stelle es sich so ähnlich wie bei Norman Bates in „Psycho“ vor. Mit „Leichtmatrosen haben’s schwer“ kommen wir dann wieder zum Thema Liebe (und Männer) zurück. Die Flucht nach der Trennung, das große und heimliche Leiden und das Trösten mit anderen Frauen. Irgendwie ein bisschen Macho-mässig, aber faszinierend. Und schon ist man mit „Der letzte Zug“ am Ende angelangt. Abschied liegt in der Luft und gleichzeitig ist es eine Metapher die jeden Raucher glücklich machen dürfte. Traurig, aber schön und als letztes Lied auf der Scheibe mehr als passend.

„Gestrandet“ ist eindeutig ein sehr abwechslungsreiches Album geworden, welches sich kritisch mit der Gesellschaft auseinandersetzt, ohne mit dem erhobenen Zeigefinger daher zu kommen. Es wird einfach gesagt, wie es ist. Dazwischen immer wieder eingestreut kleine aber feine Lieder über die Liebe, meistens wenig optimistisch, aber jeder wird das wohl nachfühlen können. Auf jeden Fall kann das Debütalbum halten, was die Single versprochen hat und ich bin froh, es mein eigen nennen zu können. Kann ich jedem nur wärmstens ans Herz legen, da es einfach irgendwie frisch und „neu“ klingt und eben nicht wie schon tausendmal gehört. Dabei könnte der Münsteraner sowohl in der Alternative/ Gothic Szene punkten wie möglicherweise auch beim Mainstream. Peter Heppner lässt grüssen. Ich wünsche dem LEICHTMATROSEN auf jeden Fall den verdienten Erfolg und bei mir wird „Gestrandet“ auch weiterhin regelmäßig aus den Boxen schallen.

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