Band Filter

LEICHTMATROSE - Sexi ist tot (Single)

VN:F [1.9.22_1171]
Artist LEICHTMATROSE
Title Sexi ist tot (Single)
Homepage LEICHTMATROSE
Label FERRYHOUSE/ WARNER MUSIC
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
7.8/10 (82 Bewertungen)

Durch einen äußerst glücklichen Zufall legte der LEICHTMATROSE mit seiner Single „Sexi ist tot“ in meinem heimischen CD Player an und ich befürchte, jetzt folgt eine längere Abhandlung, denn ich habe mich auf der Stelle verliebt. Entdeckt wurde Andreas Stitz, so der bürgerliche Name des LEICHTMATROSEn, von JOACHIM WITT auf Myspace und das nach kaum zwei Wochen Anwesenheit auf der Social Network Plattform. Schnell wurde er zu Stitzs Mentor, Mit-Produzent, Manager und Begleiter und das Ergebnis kann sich hören lassen, macht mich die Single doch immerhin schon neugierig auf das im April erscheinende Album „Gestrandet“. Von dem ich natürlich hoffe, dass es auch wieder bei mir vorbeigesegelt kommt.

Die Download-VÖ enthält drei Stücke, das oben erwähnte „Sexi ist tot“ in der Album Version und als Remix von PLASTIC NOISE EXPERIENCE sowie den Titeltrack des kommenden Albums. Musikalisch wird „theatralischer“ Elektropop geboten (mit einem Hauch Peter Heppner in der Stimme), der eingängig ist und die Beine mitwippen lässt. Gut zu hören, ohne langweilig zu werden. Der Remix hingegen ist wie zu erwarten härter und elektronischer ausgefallen, gefällt aber auch ausgenommen gut. Aber an dieser Stelle muss ich gestehen, dass die Musik ausnahmsweise für mich in diesem Falle eher eine Nebenrolle spielt, da ich als Textfetischist es hier eher auf die Lyrics abgesehen habe. Soviel Gefühl, was Metaphern und Wortspiele bzw. Wortwitz anbetrifft, habe ich selten erlebt. Beispiele gefällig? Sexi (man kann davon ausgehen, dass der Name sehr bewusst gewählt wurde), Protagonistin des Songs, verstarb, denn sie „aß niemals ihr Abendbrot“. „Die gut geplante Hungersnot fürs Sommermodenangebot“ war ihr Schicksal, denn „auch Jesus brach sein letztes Abendbrot und starb den frühen Heldentod, um glücklich zu sein“. Wenn man sich in der Ana-Szene ein wenig auskennt, dann weiß man, dass Frauen, die absolut diszipliniert auf Essen verzichten und fast nur noch aus Haut und Knochen bestehen, wie Heldinnen verehrt werden und gerne auch als Vorbild dienen. Somit könnte „Sexi ist tot“ durchaus zur Hymne aller selbstironischen Anorektikerinnen avancieren. Aber meine Lieblingszeilen möchte ich euch natürlich an dieser Stelle nicht vorenthalten: „Mit Augenrand und Trauerflor steht am Grab ein Mädchenchor, der Mädchenchor von H&M: „Immer weiter, noch ein Stück, wie viel wiegt für dich das Glück?“. Auf jeden Fall ein kritischer aber auch pointierter Blick auf dieses Krankheitsbild. Und auch „Gestrandet“ kann mit diesen ausgefeilten Wortspielereien und Metaphern dienen. Eine Sommerliebe, bei der man irgendwann feststellt, dass es doch nicht passt. Oberflächlichkeit vs. Tiefgang und jede Menge Missverständnisse. Ein Lied wie aus dem Leben gegriffen. Wäre ich Deutschlehrer, ich würde meinen Schülern diese Texte zum interpretieren vorlegen. Ich denke, man könnte dort eine Menge finden, über das es nachzudenken lohnt.

Wie man sicherlich gemerkt hat, bin ich absolut begeistert von dem, was ich gehört habe und ich freue mich schon jetzt sehr auf das Album, bei dem es hoffentlich noch mehr so interessante Stücke zu entdecken gibt. Auf jeden Fall ist „Sexi ist tot“ ein kurzweiliges Vergnügen, das zu hören lohnt und das ich jedem, der mit besagter Musikrichtung etwas anfangen kann oder ebenso Textfetischist ist, nur ans Herz legen kann.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

LEICHTMATROSE - Weitere Rezensionen

Mehr zu LEICHTMATROSE