Band Filter

LENNY KRAVITZ - Black and White America

VN:F [1.9.22_1171]
Artist LENNY KRAVITZ
Title Black and White America
Homepage LENNY KRAVITZ
Label ROADRUNNER RECORDS
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
10.0/10 (1 Bewertungen)

LENNY KRAVITZ wird politisch, zumindest ein bisschen. Aber Debatten über Schwarz und Weiß in Amerika – ist das nicht ebenso retro, wie man auch schon von Lennys Sound sagte? Stimmt. Aber tatsächlich ist beides gleichermaßen gut abgehangen und topaktuell. Der erste schwarze Präsident in den USA stößt aufgrund seiner Hautfarbe noch immer auf Ablehnung, und allein das war für LENNY, der russisch-jüdische und afroamerikanische Wurzeln hat, Grund genug, sich ausgiebig mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

Das tut er zumindest im Titeltrack, der neben der Beschwörung des Geists von Martin Luther King auch autobiographisch von der Ehe seiner Eltern erzählt, die als gemischrassiges Paar in den Sechzigern viele Anfeindungen über sich ergehen lassen mussten. Amerika ist schwarz UND weiß, betont LENNY, und das müssten die Leute doch endlich mal kapieren. Das mag kein beißender Politkommentar sein, aber es ist ein gut gemachtes Statement, das man ihm abkauft. Und klar, „Faith Of A Child“ wartet, wie der Titel schon vermuten lässt, mit reichlich Mutmach-Floskeln wie „I know we can make it“ auf, anstatt revolutionär neue Einsichten zu vermitteln, aber wir hören ja auch ein LENNY-KRAVITZ-Album und lesen nicht die New York Times. Will sagen, wir sind wegen der Musik hier. Und da enttäuscht LENNY KRAVITZ keinesfalls.

Er war schon immer Spezialist, wenn es darum ging, sich vor der Rocktradition zu verbeugen und gleichzeitig dynamisch und zeitgeistig zu klingen. Und das gelingt ihm auch auf „Black and White America“ mühelos. Die straighten Rocknummern liegen ihm dabei immer noch besonders, wie das packende „Come On Get It“ oder das STONES-beeinflusste „Everything“. Nur selten geht der Griff in die Traditionskiste daneben – „Rock Star City Life“ ist zwar sicher nett gemeint, bedient aber musikalisch und textlich wirklich nur Klischees und kann diesem schon ziemlich ausgelutschten Thema leider nichts Neues abgewinnen. Wesentlich frischer ist da „Boongie Drop“, das gelungen mit Dub- und Rap-Elementen spielt, clever noch ein Sample von „I Can’t Stand The Rain“ einflicht und einen schön hypnotischen Refrain kreisen lässt. „Liquid Jesus“ oder „Superlove“ wiederum sind eher durchschnittliche R&B-Kost, und das funkige Falsett steht Lenny nicht annähernd so gut wie kraftvoller Rockgesang. Andererseits bieten Songs wie diese dann wieder eine gelungene Brücke zum aktuellen Mainstream.

An „Black And White America“ gibt es jedenfalls weder qualitativ noch quantitativ etwas zu meckern – unter den 16 Songs ist kaum ein schwacher Track, auf den man hätte verzichten mögen. Sie alle verbindet zudem eine bestechend klare, knackige Produktion, die vor allem den funkigen Bass und den pulsierenden Groove schön hervorhebt. Vielleicht kein Meilenstein, der die Rockgeschichte völlig auf den Kopf stellt, aber durch die Bank großartige Songs, und was kann man mehr verlangen? It’s only rock’n’roll – but we like it …

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu LENNY KRAVITZ