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L’ESTARD - Baptized in Blood

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Artist L’ESTARD
Title Baptized in Blood
Homepage L’ESTARD
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Ich gebe zu, dass diese Rezension schon über die Maßen lange auf sich warten lässt. Aber gut Ding will Weile haben, und meine Vergesslichkeit ist beinahe schon peinlich; ich gebe es ja zu. Wenden wir uns aber nun den Untergrund-Perlen vom Bodensee zu: L’ESTARD – als ich den Namen zum ersten Mal gehört habe, war ich irritiert und vermutete frankophilen, synthesizerlastigen Gruftpop. Als Anne-Rice-Fan klingelten natürlich schon ein paar Alarmglöckchen: Wir erinnern uns an „Interview mit einem Vampir“? Die Namenswahl war allerdings nicht auf Sänger Marius‘ Mist gewachsen (was ja mal ein ironischer Zufall gewesen wäre), sondern auf dem des damaligen Schlagzeugers, der offensichtlich einen Narren an der Vampirchronik gefressen hatte und Lestat mit einem Bastard kreuzte.

Was die musikalische Richtung betrifft, so war ich mit meinen Mutmaßungen sehr weit von den nackten und durchaus brutalen Tatsachen entfernt. Nach zwei, drei Liveauftritten im Freiburger Raum war ich vom Fleck weg begeistert und sehr williger Erwerber ihrer ersten eigenproduzierten CD „Baptized in Blood“. Zwar bekommt der geneigte Todesmetaller hierdurch einen guten Eindruck davon, was sich die vier Jungs unter angenehmen Zeitvertreib vorstellen, jedoch muss man der Fairness halber sagen, dass der Sound leider nicht dem Material gerecht wird. Wo live alles gnadenlos niedergeknüppelt und –geröhrt wird, was im Weg steht (Kollateralschäden mit inbegriffen), konnte der Druck nicht zufriedenstellend auf den Silberling gebannt werden. Das Drumming klingt matt und unwuchtig, das Album im Allgemeinen nicht sehr basslastig, wenn auch paradoxerweise ziemlich groovig – siehe meine Faves „Trail of Blood“ (mit dem netten Bass-Intro: Bitte, immer live spielen), „Baptized in Blood“, den Opener „The Demon awakes“ oder auch „Infected“ – was in meinen Augen für die Qualität der Songs steht. Shouter Marius erinnert mich gern an seinen Kollegen von ABORTED und wer ihn nicht versteht, kann die gesellschaftskritischen Lyrics auf ihrer Site nachlesen, über die man natürlich auch u. a. das Kleinod für € 8,- erwerben kann.

Nach gut 43 Minuten kann sich der am brodelnden, süddeutschen Death-Metal-Underground Interessierte vom Potential der sympathischen und ehrgeizigen Musikanten überzeugen und sich vorfreudig die Hände reiben: Noch in diesem Herbst kommt der Nachfolger auf den Tisch – hat mir zumindest Marius gesteckt, der schon selbst ganz hin und weg von den neuen Tracks ist. Und nach dem, was es auf dem letzten Gig an Neuem zu hören gab, bin ich auch schon mehr als gespannt. Ein besserer Sound wurde mir auch versprochen – an mir sollte es nicht liegen, da L’ESTARD auf dem besten Weg in die Oberliga sind.

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