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LITHIVM - Threshold to disharmony

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Artist LITHIVM
Title Threshold to disharmony
Homepage LITHIVM
Label COLD MEAT INDUSTRY
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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Ästheten waren sie ja schon immer, die Jungs von Cold Meat Industry. Durchaus keine unbedeutende Qualifikation in einem Zweig der Musikindustrie, der nicht die musikalische Verpackung von Talentlosen, sondern die angemessene Verpackung eigenwilliger Musik zu einem bedeutenden Teil des Produkts gemacht und umgedeutet hat. Auch die neueste Veröffentlichung der Schweden erscheint wieder in einem wunderbaren Digipack, haptisch ein edel gebundenes Buch, optisch ein modernistischer Photoband und dabei so stimmig, dass man den Titel der Platte zunächst für den Namen des Künstlers hält.

Die Schwierigkeiten dieses Werks beginnen erst in dem Moment, da man die CD in den Spieler legt. „Threshold to disharmony“ kommt ja als Konzeptalbum daher, doch in einem Genre, das seit jeher das Leben im Leblosen und die Stimme des Stahls vom Abgeräusch der industriellen Revolution zum eigentlichen Gegenstand gemacht hat, ist die Thematisierung einer „Stadt der Maschinen“ mehr als nur ein wenig dürftig. Was nur deshalb um so schwerer wiegt, als es die Musik auch ist. Steve Roach hat bereits auf „The great beyond“ die Stilisierung des Nichts betrieben, war dabei aber bedeutend umtriebener und – nur scheinbar paradox – musikalischer als der für sämtliche Kompositionen verantwortliche Gustaf Hillebrand auf einer Platte, die als Untermalung einer virtuellen Ausstellung ideal geeignet wäre, doch als eigenständiges Stück Musik hoffnungslos überfordert ist. Klassifizierungen wie Dark Ambient oder gar Death Industrial sind bedeutungslose Euphemismen für ein an mangelnder Kreativität und latenter Spannungslosigkeit krankendes Album – die Grenze zum möglicherweise aufregenden Bereich der Disharmonie liegt ganz offensichtlich woanders. Überhaupt scheinen diese Stücke ganz und gar nicht am Borderline-Syndrom zu kranken, sondern ruhen eher in sich wie ein stillgelegtes Kernkraftwerk. Ganz zum Schluss schreckt man dank mysteriöser Bewegungen im subsonischen Bereich noch einmal auf, doch zu spät – wenn hier vieles an die Bremsgeräusche der Bahn erinnert, dann in erster Linie, weil der Zug abgefahren ist.

Als Flirt der Vergangenheit wird dieses Album für all diejenigen ein Moment der Sicherheit darstellen, welche in der Annäherung von moderner, auch melodiebetonter Elektronik und Industrial eine Aufweichung notwendiger, definitorischer Regeln und einen zu weiten Schritt weg von den Prinzipien der Pioniere sehen. Für alle anderen bleibt der schale Beigeschmack, dass dort, wo man es am wenigsten erwartet hätte, die Form vor den Inhalt gestellt wurde.

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