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LOCO - Seelenreiter

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Artist LOCO
Title Seelenreiter
Homepage LOCO
Label EIGENPRODUTKION
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Was den „Four Horsemen“ ihre Pferde, He-Man sein „Battle Cat“ und Schumi sein Ferrari ist, das sind bei den „fünf apokalyptischen Reitern der Neuzeit“ die Seelen. Wer die selbsternannten „fünf apokalyptischen Reitern der Neuzeit“ sind? Es handelt sich dabei um ein seit 1999 bestehendes Quintett namens LOCO aus Potsdam, das nun nach der 2006 erschienenen EP „Clown“ seine erste LP „Seelenreiter“ besattelt.

Teilte man sich die Tränke bereits mit Größen wie PRO PAIN, 4LYN, HOLY MOSES und den EMIL BULLS, trabt man genretechnisch eher auf anderen Pfaden: Die neun Kompositionen (plus Intro) galoppieren eine gute halbe Stunde einen vernichtenden Neo-Thrashmetal zusammen und werden dabei von deutschsprachigen Shouts angepeitscht: „Vorwärts, vorwärts, vorwärts – auf in die Schlacht!“. Hendrik Suhls Stimme erinnert dabei „erschreckend“ oft an Ex-COAL CHAMBER und nun DEVIL DRIVER-Fronter Dez Fafara, von dessen Organ ich genau so fasziniert bin wie ich es auch immer für einmalig hielt. Völlig reicht Herr Suhl natürlich nicht an dessen Stimmgewalt heran, doch in Songs wie „Menschenzieher“ bellt er phasenweise wirklich wie der gute Dez nach einem Deutschkurs ins Mikrophon. Dabei rrrollt errr das Rrr in feinster RAMMSTEIN-Manier, was aber die einzige große Parallele zur Galionsfigur harter deutscher Musik darstellt. Von der Arbeit an den Instrumenten her drängen sich da schon eher die frühen Werke der US-Combo MACHINE HEAD förmlich auf. Stets wuchtig und kompromisslos stampfen die „Seelenreiter“ mit voluminöser, schwerer Gitarrenarbeit über die Steppen und frischen diese mit hellen Leads (siehe u.a. „Medusa“) auf, wenngleich auch in Sachen Songwriting schon besseres zu hören gewesen ist. An vielen Stellen wiederholt sich das Riffing einfach zu oft bis hin zum Refrain, der wiederum meist nur aus wenigen Worten besteht und ebenfalls oft einfach schlichtweg nur mehrfach wiederholt wird (z.B. in „Kuckkuck“). Dies wirkt über weite Strecken recht einfallslos und monoton, wird aber durch Groove und die Kraft hinter dem fixen, unerschöpflich einhämmernden Schlagzeug & Co. oftmals ganz gut kompensiert. Abgehen lässt es sich deshalb zu den Klängen vom Titelsong, „Weber“, oder „Ritual“ sicherlich ganz gut – hier macht sich die Eingängigkeit dann positiv bemerkbar und verspricht reichlich Betrieb für wirbelnde Mähnen und stampfende Hufe. Die düsteren deutschen Texte sind ebenfalls ziemlich nett, wenn auch sprachlich einfach gestrickt und oftmals genau so kitschig („Kuuuckuck“) wie dann aber auch wieder durchaus cool und atmosphärisch, wie beim starken „Menschenzieher“. Dieser weiß wie auch „Medusa“ und „Land Unter“ besonders zu gefallen.

LOCO preschen als „Seelenreiter“ ganz ordentlich nach vorne, produktionstechnisch ist man gut beschlagen und Können ist eindeutig vorhanden. Stimme und Sound kommen sehr gut, am Songwriting könnte hingegen noch ein wenig gefeilt werden. Das bei der mir vorliegenden, bereits wie die „Verkaufsversion“ aussehenden CD die beiden Titel „Seelenreiter“ und „Medusa“ hinten auf der Tacklist scheinbar vertauscht sind, ist lediglich ein Schönheitsfleck und insofern nicht weiter schlimm, da die LP auch auf der offiziellen LOCO-Website KOSTENLOS zu be“ziehen“ ist. Dies kann man durchaus empfehlen! Auch wenn von der musikalischen Seite her die Wiesen vor einigen Jahren noch wesentlich grüner waren, kommen die „Seelenreiter“ auf dem mittlerweile eher zur Steppe gewordenem Untergrund noch gut vorwärts und können dabei einiges aufbieten – und wie heißt es so schön: Einem geschenkten Gaul schaut man nicht ins Maul.

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