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LONG WALK HOME - Youism

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Artist LONG WALK HOME
Title Youism
Homepage LONG WALK HOME
Label DANSE MACABRE
Leserbewertung
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7.0/10 (2 Bewertungen)

Auswandern ist in! Ganze Abende werden mit Sendungen von auswanderwilligen Deutschen gefüllt, während man von den Einwanderern nach Deutschland bisher nur wenig sieht bzw. hört. Zu denen gehören nämlich auch die vier Australier von LONG WALK HOME, welche einen selbigen jetzt wirklich vor sich haben, nachdem Sie es David Bowie, Jimi Hendrix & Co gleichgetan haben und in Berlin ansässig geworden sind. Anscheinend gefällt es ihnen hier sogar so gut, daß sie ihrem bereits 2006 in Australien veröffentlichten Album zum Deutschland-Release gleich noch einen Bonustrack spendiert haben.

Dabei strotzt das Teil auch in seiner ursprünglichen Fassung vor Facettenreichtum und Hörbarkeit. Dafür sorgen neben den klassischen Rockinstrumenten auch Violine, Mandoline & Co, die bei LWH für Soundexperimente sorgen. „Youism“ ist keinesfalls ein einfaches, eingängiges Werk – aber die zahlreichen Soundstrukturen, fragilen Klänge und wuchtigen Melodien sorgen für eine Atmosphäre, welche man auf Rockalben oftmals vermisst. Der Bonustrack „Interior“ beispielweise bietet mit dröhnenden, schnarrenden Bässen und einer simplen aber wirkungsvollen Hook aus der Mandoline die perfekte Begleitung des WEICHGE- aber ebenso BEstimmten Gesangsparts. Vergleiche mit anderen Bands anzustellen, ist aufgrund der stetig wechselnden Stimmung der Tracks beinahe unmöglich. Doch kann man MUSE ebenso heraushören wie FUGAZI oder INTERPOL, manche Instrumentalpassagen hingegen könnten von den Belgiern DEUS stammen. Diese Klangvielfalt lässt „Youism“ ein wenig unfertig wirken, was „In her Words“ die Erlösung aus seiner düsteren Welt ebenso verwehrt, wie „I belong to the sky“ den letzten fehlenden Flügelschlag, um sich von der Erde zu lösen. „Other Side“ in seiner feinstofflichen, grazilen Fortbewegungsweise fließt mit dem Klang der Violine durch die dunklen Flüsse der ihr wahres Ich verbergenden Stimme.

LONG WALK HOME sind wie der Blick in eine Sanduhr, jedes Korn rieselt für sich hinab der Schwerkraft folgend. Doch der Lauf des Sands lässt sich ändern, durch einen einfachen Dreh. Die enorme Vielseitigkeit und die oftmals düstere Atmosphäre des Albums lassen den Hörer zuerst unvorbereitet in einem Labyrinth klanglicher Experimente zurück, so lange, bis sich jeder selbst einen Eindruck verschafft hat. Erst dann bieten LONG WALK HOME die Hand, um uns herauszuführen. Vorausgesetzt wir wollen es noch und sind nicht bereits betört von Pans Flötenklängen.

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