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LOREENA MCKENNITT - A Mediterranean Odyssey (2-CD)

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Artist LOREENA MCKENNITT
Title A Mediterranean Odyssey (2-CD)
Homepage LOREENA MCKENNITT
Label QUINLAN ROAD
Leserbewertung
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10.0/10 (3 Bewertungen)

LOREENA MCKENNITT ist eine außergewöhnliche Musikerin, die ganz besondere Töne zum Wohlfühlen erschafft. Auf Ihrer Webseite heißt es: „Jede Reise birgt Überraschungen: eine Herausforderung, einen plötzlichen Umweg, neue Freunde und Bekanntschaften… vielleicht sogar ein ganz neues Reiseziel.“ Man könnte den Satz auch leicht mit anderen Worten füllen: „Jede CD birgt Überraschungen: eine Herausforderung, einen plötzlichen Wechsel, neue Töne und Nuancen… vielleicht sogar einen ganz neuen Musikstil.“ Die Special-Edition „A Mediterranean Odyssey“ ist dieses Jahr entstanden und besteht aus zwei CDs: „The Olive and the Cedar“, eine von der Musikerin zusammengestellte Compilation einiger im Studio aufgenommener und auf anderen Alben veröffentlichter Songs sowie „From Istanbul To Athens“, ein Live-Mitschnitt ihrer diesjährigen Konzertour rund um das Mittelmeer. Diese Tour mit ihren unterschiedlichsten Reisezielen ist das zentrale Element der Künstlerin und bildet die Grundlage für den Namen der Special-Ausgabe und wohl auch des Spruchs zur Begrüßung auf ihrer Homepage. Obwohl sie die Tour wegen eines familiären Zwischenfalls unterbrechen und einige Termine verschieben musste, ließ sie es sich nicht nehmen, anschließend die Reise fortzusetzen. Was die Musik angeht, so kann sie zum Teil der Mittelalter- , Pagan- oder Elfenszene zugeordnet werden. Folkmusik sind ihre Wurzeln. So schuf sie Beiträge zu den Soundtracks zu „Highlander III – Die Legende“ und „Die Nebel von Avalon“. Auf ihren Reisen ist sie ständig auf der Suche nach keltischen Relikten. Und verwundert musste sie eines Tages feststellen, wie weit südlich die keltische Kultur noch anzutreffen ist. Diese Erlebnisse führten sie zu dem besonderen Einfluss orientalischer Rhythmen in ihrer Musik.

Die einzelnen Lieder auf beiden Scheiben überschneiden sich teilweise, unterscheiden sich aber eben durch die Tatsache, dass sie einmal live gespielt werden und einmal im Studio, wobei die Livemitschnitte in der Regel um einige Minuten länger als die Studiofassungen sind (dennoch ein kleiner Wermutstropfen). „The Mystic’s Dream“ ist nur bei den Studioaufnahmen enthalten und bezaubert durch wahrhaft mystische Klänge, die in Teilen durch einen sanften gregorianischen Chor begleitet werden. Das Schlagzeug und die Percussion schlagen dabei einen exotisch orientalischen Takt. Gleichermaßen verhält es sich bei „Marrakesh Night Market“, bei dem der orientalische Sound durch den Gesang von Loreena hervorgerufen wird. Der schnelle Groove lädt zu einem ruhelosen Tanz ein, während die Bongos den Takt unterstreichen. Bei dem letzten Titel, der nicht live dabei ist, handelt es sich um „The Mummers‘ Dance“ aus dem Album „The Book Of Secrets“ und bietet vollen Orchestersound in einem orientalische gearteten Rhythmus, der radiokompatibler nicht besser hätte sein können. Mit „Tango To Evora“ wird der Reigen der auf beiden Silberscheiben enthaltenen Lieder eingeleitet. Dieser Tango erinnert an Italien, zumindest rief er bei mir diese Assoziation hervor. Geprägt von Harfe, Geige und dem sanften verträumten Wiegen, bei dem Loreena durchgängig ohne Text singt. „The Gates Of Istanbul“ hingegen lässt eine orientalische Stadt mit Kuppelbauten aus 1001 Nacht vor dem geistigen Auge entstehen. So inspiriert spaziert der Hörer über einen Basar und der Duft der vielen unterschiedlichen Gewürze zieht in die Nase. Mit achteinhalb Minuten ist die Livefassung fast doppelt so lang wie die Studiovariante. „Pednelope’s Song“ glänzt als sanfte Ballade durch den brillanten Gesang, bei dem sie sich auf dem Klavier begleitet. Bei „Marco Polo“ geben Trommeln und Percussion den urwüchsigen Sound des Orients wieder, der hin und wieder von melodischem Summen begleitet wird. Das traditionelle Volkslied „Santiago“ erfährt eine ganz eigene Interpretation mit textlosem „Nana-Gesang“, dem sanften Surren der Instrumente, welches dann durch die Percussion in einen schnellen Takt überführt und von virtuosem Geigenspiel begleitet wird. Beschwingter, leicht orientalisch klingender Takt mit entsprechendem Titel – Das ist „Caravanserai“. Das leichte Sirren und der Gesang wachsen mit dem Einsetzen weiterer Instrumente zu einem kraftvollen Sound heran. Bei dem traditionellen Lied „The Dark Night Of The Soul“ geht der Text auf St. John of the Cross zurück, die Melodie wurde von Loreena adaptiert und arrangiert. Es wird von ihr sehr nachdenklich gesungen und bekommt so den Touch einer vom Klavier begleiteten Hymne. Ihre Töne wallen auf und ab wie die Wogen des Meeres und präsentieren sowohl die sanfte als auch die kräftige Stimme der Musikerin. Ebenfalls traditionell und rein instrumental ist „Scared Shabbat“, hier wird ein Bauchtanz in musikalischer Form präsentiert. „Beneath A Phrygian Sky“ und „Full Circle“ sind dann ausschliesslich auf der Live-CD enthalten. Beim Ersteren kommen Klavier, Gitarren, Gesang zum Einsatz und obwohl es von der Kanadierin Loreena komponiert wurde, hört es sich wie ein keltisches Volkslied an und erinnert an die schottischen Ebenen. Während eines langen Instrumentalteils laufen die E-Gitarren zur Hochform auf. „Full Circle“ ist dann wieder eine getragene Ballade, Loreenas Stimme erzählt mit sanften und kräftigen Tönen ihre Geschichte , bis das Konzert mit einem langanhaltendem Beifall ausklingt, bei dem man sogar das deutsche „Zugabe“ heraushören kann.

Alles in allem bieten beide Scheiben sehr exotische Musik. Dabei liegt es auf der Hand, dass Mittelalter nicht nur in Europa stattfand. Die Exotik, die nebenbei ganz besondere Bilder im Kopf erzeugt, wird zweifelsfrei auch mit den eingesetzten Instrumenten hervorgerufen. Einige davon sind auch bei uns bekannt, wie die folgende Liste zeigt: Trommeln, Bongos, Percussion, Schlagzeug, Bass, Hurdy Gurdy, Triangel, E-Gitarren, Synthesizer-Gitarre, Oud, Nylon String Gitarre, keltische Bouzouki, Cello, Violine, Griechische Laute, Griechische Lyra, klassische Kemenche (Angaben ohne Garantie auf Vollständigkeit). Obwohl es von LOREENA MCKANNITT auch eine Weihnachts-CD („A Midwinters Night´s Dream“) gibt, halte ich die Musik von der Reise rund um das Mittelmeer für ebenso erfolgverversprechend unter dem Gabentisch. LOREENA MCKENNITT verzaubert den Hörer mit ihrer Musik genauso wie die Erzähler der Märchen aus 1001 Nacht die Hörer mit ihren Geschichten betören. Außerdem lesen sich Märchen gleich viel besser, wenn die richtige CD dazu eingelegt ist. Vielleicht ungewöhnliche Musik für so manche Ohren, aber einfach nur schön. Inwieweit der eingefleischte Fan das Material braucht, das zum Teil ja bereits veröffentlicht ist, muss jeder selbst entscheiden.

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