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LOREENA MCKENNITT - A Midwinter Night’s Dream

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Artist LOREENA MCKENNITT
Title A Midwinter Night’s Dream
Homepage LOREENA MCKENNITT
Label UNIVERSAL
Leserbewertung
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10.0/10 (4 Bewertungen)

Die 1957 in Manitoba (Kanada) geborene LOREENA MCKENNITT besitzt irische und schottische Vorfahren und stammt aus „einfachem“ Hause. Seit 1981 lebt sie in Ontario. Ihr erstes Album erschien 1985. Seitdem hat sie in nahezu ununterbrochener Reihe (abgesehen von einer Pause nach dem Unfalltod ihres Verlobten) ein Album nach dem anderen produziert. Das geschah mit ihrem eigenen Plattenlabel Quinlan Road. Wenn ihre Musik überhaupt in eine Kategorie gepresst werden kann, dann am ehesten in die der mittelalterlichen Folklore. Einflüsse unterschiedlichster regionaler Art sind eng verwoben mit spirituellen und mystischen Texten. Nicht selten werden die keltischen Grundmelodien angereichert mit iberischen, bretonischen und orientalischen Nuancen, was die Musik von McKennitt aus dem üblichen Folklore-Mainstream herausstechen lässt. Wer die stillen Balladen von BLACKMORE’S NIGHT kennt, kann eine ungefähre Vorstellung von den Liedern McKennitts erahnen.

Mit einem voluminösen Klangteppich unterschiedlichster Instrumente und Melodien ist gerade ihr neuestes Album „A Midwinter Night’s Dream“ erschienen. Wie der Titel bereits vermuten lässt, handelt es sich um einen bunten Reigen winterlicher und weihnachtlicher Lieder. Es ist als die Extended Version der bereits 1995 erschienenen CD „A Winter Garden“ anzusehen, welche um acht Stücke ergänzt wurde. Freunde von McKennitt werden also auch auf Bekanntes treffen. Aufgenommen wurde das neue Weihnachtsalbum im Studio von PETER GABRIEL nahe des im südenglischen Somerset liegenden historischen Ortes Bath, keine 30 Meilen nordwestlich vom legendären Stonehenge entfernt. Neben ihrer Stimme glänzt McKennitt mit ihrem musikalischen Können am Piano, Akkordeon und an der Harfe.

Den Auftakt bildet das traditionelle keltische Weihnachtslied „The Holy & The Ivy“, welches in einer sehr mystischen Art interpretiert wird. Der Klang beinhaltet ein permanentes Vibrieren von Streichinstrumenten, die an das Schwirren eines Bienenschwarms erinnern und welche den dauerhaften Eindruck erwecken, es würde jeden Moment etwas Gefährliches passieren. Weniger mystisch und aus unterschiedlichen Regionen stammende Weihnachtslieder weisen auch immer wieder auf keltischen Einfluss, zumindest auf die so beeinflusste Interpretin, hin. Unabwendbar keltisch und in dieser Kategorie einzuordnen ist das überaus melodiöse Stück „Snow“, gleichermaßen das aus Irland kommende Weihnachtslied „The Seven Rejoices of Mary“, welches trotz aller Sanftheit einen Takt vorgibt, der den Körper mitschwingen lässt. Ähnlich kraftvoll und begleitet von Drehorgel, Flöten und Streichinstrumenten wird das Lied „Seeds of Love“ vorgetragen. Weihnachtliche Gefühle wollten sich bei mir nicht einstellen, dafür Romantik pur. Grüne und blühende Landschaft, Sonnenstrahlen schimmern durch die Baumwipfel, Vögel zwitschern, es herrscht Friede zwischen allen Tieren im Wald. Dieses Lied ist ein „Muss“ für jedes verliebte Pärchen. Nicht zu vergessen, McKennitts Stimme, die alleine schon mit den richtigen Tonfolgen Gänsehaut erzeugen kann. Noch zu den keltischen Titeln zu rechnen sind „Coventry Carol“, welches original aus dem 16. Jahrhundert stammt und zu einem Theaterstück mit der Weihnachtsgeschichte gespielt wurde und „Emmanuel“, welches sehr traurig klingt, und McKennitt beweist, dass sie auch mit einem stark rollenden „R“ singen kann, um das Lied einer gewünschten Region zuzuordnen. Es wurde zuvor u.a. auch von JOAN BAEZ, BLACKMORE’S NIGHT und RICK WAKEMAN adaptiert.

Hingegen erfährt das traditionell englische Weihnachtslied „God Rest Ye Merry, Gentlemen“ eine faszinierende Wandlung. Es beginnt mit der Intonation des Gebetes eines Muezzins vom Minarett herunter, dem man in erwartungsvoller Hoffnung lauscht, bis dann die Bongos den starken, dunklen Takt angeben. Der Hörer wird komplett in den Orient versetzt. Wüstenstaub, Minarette, Moscheen, Tuareg und Beduinen, orientalische Tänzerinnen, eine tiefrot untergehende Sonne und eine Kamelkarawane im Horizont. Manch einer wird bei diesem Lied nicht auf die Endlos-Repeat-Funktion seines Abspielgerätes verzichten können. Einer ähnlich wundervollen Klangwandlung wird das französische Weihnachtslied „Noel Nouvelet!“ unterzogen. Auch hier wird der Takt wieder von den Schlaginstrumenten vorgegeben. Die Pausen zwischen dem alt-französisch vorgetragenen Text werden mit orientalischen Tönen und Instrumenten aufgefüllt, die einen dermaßen voluminösen Sound erzeugen, dass man vergisst, ein Weihnachtsalbum vor sich zu haben. Als reine Instrumentaltitel werden die Lieder „Breton Carol“ und „In The Bleack Midwinter“ präsentiert. Beim Ersteren handelt es sich um ein bretonisches Weihnachtslied, welches durch die irische Folklore- und Mittelalterband THE CHIEFTAINS und der Sängerin NOLWENN MONJARRET Anfang der neunziger Jahre populär gemacht wurde. Im Zweiteren, eine Filmmusik zu dem gleichnamigen Film, überwiegt im vorliegenden Arrangement die Harfe als das klangbildende Instrument. Es galt lange Zeit als Hymne und wurde erst nach 1906 zu einem Weihnachtslied, nachdem einige Jahrzehnte zuvor ein Text dafür gemacht wurde. Eine sanfte Musik zum Träumen mit einer wiederkehrenden Melodie, die schnell ins Ohr geht und als sogenannter Ohrwurm auch schon mal einige Stunden dort verbleibt.

Während es sich bis hierher meist um Balladen handelt, zeigen die letzten drei Lieder, dass es an Weihnachten auch lustig zugehen kann. Bei „Un Flambeau, Jeanette, Isabelle“ handelt es sich um ein Lied aus der Provence, welches im 16. Jahrhundert komponiert wurde. Ohne den Text zu kennen hätte ich es als einen Bauerntanz eingestuft, denn mittelalterliches Markttreiben bei Sonnenschein, Speis und Trank scheint von der Melodie auszugehen. Fröhliche, tanzende, sich an den Händen fassende Menschen, die beschwingt, ähnlich einer Polonaise um die Stände und Tische herum springen. Mit ebensolch schnellen Rhythmen wartet „Good King Wenceslas“ auf, ein traditionelles Weihnachtslied, welches vom tschechischen Heiligen Wenzeslaus erzählt und in der Lage ist, die Zuhörer zum Tanzen zu bewegen. Das Trinklied „Gloucestershire Wassail“ schafft den Brückenschlag zum Tanz leider nicht. Ein gemischter Frauen- und Männerchor schlägt „very irish“ einen Takt an, bei dem man sich vorstellen kann, dass eine Horde Menschen dazu mit den Fäusten auf den Tisch schlägt. Aber dieser Titel regt weder zum Tanzen noch zum Träumen an.

Abschließend möchte ich dieses Album all jenen empfehlen, die sich schon mit ähnlicher Musik auseinander gesetzt haben. Es ist nicht nur ein einziges Genre, was von McKennitt bedient wird. Neben irischer Folklore, kommen auch die Freunde von New Age, Mittelalter- oder Renaissance-Musik und ähnlich gearteter exotisch und folkloristisch angehauchter Musik auf ihre Kosten. Wer BLACKMORE’S NIGHT liebt, Secret Garden oder die MEDIAEVAL BAEBES mag, wird LOREEN MCKENNITT ebenfalls kennen und sich mit diesem Album ein neues Klangerlebnis in die Stube holen. Wer sie noch nicht kennt, wird sie mit diesem Album kennen lernen.

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