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LOS SIN NOMBRE - Blind Leading Blind

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Artist LOS SIN NOMBRE
Title Blind Leading Blind
Homepage LOS SIN NOMBRE
Label VICI SOLUM
Leserbewertung
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8.7/10 (3 Bewertungen)

Spätestens seit den jüngsten Werken von IN FLAMES weiß man, dass sich der Weg des modernen Schwedenstahls immer weiter vom traditionellen (melodischen) Death-Metal hin zu „kommerziellen“ Klängen bewegt. Wofür die eine – vorrangig alteingesessene – Seite des Fan-Lagers sie verspottet, erfreut sich die andere daran umso intensiver. Irgendwo inmitten dieser Kluft tummelt sich eine Reihe von Formationen, darunter auch LOS SIN NOMBRE. Für deren Silberling rührt das Label mächtig die Werbetrommel und bestückt die Band mit Attributen, die einen ja schon fast rot im Gesicht werden lassen. Von „elf sehr starken Songs“, einer „fetten Produktion“ und „brillianten Musikern“, die mit ihrem „kompromisslosen“ Album nun bereit seien, die erste Metal-Liga zu betreten, ist hier die Rede. Offensichtlich wird „Blind Leading Blind“ so viel Schmeichelei rechtfertigen müssen.

Vergleiche zu anderen Bands wurden vom Label recht großzügig gewählt, zumal man dabei gleichermaßen Europäer mit der Ami-Fraktion zusammenwürfelt. Darf man so aber ruhig unterstreichen. Bei „Ashes To Ashes“ wird z.B. die amerikanische Thrash-Core-Keule im Kreis geschwungen. Da man aber auf starres Geknüppel verzichtet und lieber ein paar Melodien mit einbaut, lässt sich doch schnell wieder auf die schwedische Herkunft schließen. Das darauf folgende „Bleed“ stellt erstmals die klare Stimme von Shouter Pär Palm zur Schau. Zunächst kommt mir da SOILWORK-Fronter „Speed“ in den Sinn, der mittlerweile schon sehr häufig ohne Shouts und Growls auskommt. Das ist bei Palm nicht der Fall, hier steht klar der gutturale Gesang im Vordergrund. Der Titeltrack ist wieder deutlich von den beiden Größen SOILWORK und IN FLAMES beeinflusst und dürfte mit klarerer Stimme im Refrain und strukturmäßig auch für die MetalCore-Fraktion interessant sein. Immer wieder schlagen die Titel dabei die kontinentale Brücke zwischen den Metal-Kulturen und zeigen sich trotzdem typisch skandinavisch. „Infected“ und „Raised In Anger“ bauen somit wieder auf den europäischen Wurzeln auf, wohingegen Thrash-Bolzen wie „Our Daily Breed“ mit LAMB OF GOD-Anleihen im internationalen Sound Fuß fassen. „Breaking Silence“ protzt ebenfalls mit walzenden Riffs, einem versierten Drummer und entpuppt sich im abschließenden Solo als eine lupenreine Metal-Nummer. Dazwischen liegt mit „Passing Through“ ein rein instrumentales Stück, und auch Titel wie „Enemy“ und „Wounds“ lassen angenehm ruhige Töne anklingen. Dabei brechen die Schweden die überholte Core-Struktur auf und lassen diese Passagen seicht in ihren Sound mit einfließen.

Allem Lob zum Trotz ist die Platte nicht wirklich überragend ausgefallen. Viel zu offensichtlich bedient man sich bei den bekannten Pionieren und auch wenn LOS SIN NOMBRE begnadete Musiker seien sollten, katapultiert sie das nicht gleich an die Spitze. Fans von SOILWORK etc. sollten trotzdem mal reinhören, „Blind Leading Blind“ kann sich immerhin getrost mit vielen anderen Produkten messen.

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