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LÙISA - Introspection

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Artist LÙISA
Title Introspection
Homepage LÙISA
Label MOON CRATER RECORDS
Leserbewertung
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8.0/10 (2 Bewertungen)

„One Youth Ago“ hieß LÙISAs erstes Album 2012. Der Titel passt aus heutiger Perspektive mehr denn je und beschreibt sehr treffend die Entwicklung, die die Wahlhamburgerin seitdem vollzogen hat. Ihr Debüt bestand aus einer Zusammenstellung von Gitarrenpopsongs, die sich in mehreren Jahren angesammelt hatten. Entsprechend heterogen und ungestüm hörte sich das Ergebnis am Stück an: Erst mal zeigen, was man so kann und so fühlt. LÙISAs bemerkenswert angeraut-dunkle Stimme wurde zum Vehikel, um Trauer, Hoffnung und Unbekümmertheit ungebremst nach außen zu tragen. Diese geradezu intime Emotionalität machte die Stärke von „One Youth Ago“ aus, die einen entweder mitreißen oder abstoßen musste.

„Introspection“ geht da schon mehr Kompromisse ein. Die vier Songs der EP bewegen sich durchgängig viel näher am Popstrom als noch vor zwei Jahren. Immer noch steht LÙISAs Stimme zu jeder Sekunde im absoluten Mittelpunkt, dieses Mal allerdings filigran eingewoben in ein Netz aus elektronischem Hall. Einen Monat lang wurden die Songs im Londoner Lightship 95 aufgenommen. Genügend Zeit um sich neu zu finden, zu feilen und zu glätten. Das kleine Studio befindet sich im Inneren eines ehemaligen Feuerschiffs und entspricht der zurückgezogenen und doch urbanen Atmosphäre der neuen Songs. Alle vier Stücke tragen eine deutlich gleichmäßigere Handschrift, die dieses Mal dem Produzenten Filippo Cimatti geschuldet ist. Ganz klar spielte hier der aktuelle Erfolg des neuseeländischen Popteens LORDE mit hinein, ohne den „Introspection“ wahrscheinlich etwas anders klingen würde. Dabei wurde durchaus gute Arbeit geleistet. „Cut Loose“ ist ein schönes Beispiel dafür, wie das Temperament der jungen Sängerin eingefangen und begradigt wurde, ohne dass allzu viel Leidenschaft und Emotionalität verloren geht. Die zunächst minimalistische Folkballade stellt LÙISAs Stimme hinreißend in Szene und stellt klar, dass da die gleiche zerbrechlich-starke Künstlerin steht wie vor zwei Jahren, und dass sie eigentlich nicht mehr als ihre Gitarre benötigt, um Gänsehaut zu erzeugen. Im weiteren Verlauf entwickelt sich der Song zu einer universellen Radionummer, die sich während des Höhepunktes zwar gefühlvoll aufbäumt, dabei aber stets durch ein leichtes Popkorsett in Form gehalten wird. Bleibt nur zu hoffen, dass dieses in Zukunft nicht noch enger geschnürt wird.

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