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LUXURY STRANGER - Desolation

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Artist LUXURY STRANGER
Title Desolation
Homepage LUXURY STRANGER
Label MAJOR DIGITAL
Leserbewertung
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6.8/10 (4 Bewertungen)

LUXURY STRANGER sind ein Trio aus Nottingham, das man durchaus als typisch britisch bezeichnen kann: Musikalisch stehen sie in der Tradition des Post Punk und New Wave. Einflüsse wie JOY DIVISION, die frühen CURE und die CHAMELEONS sind nicht zu leugnen und passend zur eher düsteren Grundstimmung trägt das digitale Debüt der luxuriösen Fremden den Titel „Desolation“. Von trostloser Antriebslosigkeit sind Fronter und Mastermind Simon York (voc. & guit.), Bassist Chris Ruscoe und Drummer Owen Walton allerdings weit entfernt.

Vielmehr versprühen die zehn Songs eine raue Energie, die von scheppernden Gitarren und Simons impulsivem Gesang getrieben wird. LUXURY STRANGER beschreiben ihren Stil selbst als Konglomerat aus „perversen, leidenschaftlichen und dunklen Texten und verzweifelter, quälend-kraftvoller Musik“ oder auch als „Dickensian Mod“, womit sich Simon York auf den Schriftsteller Charles Dickens bezieht, dessen Romane häufig in einer finsteren, manchmal auch mysteriösen Umgebung spielen. In der Umsetzung dieser Theorien wissen alle Tracks ausnahmslos zu überzeugen. Da startet „Dirt“ mit schrammelnden Langäxten und einem wummernden Bass, bevor Simons Vocals für die nötige Portion Schwermut sorgt. Mit „Substance“ nimmt „Desolation“ sodann Fahrt auf – ideales Dancefloor-Futter für die Schwarzkittel der Zwei-vor-einen-zurück-Fraktion, die bei „Inner Eye“ perfekt ihren trüben Gedanken nachhängen können, aus denen sie allerdings dank der jaulenden Gitarren von „Marlene“ schon bald ziemlich grob gerissen werden. Das macht jedoch gar nichts, denn die treibende Nummer zählt zweifellos zu den Highlights der Platte. Wobei man unnötiges Füllmaterial auch vergeblich sucht. Stattdessen jagt das sphärische „Paradise Untouched“ Gänsehautschauer über den Rücken, während sich „Grounded“ mit perfekt getakteten Schrammelriffs ins Hirn frisst. Dass emotionale Harmonien und druckvolle Drums durchaus zusammenpassen, unterstreicht das melancholische „Dreaming Our Lives Away“ auf melodramatische Weise, dann setzt „Item“ noch einen drauf und liefert den tieftraurigen Soundtrack zur vollständig ausgelebten Depression. Den Gegenentwurf liefern die Briten glücklicherweise aber auch gleich mit: Das flotte „N.M.Q.P.“ wirkt besser als alles was die Pharmazie im Angebot hat und hält auch noch vor, wenn es mit „Don’t Go“ noch mal wohlig-düster wird.

Aber so will es der geneigte Dark Waver ja und wird entsprechend auf das Feinste von LUXURY STRANGER bedient. Diese Band sollte man im Auge und vor allem im Ohr behalten. An neuen Songs arbeitet der Dreier bereits und immerhin hatte die BBC kürzlich sogar ein Special über die heimischen Newcomer auf ihrer Website. Bleibt nur noch zu hoffen, dass der Herr mit der Robert-Smith-Gedächtnisfrisur mitsamt seiner Mannen auch mal über den Kanal zu uns kommt.

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