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LYDIA LUNCH & CYPRESS GROVE/ SPIRITUAL FRONT - Twin Horses

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Artist LYDIA LUNCH & CYPRESS GROVE/ SPIRITUAL FRONT
Title Twin Horses
Label RUSTBLADE
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Schon im letzten Jahr lieferten LYDIA LUNCH und CYPRESS GROVE mit „A Fistful of Desert Blues“ ein überragendes Album ab. Jetzt vertiefen beide die Zusammenarbeit und haben zusätzlich die italienischen Neofolker von SPIRITUAL FRONT ins Boot geholt, die sich als wahre Brüder im Geiste erweisen.

Die drei Parteien haben sich „Twin Horses“ sauber nach Plattenseiten aufgeteilt (auch optisch ist die blaue Vinylpressung übrigens sehr schön gelungen): Auf Seite A gehen Lunch und CYPRESS GROVE ans Werk, B gehört SPIRITUAL FRONT. Lunch nimmt sich dabei mit „Death Is Hanging Over Me“ einen der schönsten Songs des Songwriters NIKKI SUDDEN vor, der bei ihr, wie zu erwarten, deutlich kantiger und unterschwellig gefährlicher gerät und sich durchaus mit ihrer kongenialen Interpretation von „In My Time of Dying“ auf ihrem Klassiker-Album „Shotgun Wedding“ vergleichen lassen kann. CYPRESS GROVE liefert ähnlich wie weiland ROWLAND S. HOWARD die richtige Dosis morbider, akustischer Gitarrenklänge und eine zurückhaltende zweite Stimme, der Lydias rauem Sprechgesang idealen Raum zur Entfaltung lässt. So auch beim zweiten Cover der beiden: So klaustrophobisch und horrorfilmgerecht hat man „Hotel California“ wohl bisher selten zu hören bekommen – „You can check out any time you like, but you can never leave“ bekommt hier eine ganz neue Bedeutung.

Die drei Eigenkompositionen bleiben diesem Geist ganz und gar treu. Durch „Unholy Ghosts“ wabern unheimlich zirpende, rasselnde, hallende Geräusche, während Lydia ihre Liebe zu den „twisted boys“, den Bluesern, den Losern und den Junkies bekundet. Ein klagendes Banjo pluckert durch „Rising Moon“, und „Put You Down“ wird von einer Mundharmonika dominiert, deren MORRICONE-Sound deutlich den Bogen zum Vorgängeralbum schlägt.

SPIRITUAL FRONT warten zwar mit einem weniger reduzierten Sound auf, gehen mit den Mariachi-Trompeten von „Buried Friend“ aber ebenfalls in die Westernrichtung und erschaffen eine großartig düstere Americana-Atmosphäre, die den kargen Blues von Lunch und CYPRESS GROVE ideal ergänzt. Ihre Songs fallen insgesamt gefälliger aus, sind stärker konventionellen Songmustern verhaftet und harmonischer arrangiert, aber auch ihnen haftet ein unbestimmtes Grauen an, das seinen Höhepunkt in „Dear Lucifer“ findet, einem Song, der streckenweise geradezu unheimlich an die frühen SISTERS OF MERCY erinnert, mit demselben hohlen Drumcomputer, den mandolinenartigen Gitarren und dem düsteren Gesang, der beispielsweise „Heartland“ prägte. Ausgerechnet für das W.A.S.P.-Cover „L.O.V.E. Machine“ besinnen aber auch sie sich wieder auf den düsteren Blues und verwandeln den alten Metal-Klassiker in eine akustische Sehnsuchtsballade.

Mit „Twin Horses“ hat dieses Dreigestirn den alten, tiefgründigen, düsteren Indie-Blues der Achtzigerjahre wieder zum Leben erweckt. Wer außer frühem NICK CAVE auch gerne THE GUN CLUB, JACOBITES oder THESE IMMORTAL SOULS gehört hat, sollte sich diese Platte auf keinen Fall entgehen lassen.

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