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LYING APART - This Bleeding Misery

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Artist LYING APART
Title T
Homepage LYING APART
Label EIGENPRODUKTION
Leserbewertung
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8.5/10 (2 Bewertungen)

LYING APART ist eine fünfköpfige Truppe aus Oldenburg, die gepflegten Metalcore fabriziert und sich gerne mal beim pinkeln filmen lässt. – Was? – Ja, ich weiß: das sind Details, die man jetzt nicht unbedingt wissen muss. Aber nachdem ich mir gerade noch als abschließende Einstimmung für diese Rezension den Studio-Clip zum Debüt-Album „This Bleeding Misery“ angeschaut habe, der genannte Szene enthält, bin ich jetzt doch etwas verstört und wollte das einfach mal loswerden. So etwas will ja auch verarbeitet werden.

Zum Glück weiß das Quintett aber auch, wie man den Hörer schnell auf andere, wohlwollendere Gedanken bringt, nämlich mit einer guten halben Stunde geballter Brachialität, gepaart mit hübschen Melodien, die sich auf die 10 Tracks des Erstlings verteilen. Das bewegende, sehr schöne Intro „Behind the fields of view“ schlägt um in den eigentlichen Opener „My endless romance (lost enchantment)“, der einen direkt mit den ersten Shouts empfängt und schon bald das erste, sehr klar herausgearbeitete Riffing nachschiebt. Auf dieses scheinen LYING APART auf dem überaus ordentlich produzierten Longplayer viel Wert zu legen – und womit? Mit recht! Zugegeben sind es nicht direkt Riffs für die Ewigkeit, manches klingt wie bereits Bekanntes (so erinnern z.B. die ersten Sekunden von „Symmetry of Minds“ doch stark an „Erkenntnis“ von CALLEJON, mit denen man sich im übrigen in naher Zukunft die Bühne teilt), doch sie spiegeln ebenso das Können der Gitarreros wider und lassen den melodischen Anteil enorm in die Höhe schnellen. Dabei decken sie auch gleich mehrere metallische Gefilde ab und walzen so nicht nur coremäßig sondern beispielsweise auch mal thrashig daher – wie in der Mitte von „Sunshine and an accident next door“. Schlagzeug und Bass werden seltener so in Szene gesetzt, wissen aber trotzdem ebenso zu überzeugen und entpuppen sich als mehr als schlichtes Beiwerk. So entsteht ein knapp überdurchschnittlich-melodischer Metalcore-Abkömmling, der sich durch den Modern Metal-artigen Gesang noch ein Stückchen weiter abhebt – natürlich nicht um Welten. Jener Gesang ist in seiner cleanen Version sicherlich noch nicht völlig ausgereift, an manchen Stellen auch schon am Limit, dennoch weiß er zu überzeugen. Dies liegt vor allem an dem wirklich guten Songwriting, welches so einige Ohrwürmer-Refrains wie bei „Everyone brushes in red“, „Reactions“ oder „Regarding myself with just one eye“ (man hört quasi schon mit seinem inneren Ohr das Mitklatschen der erwartungsfrohen Meute beim Song-Intro) zu Tage fördert. Nicht nur bei Letztgenanntem greift man dann zusätzlich auf Sprachgesang-Passagen zurück, die in ihrer Art sehr an selbige von FAUST AGAIN erinnern und gleichermaßen weiter zur Qualität beitragen. Weitere Varianzen bilden dann die mal krächzigen, mal kratzigen obligatorischen Shouts, bei denen auch die Gitarristen gut und gerne mal mit einstimmen. Der Wechsel zwischen beiden Formen der Stimmakrobatik gelingt durchweg gut, auch dann, wenn es wie in dem bereits einmal erwähntem „Sunshine and an accident next door“ verhältnismäßig ruhiger zugeht. Wirklich gemächlich wird es dann mit dem letzten der zehn Titel, welcher auf den Namen „…and the rest ist silence“ getauft wurde und in seiner Art an das Intro anknüpft. Und so schließt sich der Kreis in aller Stille.

Alles andere als still sollte es aber sein, wenn man „This Bleeding Memory“ zu seinen Besitztümern zählen darf, was man jedem Huldiger melodischen Metalcores und von Riffings á la AS I LAY DING, DARKEST HOUR und Co. nur nahelegen kann. Sicherlich kann man noch nicht mit der Spitze mithalten, dafür fehlt es noch an mehr Eigenständigkeit und einem Quäntchen mehr Durchsetzungskraft, aber Titel wie „Everyone brushes in red“ und „Regarding myself with just one eye“ lassen einem bei dem Namen LYING APART schon mal aufhorchen. Und das nicht nur beim pinkeln!

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