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MAGENTA - Art and Accidents

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Artist MAGENTA
Title Art and Accidents
Homepage MAGENTA
Label AT & MT
Leserbewertung
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7.5/10 (2 Bewertungen)

Anders Odden hat eine sehr schillernde musikalische Karriere hinter sich. Wütete er unter dem Pseudonym Neddo noch bei den brachialen CADAVER, wusste er sein instrumentales Talent bei APOPTYGMA BERZERK schon deutlich gezügelter einzusetzen. Bereits 1995 startete er ein eigenes, ganz persönliches Projekt, das es im Laufe der Jahre auf einige Veröffentlichungen brachte, nach dem 2ten Album „Little Girl Lost“ herrschte allerdings eine 7-jährige Funkstille. Nun kehrt man als Trio zurück und das mit einem Musikstil, der sich grob in die Sparte „Electronic Gothic Rock“ einordnen lässt, Extrem Metaller können die Rezension an dieser Stelle also bereits verlassen. MAGENTA ist zweifellos eine griffige Bezeichnung, wenngleich hierzulande etwas „Telekom-verseucht“. Die Erwartungen des Schreibers sind in diesem Falle also relativ hoch, Artwork und Produktion können zumindest erste Ausrufezeichen setzen.

Als besonders prägnant erweist sich schnell der Einsatz einer weiblichen Stimme, wobei Vilde Lockert glücklicherweise nicht in hohen Tonlagen trällert. Ihr angenehm dunkles, sehr charakteristisches Organ drückt der Produktion den Stempel auf, während die Kompositionen an sich zwar schlüssig, aber keineswegs innovativ oder originell ausfallen. Was nicht heißen soll, dass das Gros der Tracks nicht unterhalten würde. Die langjährige Erfahrung des Songwriters macht sich gerade in vielen kleinen Details bemerkbar, die an sich bekannte Melodielinien immer wieder interessant erscheinen lassen. Viele elektronische Spielereien, nicht zu harte Gitarren, Samples – das sind die Grundpfeiler des MAGENTA-Sounds. Wie MINA HARKER in gut könnte man sagen, aber sicher auch für Anhänger von ZERAPHINE, UNHEILIG und Co. goutierbar. Ähnlichkeiten zu bereits existenten Perlen der Düster Pop-Geschichte inklusive. So ähnelt „To Die For“ in einigen Parts dem SISTERS-Klassiker „This Corrosion“, nicht zuletzt durch die pechschwarzen Gast Vocals des Herrn GOTHMINISTER. Eine Ursprungsversion ohne den Landsmann (ebenfalls enthalten) ist dann auch nur halb so interessant. Dazu klingt Vilde hin und wieder nach CLIENT, wenn sie etwas höher/ sauberer agiert wie bei „Black Tomorrow“. Neben diesen beiden Titeln überzeugt vor allem „The One“ mit einem starken Refrain, die seichte Liebeslyrik wollen wir dabei mal unter den Tisch fallen lassen. Der Rest ist ordentlich und solide ausgefallen, ein wenig mehr Härte bei den Saiteninstrumenten hätte zwar nicht geschadet, aber dafür ist zumindest auch mal ein Solo enthalten. Und natürlich hat Anders Odd1 (wie er sich hier nennt) noch weitere Gäste an Bord, Beziehungen dürfte er in seiner Laufbahn einige aufgebaut haben. Geir und Angel von APOP oder Jonas/ Stu (GLUECIFER) dürften ihren Teil zum Gelingen beitragen. Am Ende gibt es noch 2 Remixe zu hören, von denen „Electric Fear“ mit den männlichen Vocals noch mal deutlich heraus sticht.

„Imagine the HUMAN LEAGUE meeting SISTERS OF MERCY in a neon-lit dungeon“ heisst es im Promotext. Große Vorbilder, an die man natürlich nicht heranreichen kann. Aber der gebotene Stilmischmasch geht gut ins Gebein, besitzt insbesondere durch die Mikrofonistin Wiedererkennungswert und einige schöne Ohrwürmer runden das doch sehr solide Werk passend ab. Beim nächsten Mal würde ich mir ein paar mehr Ecken und Kanten wünschen und vielleicht den einen oder anderen Uptemo Track. Eine Live-Umsetzung in MAGENTA wäre jedenfalls eine kleine Sünde wert. Und bitte nicht mit der gleichnamigen Progressive Rock Truppe aus Großbritannien verwechseln!

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