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MALICE IN WONDERLAND - The Royal Brigade

Artist MALICE IN WONDERLAND
Title The Royal Brigade
Homepage MALICE IN WONDERLAND
Label CRANK MUSIC GROUP
Leserbewertung

Rein theoretisch ist „The Royal Brigade“ schon das Zweitwerk der vier Jungs aus Norwegen. Allerdings sind seit der Veröffentlichung des selbstbetitelten Debüts inzwischen acht Jahre vergangen – da kann man vielleicht jetzt eher von Zweitdebüt reden. Die Plattenpause nutzte die Band hauptsächlich für den Aufbau einer soliden Basis, indem sie sich in Europa und Asien auf jede verfügbare Rockbühne stellte und dabei auch schon mal als Support für DEF LEPPARD auftreten durfte. Beim legendären Trash Fest in Helsinki gehören MALICE IN WONDERLAND inzwischen zum Inventar, auch wenn sie ein gutes Stück poppiger klingen als der schwermetallische Rest.

Dass eine gepflegte Portion Pop-Sensibilität für eine gestandene Rockband auch völlig in Ordnung geht, beweisen sie jetzt auf „The Royal Brigade“. MALICE IN WONDERLAND schwelgen in Melodien, gönnen sich auch mal eine schön schmusige Ballade wie „Like The Desert Miss The Rain“, und dass ihnen gelegentlich ein paar Klischees wie der wohlbekannte Teufel auf der Schulter, fallende Blätter und einstürzende Himmel durchrutschen, sieht man ihnen gerne nach, weil sie einfach herrlich mitreißende Songs schreiben, die gleichermaßen unter die Haut gehen, mit den Füßen wippen und mit dem Kopf nicken lassen. Sie wissen eben, wie man wohlige Melancholie mit einem soliden Beat verbindet und halten das Energielevel ihrer Drei-bis-vier-Minuten-Perlchen konstant ordentlich hoch.

MALICE IN WONDERLAND beherzigen nämlich eine andere, wesentliche Pop-Maxime, die sich der eine oder andere Rocker auch gern zu Herzen nehmen dürfte: in der Kürze liegt die Würze. Kein endloses Gitarrengeknödel, keine ausufernden Experimente, sondern eine gute Songidee, perfekt zugespitzt und auf den Punkt gebracht, ab dafür und Schluss. Was nicht heißt, dass Gitarrist Tracy Loveless nicht doch hin und wieder von der Kette gelassen würde und dann seine Sache auch sehr gut macht. Aber generell steht Sänger Chris Wicked im Mittelpunkt, der eine angenehm sonore Darkwave-Stimme hat, die er gerne öfter in die tieferen Oktaven führen dürfte, wie der atmosphärische Rausschmeißer „A Tear And A Whisper“ nahe legt. Am besten sind MALICE IN WONDERLAND jedoch immer dann, wenn sie die Stadionrocker raushängen lassen, die sie ja vielleicht eines Tages auch mal sein werden, wenn die Welt gerecht ist. „Live For Today“ ist eine durch und durch gelungene Hymne mit perfektem Riff, genialem Refrain und pulsierender Energie, die im Studio tatsächlich genauso überzeugend rockt wie auf der Bühne. „New Year’s Eve“ hätte ähnlich großartig ausfallen können, wenn die Band auf die kitschigen Achtzigerjahre-Synthesizer im Refrain verzichtet hätte, aber selbst sowas mag man ihnen nicht wirklich übel nehmen.

„The Royal Brigade“ ist sicherlich keine Platte, die die Welt verändern wird, neue Trends einläutet oder die wegen ihrer versteckten Botschaften zum hundertfachen Hören über Kopfhörer einlädt. Dafür ist MALICE IN WONDERLAND mit diesem Album eine andere Seltenheit gelungen: eine rundum gelungene High-Energy-Platte, die mit vielen Molltönen gute Laune macht, ohne dabei substanzlos platt zu sein.

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