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MAÑANA - Interruptions

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Artist MAÑANA
Title Interruptions
Homepage MAÑANA
Label RODEOSTAR
Leserbewertung
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7.5/10 (6 Bewertungen)

Selten ist es mir so schwer gefallen, etwas zu (be)schreiben. Nicht weil das Gehörte so unsagbar schlecht wäre, sondern weil mein linkes Bein sich stetig weigert still zu sein… und beim ausdauernden Mitwippen immer gegen die Schreibtischplatte stößt.

„Unbalance“ heißt der Track, der diese Ausfallerscheinungen der Extremitäten zuerst veranlasst hat. Sehnsuchts-Vocals und Lyrics (dargeboten von Männlein und Weiblein, hat schon was von THE ARCADE FIRE), dieses treibende Schlagzeug, ein aufmüpfiger Bass, Edge-getünchte Gitarrenarbeit… es schließen sich die Augen und ein seliges Lächeln macht sich auf des Zuhörers Gesicht breit. Großes Kino, Große Kunst! Und das Ganze kommt nicht aus Skandinavien (mein anderes Bein hätte ich verwettet, dass hier eine Band aus Stockholm am Werke wäre…), sondern aus der Schweiz! Basel um genau zu sein.

Aber damit haben die Eidgenossen ihr Pulver noch lange nicht verschossen: „Make a tiger“ klingt zwar wie ein schnurrendes Kätzchen, aber ist zumindest eine Rassekatze. Brit-Pop-Drums mit heimeligen Vocals, die sogar Chris Martin blass aussehen lassen. Und wieder diese Elfen-Backing-Vocals! Ein Traum! „Broken Solid Side (To Be)“ kommt da schon ein wenig verquerer durch die Lautsprecher gekrochen, aber malerisch tröpfelnde Keyboard-Sounds kaschieren die raue Oberfläche und lassen den Track ebenfalls sanft vor sich hinperlen (Die Harmonien erinnern an die einträchtigen Vocals von Mark Gardener und Andy Bell zu ihren RIDE Zeiten). „Monster“, „Elephant“, große Namen für lupenreine Pop-Großtaten; „Little Lights“, „Berliner Blau“, kleine Namen für melancholische Pop-Großtaten…

Nun fragt man sich, wie eine Band mit ihrem Debüt, schon dermaßen elaborierte und schöngeistige Pop-Musik abliefern kann? Neben dem Können der Band, kümmerte sich der Brite Ken Thomas um die Produktionsbelange, der schon BJÖRK, DAVE GAHAN und SIGUR ROS zu ihren Klanggemälden verhalf. Und SIGUR ROS ist hier auch das Stichwort, denn hier haben sich die Basler zu einem großen Teil inspirieren lassen, was die ausufernde Instrumentierung und den Songansatz betrifft (minus deren Fantasie-Vocals natürlich). Das Promo spricht weiterhin von RADIOHEAD (würde ich ein wenig ausklammern), NOW IT’S OVERHEAD und den DOVES. Was aber unbedingt fehlt, sind die fantastischen Dänen von MEW, denn die verfolgen den gleichen Ansatz wie MAÑANA. Pop, der nicht beliebig ist, aber auch nicht unnötig verkompliziert wird (und Manuel Bürkli klingt nun einmal verdammt nach Jonas Bjerre).

Ein Album aus dem Nichts, das sich sofort in die Herzen des popsensiblen Indie-Publikums bohren sollte. Waren bisher FAVEZ einsame Vertreter des (bisher nicht vorhandenen) Schweiz-Sounds, befindet sich mit MAÑANA zumindest eine weitere Band ein, die ihr Heimatland auf der Indie-Landkarte zu mehr Ruhm verhelfen sollte. Grandioses Album!

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