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MANES - Vilosophe

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Artist MANES
Title Vilosophe
Homepage MANES
Label Code666
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Kurzer Rückblick in die Neunziger: Das aus Trondheim stammende Duo MANES veröffentlicht zwischen ´93 und ´95 die drei Demos „Maanens natt“, „Ned i stillheten“ und „Til kongens grav de dode vandrer“, welche im Black Metal-Underground einigen Anklang finden und von denen die ersten beiden später als limitierte MCDs wiederveröffentlicht werden. 1998 erscheint auf Hammerheart Records das Debutalbum „Under ein blodraud maane“, dessen schleppende, kalte und morbide Kompositionen MANES zu einem Geheimtipp der norwegischen Black Metal-Szene werden lassen.

Zurück in die Gegenwart: Nun, erst 5 Jahre später, kehren die Norweger zurück – oder doch nicht? Zumindest verblüffend anders, nämlich mit neuer Besetzung und neuem Sound. Man hat das Black Metal Gewand abgelegt und sich auch völlig von althergebrachten Restriktionen verabschiedet. Stattdessen hat man das musikalische Grundfundament (Gitarre, Bass, Drums) mittels moderner Elektronik, Programming sowie Sequencing erweitert und ist außerdem zu einem Sextett aufgestiegen. Vom alten Line-Up ist nur noch Tor-Helge Skei a.k.a. Cern (bzw. früher Cernunnus) dabei. Dementsprechend sind durch das Fehlen von Ex-Sänger Sargatanas auch keine krächzenden Vocals mehr zu verzeichnen. Diese Aufgabe übernehmen jetzt mit Asgeir Hatlen und Tommy Sebastian gleich zwei stimmgewaltige Personen, allerdings mit hohem klaren Gesang. Jedoch keine Power Metal Vocals, sondern sehr individuell und emotional mit vielen mitreißenden Melodien.

Auch wenn bereits damals zweifelsohne avantgardistische Tendenzen in der Musik festzustellen waren, dürfte dieser Wandel doch manchen alten Fan vor den Kopf stoßen. Vielleicht wäre daher eine Namensänderung angezeigt gewesen. Das Label Code666, auf deren „Better undead than alive“-Sampler sich schon ein erstes klares Bild von den „neuen“ MANES abgezeichnet hat, ruft daher auch dazu auf, „Vilosophe“ vorurteilsfrei zu begegnen. Ich kann nur raten dem zu folgen, denn ist lohnenswert, sich auf den Neo-Avantgarde Metal einzulassen. Die düstere Atmosphäre ist geblieben, wenngleich sie auf andere Art und Weise umgesetzt wird. Vielleicht ein ähnlicher Weg wie ihn Ulver damals mit „Themes from William Blake…“ gegangen sind. Auch harte Gitarren sind weiterhin ein wichtiges Element, nur nicht als das einzige bestimmende Instrument, vielmehr um den Stücken zu einem volleren und detailreicheren Klang zu verhelfen.

Das Beiblatt führt den Vergleich mit einer Jam-Session zwischen Katatonia, Radiohead und Aphex Twin an. Hierzu passen gelegentliche Drum & Bass oder Trip Hop-Einlagen, wenn möglich auch erzeugt über das analoge Schlagzeug, neben sonstiger rhythmischer Vertracktheit wie sogar Jungle-Beats. Ansonsten wird ebenfalls variiert. Mal begleiten die Songs den Hörer auf eine melancholisch-verträumte Reise, dann steigt man wieder auf rockige Parts inklusive pulsierendem Bass um. Mit „Diving with your hands bound [nearly flying]“ folgt an zweiter Stelle schon fast das Herzstück der Scheibe. Mit zehneinhalb Minuten der mit Abstand längste Track, der sich furios und stetig steigert um schließlich eine Weile auf dem Zenit zu verharren. Und wenn man glaubt das Ende wäre erreicht, gibt es noch einen elektronischen Nachschlag. In „Terminus a quo/Terminus ad quem“ sowie „Ende“ wurde dagegen sehr unaufdringlich ein Saxofon eingebaut und „Death of the genuine“ war als „Redeemer“ in einer vorläufigen Version auf obigem Sampler zu finden. Skurriles noch einmal bei „Confluence [The vilosophe crux]“ zum Abschluß, da dieses ausschließlich aus einem mehrminütigen Monolog besteht, entnommen aus dem Film „Der Todesking“ von Jörg Buttgereit, welcher in einem gewalttätigen Ausbruch mündet und einige Fragen aufwirft. Zumindest wohl wenn man die deutsche Sprache nicht beherrscht, da eben diese Fassung Verwendung gefunden hat.

Das strange „Konzept“ spiegelt sich auch im Layout wieder, welches überwiegend (merkwürdige) Schaubilder und Zeichnungen mit wissenschaftlichem und philosophischem Bezug enthält. Hier ist auch von gewissen pharmacodynamics die Rede. Keine Ahnung worum es sich dabei handelt, aber vielleicht ja eine Erklärung für diese ungewöhnliche und innovative Veröffentlichung. Code666 und MANES haben hier ein interessantes Paket zusammengeschnürt, das auf jeden Fall einen Fortschritt in Anbetracht der häufigen Gesichtslosigkeit im heutigen Musikbiz darstellt.

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