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MANNHAI - The Exploder

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Artist MANNHAI
Title The Exploder
Homepage MANNHAI
Label SPINEFARM
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Man hätte Angst, diese Jungs mit einer Schachtel Streichhölzern allein zu lassen. „The Exploder“ heißt das neue, vierte Album von MANNHAI, „TNT Mountain“ einer der Songs darauf und noch vor zwei Jahren wurde die Band über Nuclear Blast vertrieben, da liegt die Assoziation mit pyromanischen Tendenzen natürlich nahe. Doch statt in ihren Bühnenshows wüst mit Flammenwerfern um sich zu schießen oder sich als in der Hölle schmorende Sünder ablichten zu lassen, haben sich die Finnen dafür entschieden, ganz gezielt vorzugehen und nur zwei kleine Organe abzubrennen: Die Ohren des Hörers.

Dabei geht es zunächst eher gemütlich zur Sache und es scheint, das die Bong anzündende Feuerzeug sei die vornehmliche Hitzequelle. „Mr Out of Sight“ ist Stonerrock mit angezogener Handbremse, „Lonesome“ beschwört dezent orgelnd den Sommer der Liebe herauf, während das bemüht in die Hände klatschende „Rock to the Top“ und das bereits genannte, sich angestrengt an den „Cocaine“-Groove anlehnende „TNT Mountain“ recht plumpe Versuche in der Restauration längst vergangener Gefühle sind – dieser Berg ist wohl eher aus THC denn aus Dynamit. Man meint, MANNHAI bereits selig im Kräutergarten schlummern zu sehen, da beginnen die Drogen plötzlich und mit zwingender Intensität zu wirken. „Two Roads“ zündet mit einem so simplen wie prägnanten Riff direkt in Richtung der Sterne, der depressive Folk von „Behind the Trees“ erinnert an die stoische Hoffnungslosigkeit des CLUB OF GORE und an anderer Stelle darf auch wieder der Oberkörper rhythmisch mitbewegt und, wenn auch nur ganz leicht, die Matte geschwungen werden. Und ganz als habe man alles auf das große Finale hin ausgelegt, durchläuft der letzte Track „Black Water Swan“ mühelos alle Stufen des Genres, von schleppendem Doom über Metal mit markerschütterndem Kopfstimmengesang bis hin zu einem hypnotischen, in der Ewigkeit verhallenden Finale aus einer sich endlos wiederholenden, gefühlvollen Harmoniefolge.

Das gleicht in seinem Aufbau dann beinahe einem guten Konzert, bei dem die Band zu Anfang erst warm werden muss und die Zügel auch mal locker lässt, ehe man das Publikum mit einer Kette sich immer wieder gegenseitig überbietender Knaller in den Bann zieht. Produziert hat Jürgen Hendlmeier, der auch schon für die ähnlich veranlagten FLAMING SIDEBURNS tätig war und MANNHAI die nötige Härte bei gleichzeitiger cooler Gelassenheit verleiht. Dadurch bleibt der Urknall meist aus, doch trifft die Glut genau dorthin, wo sie am meisten berührt: Die Ohren glühen, das Herz leuchtet.

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