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MARBLE SHEEP - Message from Oarfish

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Artist MARBLE SHEEP
Title Message from Oarfish
Homepage MARBLE SHEEP
Label FÜNFUNDVIERZIG
Leserbewertung
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10.0/10 (1 Bewertungen)

Rockmusik aus Japan hat ja nicht gerade den Ruf besonderer Authentizität, schön dass sich hinter dem Wassermalfarbencover von „Message to Oarfish“ da eine Ausnahme findet. MARBLE SHEEP spielen Psychrock und das mit einer solchen Freude, dass sie sich gerne einmal auf eine von Freunden und Fans verwirklichte Europa-Tournee begeben, fernab von der Heimat.
Dafür darf man schon mal den Hut ziehen und auch gleich am Hutständer hängen lassen, denn für japanische Verhältnisse klingen MARBLE SHEEP reichlich amerikanisch.

Schon das mehrminütige Intro „Tears“ gleitet mit spacigen Riffsurfbrettern in hypnotischem Trancezustand ins Weltall, was sich nach AMON DÜÜL anhört, ist größtenteils auch drin. Die Japaner verfügen ja über eine gewisse Routine, was man beim vierzehnten Album auch erwarten darf – aber anscheinend hat ihnen bis jetzt noch niemand was von moderner Studiotechnik erklärt. Anders ist es nicht zu erklären, dass der Gesang verwaschen breiig durch den Äther strömt – und jetzt erzählt mir nicht, dass habe mit Authentizität zu tun. Den Japanern deswegen jetzt ihr Sushi vom Teller zu klauen, wäre falsch, denn ihren ekstatischen, energischen Psych-Sound halten Sie über acht Tracks auf hohem Niveau und klingen rotziger als amerikanische Punkbands in den 80ern. Garagerock würde man ja gerne in den Mund nehmen, nur an Garagen herrscht in Japan akuter Mangel. Da fühlt man sich doch an die 60s erinnert, eine Zeit, in welcher selbst mein Vater noch nicht mal ans Kindermachen dachte, aber so muss es damals gewesen sein. Psychedelischer Krach entführt in Psilocybin-gestärkte Traumwelten freier Liebe – zumindest wenn man MARBLE SHEEP glauben schenkt, ich glaube mein Vater hat es irgendwie anders erlebt. Die Japaner setzen für ihre Überzeugung aber ein paar gewichtige Wegsteine, dass fast schon Stonerhafte „Tears“ oder das groovende „Egyptian Queen“ lassen einen nicht vom rechten Weg abkommen.

Vom technoiden Japan und Bands wie KAGEROU geprägt, ist man erst mal erstaunt, was da lärmend durch die Boxen tönt. MARBLE SHEEP leben den Psychrock – das ist unüberhörbar und nach dem vierzehnten Album brauchen sie auch niemanden mehr was zu beweisen. Wohl ein Grund dafür, dass „Message from Oarfish“ die Anhängerschaft nicht enttäuschen wird, neue Fans hingegen finden die Asiaten vielleicht bei 50jährigen Herren mit ausgeprägter Midlife-Crisis.

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