Band Filter

MARILYN MANSON - Born Villain

VN:F [1.9.22_1171]
Artist MARILYN MANSON
Title Born Villain
Homepage MARILYN MANSON
Label COOKING VINYL
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.2/10 (47 Bewertungen)

„Born Villain“, zum Fiesling geboren, haben MARILYN MANSON ihre neue Platte genannt. Unwillkürlich fragt man sich: Haben die das nötig? Vielleicht: Die Zeiten, als Frontmann Marilyn als Bürgerschreck der Nation über Amerikas Bühnen zog und prüde, aufrechte Bürger mit seinen nackten Hinterbacken oder sauber durchkonzipierten Ekel-Ästhetik schockierte, liegen immerhin schon mehr als zehn Jahre zurück. Seit der Vertrag mit dem Label Interscope auslief, war eine Zeitlang Funkstille, bis sich Frontmann Marilyn in Deutschland dann kürzlich bei der Echo-Verleihung als RAMMSTEIN-Gastsänger zurückmeldete, allerdings mit einem Auftritt der Marke „gebremster Schaum“, bei dem von Schockwirkung auch keine Rede sein konnte. Muss ja vielleicht auch nicht sein: Man wird ja schließlich älter.

Angesichts dessen ist „Born Villain“ eine erfreuliche Überraschung. MARILYN MANSON greifen zurück auf ihre Wurzeln, auf die Bands aus den Anfangstagen des Industrial und Gothic, mit denen sie selbst groß geworden sind, und in der Tat haben KILLING JOKE und die BIRTHDAY PARTY, vor allem aber die REVOLTING COCKS und FOETUS hier unüberhörbar Pate gestanden. Na gut, wenn wir hier von Industrial reden, dann ist das schon die eher zugängliche Variante, die mit schön straffen Rhythmen und einem klar erkennbaren Melodiegerüst daherkommt; Songs wie „The Gardener“ mit seinem „fa-fa-fake it“-Ende möchte man fast schon mitsingen. Das geht aber in Ordnung: Die Härte kommt nicht zu kurz, und vor allem funktioniert die Rückkehr zu einer anständig düsteren Atmosphäre mit Kopfnick-Faktor ganz hervorragend.

Textlich geht es um die alten MANSON-Themen Tod, Sex, Missbrauch, Krankheit, Elend, Dreck und tote Blumen, und es ist erstaunlich, wie gut sich auch lange Shakespeare-Zitate in dieses Umfeld einbinden lassen. Dass man bei der Covergestaltung auf ein vernünftiges Booklet verzichtet hat und sich stattdessen auf den kargen Hinweis „lyrics at www.bornvillain.com“ beschränkt, ist allerdings ein bisschen armselig – da hätte man gleich auf einen physikalischen Tonträger verzichten und die Songs als Download anbieten können. Und wo wir schon beim Verzichten sind: Verzichten kann man auf den Bonustrack „You’re So Vain“, auch wenn Johnny Depp da zehnmal am Schlagzeug sitzen mag. Klar, Coverversionen haben bei MANSON Tradition, und „Sweet Dreams“ oder „Tainted Love“ waren für die Band enorm erfolgreich, aber an diesem Klassiker von CARLY SIMON haben sie sich doch ein bisschen verhoben – der Pop-Appeal der Melodie ist einfach nicht tot zu kriegen und wirkt wie ein seltsamer Fremdkörper in dem Arrangement. Das ist zum Einmalhören ganz lustig, trägt aber auch kein Stück weiter.

Dafür überzeugen Songs wie das bedrohlich-elektronische „Children Of Cain“ mit seinem mächtigen Refrain ebenso wie die verstörenden Gitarren bei „Disengaged“ oder die BLACK-SABBATH-Anleihen von „Lay Down Your Goddamn Arms“. Wenn es richtig hart zur Sache geht, wie bei „Murderers Are Getting Prettier Every Day“, sind MANSON allerdings weniger packend als bei der eher verhaltenen Bösartigkeit und Seelenpein, wie sie sich im Titeltrack entwickelt – oder beim gelungenen Abschluss dieser Platte, „Breaking The Same Old Ground“, auf dem sich verhaltenes Flüstern in einem großartig gesteigerten Refrain auflöst.

MARILYN MANSON beschreiten auf „Born Villain“ gekonnt den Pfad zwischen Krach und Melodie und haben das Gespür dafür nicht verloren, wie man die Härte des Underground in ein Gesamtkonzept presst, das durchaus massenkompatibel ist. Vor allem aber sind Show und Pose viel weiter in den Hintergrund getreten als früher, und das zahlt sich aus: Trotz des unnötig plakativen Titels wirkt „Born Villain“ nämlich tatsächlich authentisch und echt.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

MARILYN MANSON - Weitere Rezensionen

Mehr zu MARILYN MANSON