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MARK LANEGAN - Imitations

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Artist MARK LANEGAN
Title Imitations
Label GLASSNOTE/ PIAS COOPERATIVE
Leserbewertung
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5.4/10 (9 Bewertungen)

„Imitations“ ist ein irreführender Titel für MARK LANEGANs neues Album. Schön, bei den zwölf Songs handelt es sich durchweg um Coverversionen von Songs, die man sonst von so unterschiedlichen Künstlern wie NICK CAVE, FRANK SINATRA, PATSY CLINE oder JOHN CALE kennt. Dass LANEGAN in seiner Interpretation über das bloße Imitieren hinausgeht, dafür sorgt schon allein seine unverkennbare Stimme, aber auch das stimmige, in seiner Nachdenklichkeit äußerst gelungene und teilweise beeindruckend karge Arrangement der einzelnen Titel.

Schon lange wollte LANEGAN eine Platte machen, auf der sich die Traurigkeit jener Songs einfangen lassen würde, an die er sich aus seiner Kindheit in den Sechzigern und Siebzigern erinnerte, als große Sänger noch große Emotionen auf die Bühne brachten. Das ist ihm gelungen, und zwar nicht nur bei Stücken wie JOHN CALEs „I’m Not The Loving Kind“, das mit Spectorwürdigen Streichern aufwartet, sondern gerade auch in den ganz zurückhaltend eingespielten Titeln wie dem einfühlsamen, wunderbar traurigen „Brompton Oratory“ aus der Feder von NICK CAVE. Manchmal schrammt er haarscharf am Kitsch vorbei, wie bei PATSY CLINEs „Lonely Street“: Dass er das Schmalzbad der Violinen unbeschadet übersteht, hat er tatsächlich nur seiner Reibeisenstimme zu verdanken. Besser gelungen ist die weiche Tristesse mit dem Weltschmerz-Element bei „Fallen Leaves“, das zwar vom Sound her ähnlich opulent daherkommt, aber durch die düstere Melodie mehr Tiefe mitbringt.

Einzig an einem Song dieses Albums hat sich Lanegan gefährlich verhoben – zwar zählt der Backing Track von „Elégie Funèbre“ zu den spannendsten auf diesem Album, mit seinen rückwärts laufenden Bändern, die eine wunderbar geheimnisvolle, leicht unheimliche Atmosphäre entstehen lassen, aber statt Französisch ist es allenfalls Franglais, das LANEGAN dazu zweifelsohne stimmungsvoll ins Mikrofon raunt. Erfreulicherweise hat er sich bei der Moritat von Mackie Messer für die englische Version entschieden, und er schafft es, diesem schon unzählige Male gecoverten Song noch ein paar neue Facetten abzugewinnen, indem er sich neben einer sehr zurückhaltend gezupften Akustikgitarre allein auf seine Stimme konzentriert und den Text wirken lässt – ähnlich wie bei der alten Bond-Hymne „You Only Live Twice“, das ohne das Pathos der Originalversion als erstaunlich zarte Hymne an die Liebe verstanden werden kann.

„Imitations“ ist ein sehr persönliches Album geworden, das in seinem Bezug zu den Originalen hierzulande vielleicht nicht ganz so leicht entschlüsselt werden wird wie in den USA. Als einfühlsame, schöne Lektion in gelebter Melancholie taugt es aber allemal.

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