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MARTY FRIEDMAN - Inferno

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Artist MARTY FRIEDMAN
Title Inferno
Homepage MARTY FRIEDMAN
Label PROSTHETIC RECORDS
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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6.5/10 (2 Bewertungen)

“Are you big in Japan?” fragen ALPHAVILLE seit 1984. Mr. Friedman könnte diese Frage mit gutem Gewissen mit “Ja!” beantworten. Er ist, wenn man es genau nimmt, auf dem Inselstaat „größer“ als hierzulande. In Deutschland ist es wahrscheinlich, dass man den Namen Marty Friedman schon mal gehört hat, man muss aber nicht. In Japan dagegen kennt ihn jeder. Wenn nicht durch seine Musik, dann durch diverse Fernsehshows, die er moderiert. Friedman, der eigentlich in den USA geboren wurde, spricht sogar fließend japanisch. Es wäre interessant, ihn mal in dieser Sprache singen zu hören – doch das tut er prinzipiell nicht. Der Großteil der Songs aus „Inferno“ verzichtet nämlich völlig auf Gesang. Martys Gitarren sprechen für sich.

Gut möglich, dass man beim ersten Hören Gesang erwartet, langsam ungeduldig wird, aber er kommt einfach nicht, bis zum fünften Track. Ich sage es lieber gleich, denn wenn man nicht darauf wartet, vermisst man ihn eigentlich auch nicht. Friedman wird nicht umsonst als einer der einflussreichsten und vor allen Dingen individuellsten Gitarristen der Welt bezeichnet. Er spielte im Laufe seiner Karriere mit Jason Becker als Duo CACOPHONY, später wurde er für die Thrash Heroen MEGADETH gecastet. Inzwischen veröffentlicht Marty ein Solowerk nach dem anderen, schreibt Titelsongs für die in Japan so beliebten Animes und wechselt seine musikalischen Partner wie andere Menschen ihre Socken. Der Großteil der an „Inferno“ beteiligten Musiker stammt jedoch aus seiner Wahlheimat. Friedman ist quasi Japaner, er liebt das Land mit Herz und Seele.

Das hört man bis in die komplexesten Tonkonstruktionen seines Gitarrenspiels hinein. Marty hat ein Faible für asiatische Tonleitern, die meine Kenntnisse und die jedes durchschnittlichen Gitarristen übersteigen. Seine Musik klingt ein bisschen wie das, was in China-Restaurants im Hintergrund hoch und runter läuft (auch hier ist Gesang rar), nur doppelt so schnell, dreifach so laut und mindestens vierfach so cool. Was Herman Li, der in Hongkong geboren wurde, an Geschwindigkeit draufhat, ist bei Marty Friedman Virtuosität. Die Stücke auf „Inferno“ sind nahezu unmöglich zu covern, außer vielleicht, man beschränkt sich auf den „Bandsound“ und lässt den eigenen Gitarristen improvisieren. Mindestens so beeindruckend wie die Spieltechnik sind auch die Stilrichtungen, in denen sich das Album bewegt. „Wicked Panacea“ (ft. Rodrigo y Gabriele) hat statt einem fernöstlichen einen lateinamerikanischen Touch. Noch größer ist die Überraschung, wenn man in „Meat Hook“ das Saxophonspiel des norwegischen Jazzmusikers Jorgen Munkeby entdeckt. Saxophon und Heavy Metal? „Inferno“ macht es möglich. Während „Steroidhead“ zu düster und blechern ist für meinen Geschmack, erinnert „I Can’t Relax“ an junge, rebellische Skater, die Innenstädte auf ihre coole Weise unsicher machen. Bei „Hyperdoom“ und „Sociopath“ lassen MEGADETH freundlich grüßen. Naja, eigentlich eher unfreundlich. Gelungen sind die Songs trotzdem. Da darf man, wenn man wie ich eher auf der Sleaze-Schiene fährt, nicht allzu genau hinhören, dann ist es eigentlich ganz cool. Das gefühlvolle „Undertow“ ist mein Highlight des Albums. Friedman hat es ganz allein komponiert.

Und was könnte die schlimmste Horror-Vorstellung eines jeden Gitarristen sein? Richtig: nicht mehr spielen zu können. Jason Becker hat dieses Schicksal ereilt. Aufgrund einer Krankheit, die sich Amyotrophic Lateral Sclerosis nennt, musste der frühere CACOPHONY-Partner musikalisch etwas zurücktreten. Ich konnte es nicht verhindern, ich musste an MÖTLEY CRÜE-Mitglied Mick Mars denken. Nach ein bisschen Recherche ergab sich, dass die beiden an unterschiedlichen Krankheiten leiden. Bei Mick geht es auf die Knochen und Gelenke selbst, bei Becker auf die Nerven und Muskeln. Schön dürfte es für keinen von beiden sein. Marty gibt Jason jedoch die Ehre, die Co-Produktion „Horrors“ der beiden mit einem Ersatz-Gitarristen aufzunehmen. Enden lässt er sein Album mit einer Reprise von „Inferno“, mit dem das ganze auch anfängt.

Der Kreis schließt sich. Ob das irgendwas mit der japanischen Vorstellung eines vollkommenen Werkes zu tun hat, weiß ich nicht. Es untermalt aber, dass Marty Friedman vor ungewöhnlichen Einfällen nur so sprüht. Unbedingt ausprobieren!

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