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MATHS AND THE MOON - Night Train Daydream

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Artist MATHS AND THE MOON
Title Night Train Daydream
Homepage MATHS AND THE MOON
Label TIMEZONE
Leserbewertung
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9.0/10 (2 Bewertungen)

“Night Train Daydream” ist das komplett selbstproduzierte Debütalbum des südenglischen Alternative-Trios MATHS AND THE MOON. Aufgenommen wurde es über einen Zeitraum von drei Jahren nach der Gründung der Band im Jahr 2009. Zwei Jahre später ist es nun offiziell auf dem Markt und der einigermaßen pathetische Promo-Waschzettel nimmt den Mund so voll, dass einem beinahe selbst dabei schlecht wird.

Wer nun aufgrund von Formulierungen wie „an after hours tale of confusion and anticipation“ oder „method to the madness when the sun goes down“ doomig-versponnenen Groove-Alternative zum Beispiel á la TOOL erwartet, der wird sich getäuscht sehen. Soundmäßig spielt sich dieser Tagtraum eher im Indie-Kontext ab. Dies tut er jedoch, ohne dabei die ach so genretypischen Tralala-Refrains und die dazugehörige, unerträglich aufgesetzte Pseudo-Hipster-Melancholie zu bemühen. MATHS AND THE MOON gehen wesentlich subtiler zu Werke, und das Bild der nächtlichen Zugfahrt durch eine unwirkliche Schattenlandschaft wird tatsächlich mit zunehmender Spieldauer des Albums immer treffender. Wenn die Augenlider schwer werden, während man aus dem Fenster in die Dunkelheit sieht, und sich die blitzenden Trugbilder des Sekundenschlafs mit den ohnehin völlig vernebelten Konturen der Außenwelt vermischen und zu obskuren Phantasiewelten mutieren, dann ist es ein „Night Train Daydream“, verwirrend und einlullend zugleich, voller Detailverliebtheit und doch vieles im Verborgenen lassend. Die Reise beginnt mit „FFwD (Fly From Danger)“, das stampfende Stahlross mäandert schwer durch verrußte Industrieviertel, die nach wenigen Minuten in staubige Vorstädte übergehen („On A Knife Edge“), bevor auch diese endgültig dem Nebel der weiten Felder weichen („It’s Okay To Be Afraid“). MATHS AND THE MOON schlagen schon in diesen ersten Minuten der Reise die Brücke von ur-britischem Indie-Pop hinüber zum Postrock, der sich in den flächigen Gitarren und dynamischen Arrangements deutlich niederschlägt. Dabei überqueren sie tiefe, bedrohliche Schluchten, die eingerahmt sind von so einigen scharfkantigen Riffwänden („Anxious Cats“). Bergauf und bergab führt sie, die Trasse des Nachtzugs, der mal flott ratternd („Old Days / New Daze“), mal angestrengt pumpend („Light At The 11th Hour“) die surreale Landschaft durchstreift, unaufhaltsam seinem Ziel entgegen, dem flirrenden Lichtermeer der lebendigen Metropole der Leichtigkeit: „Polychrome“.

Anders ausgedrückt: MATHS AND THE MOON nehmen klassische, deutlich vom Britpop geprägte Songtrukturen, würzen sie mit einer gesunden Dosis Kreativität bis hin zur Verspieltheit und halten das Ergebnis durch die sehr gekonnt arrangierten Sounds stets weit genug entfernt von der *ähem* Hauptstrecke. Für harte Rocker ist das eventuell zu fluffig, für Indie-Fans zu spinnert, für offene Ohren ist es mindestens spannend und definitiv einen Trip wert. Ich persönlich werde noch öfter mitfahren.

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