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MATTHAU MIKOJAN - Her Foreign Language

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Artist MATTHAU MIKOJAN
Title Her Foreign Language
Label INVERSE
Leserbewertung
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7.5/10 (2 Bewertungen)

Vor vier Jahren, als das letzte Album erschien, hatte der Finne noch große Pläne: Mit „Hell Or High Water“ erschien ein ambitioniertes Rockalbum, das MATTHAU MIKOJAN als Bandplayer und weniger als Solokünstler etablieren sollte. Aber schon wenige Monate nach der Veröffentlichung verschwand die Band wie der kreative Kopf dahinter plötzlich in der Versenkung. Kreativer Burnout, hieß es. Jetzt ist er wieder da, mit einer Platte, bei der von Band nicht mehr die Rede ist, von Burnout aber auch nicht: MATTHAU spielte alle Instrumente bis hin zum Schlagzeug selbst und arbeitete ein Jahr lang daran, genug über Studiotechnik zu lernen, um auch alles im Alleingang aufnehmen zu können.

„Her Foreign Language“ besinnt sich wieder auf die Stärken der ersten beiden Alben, die MATTHAU Ende der Nullerjahre ablieferte: tiefgründige Songs, die vor allem auf seine kraftvolle, prägnante Stimme aufbauen und sich intelligent und einfühlsam mit seelischen Abgründen auseinandersetzen. Auch auf dem neuen Album bleibt MATTHAU ein Suchender, der um seine eigenen Dämonen nur zu gut weiß und der sich ihnen stellt, auch wenn er sich nicht sicher ist, ob er den Kampf gewinnen kann. Geändert hat sich allerdings die Umsetzung: Nach der Wall of Sound von „Hell Or High Water“ baut er jetzt auf eine sehr reduzierte Retro-Produktion. Klar wie auf alten HENDRIX-Platten sind Schlagzeug, Bass und die wieder wesentlich dominantere Sologitarre von einander abgegrenzt, und auch vom Stil her orientiert sich Matthau am Bluesrock von FREE oder den STONES von „Exile On Main Street“.

Überhaupt, die Sologitarre: Nachdem die auf „Hell Or High Water“ so gut wie keine Rolle spielte, ist sie hier so stark präsent, dass sie beinahe wie ein Duettpartner erscheint, der in seinen besten Momenten ideal mit dem Sänger MATTHAU verschmilzt, in den weniger gelungenen allerdings viel zu sehr sein eigenes Ding macht und im Show-Off-Modus vor sich hin knödelt. Allerdings hat auch das teilweise seinen Sinn, wie bei „Thoughts Of Glass“, wo es die Isoliertheit unterstützt, die in der Stream-of-Consciousness der Lyrics liegt.

Die Höhepunkte auf „Her Foreign Language“ sind Songs wie „Presence“, in dem sich die neu entdeckte Schlichtheit perfekt mit der düsteren Energie paart, die Matthau bei seiner ersten Band BLOODPIT wecken konnte, und die seine Stimme mit diesem unverkennbaren Mix aus unterdrückter Aggression und intelligenter Sanftheit eine ideale Plattform bietet. Von dieser Qualität hätte man sich hier noch mehr gewünscht: Das Songmaterial ist gut, vor allem in textlicher Hinsicht, hätte aber durchaus noch ein paar packendere Melodien gebrauchen können. Und so ist es ein gutes, wenn auch kein großartiges Album geworden – und vor allem eines, das schon allein aufgrund der Entwicklung, die sich hier vollzogen hat, spannende Folgewerke erwarten lässt.

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