Band Filter

MATTHEW HERBERT - The Shakes

VN:F [1.9.22_1171]
Artist MATTHEW HERBERT
Title The Shakes
Homepage MATTHEW HERBERT
Label CAROLINE/ ACCIDENTAL
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
9.0/10 (1 Bewertungen)

Jetzt ist er wieder komplett übergeschnappt! Eine Aussage, die für MATTHEW HERBERT nur bedeuten kann, dass er mit seinem ersten regulären Album seit Ewigkeiten mit einem Fuß bereits knietief in der popaffinen Massenkompatibilität steckt. Zumindest beim ersten flüchtigen Hören. Aber HERBERT wäre nicht HERBERT, wenn es da nicht noch viel mehr zwischen den Zeilen zu hören gäbe. Auf dieses Album durfte man gespannt sein, beschäftigte sich der Künstler in den letzten Jahren doch vornehmlich mit Tieren, Situation, Objekten und den Geräuschen, die jeweils daraus hervorgehen. Seine Ambitionen, 3500 Menschen gleichzeitig ein einen Apfel beißen zu lassen, um das Geräusch aufzunehmen und zu einem Kunstwerk zu machen, ist legendär. Ebenso seine vertonte Lebensgeschichte eines Schweins von der Geburt bis zum Teller. Auch der Mensch mit all seinen Körperfunktionen diente ihm als Quelle für Geräuschkollagen und Tonstudien.

„Electronic music for the soul“ nennt HERBERT sein Machwerk und führt damit den mit „Scale“ im Jahre 2006 eingeschlagenen Weg fort. Das Klicken und Gefrickel jenseits der vordergründigen Housebeats entstammt auch dieses Mal dem Objektfetisch des Künstlers, der dafür Gebrauchtwaren wie Patronenhülsen, Kugeln und Granaten in seine Stücke integriert und so widersprüchliche wie homogene Soundlandschaften kreiert. Und darin liegt die große Kunst HERBERTS. Er gestaltet anspruchsvolle, vertrackte Popmusik für ein verhältnismäßig breites Publikum. „However, music can’t only and always be a call to arms, it can also tenderize and engulf when comfort is needed”, erklärt HERBERT den Hintergrund zu “The Shakes”. Es geht also um das Hörbarmachen von Widersprüchen und extremen Positionen. Die ganze wissenschaftspropädeutische Kopflastigkeit wird durch ein adäquates Ensemble unterstützt, das es meistens schafft, den Geräuschkulissen einen gewissen Sexappeal zu verpassen. Gastmusiker wie Gitarrist Dave Okumu (JESSE WARE), Organist Sam Beste (AMY WINEHOUSE), Saxophonist Ben Castle (QUINCY JONES, RADIOHEAD), Posaunist Alistair White (VAN MORRISON, BLUR) und Trompeter Chris Storr (BEYONCÉ, JAMES BROWN) führen die ambientartigen Klanggebilde immer wieder auf eine organisch-warme Ebene, so dass man als Hörer nur selten Gefahr läuft, sich in den soundästhetischen Hirnwindungen des Meisters zu verirren.

Die Stücke werden zusätzlich durch visuelle Elemente erweitert, die sukzessive ab dem Datum der Albumveröffentlichung gestreamt werden können. Das Switchen zwischen Komposition und Geräusch macht „The Shakes“ dabei zu einem so anstrengenden wie entspannenden Gesamtwerk, mit dem HERBERT seine Einzigartigkeit in der elektronischen Musiklandschaft erneut untermauert.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

Mehr zu MATTHEW HERBERT