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MAX & LAURA BRAUN - Highwire Haywire

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Artist MAX & LAURA BRAUN
Title Highwire Haywire
Label INTERBANG RECORDS
Leserbewertung
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9.0/10 (1 Bewertungen)

Wenn Geschwister zusammen Musik machen, muss das nicht immer etwas Gutes bedeuten. Das weiß niemand besser als ich, denn ich musste mich in meiner Jugend mit einer Schwester und einem Bruder rumschlagen, die sich für das unselige Instrument Jagdhorn entschieden hatten und auch sehr fleißig übten – bevorzugend vor meiner Zimmertür, wenn ich Besuch hatte. Irgendwann haben die beiden ihr Hobby glücklicherweise aufgegeben und der Umstand, dass ich gerade diese Zeilen schreibe, deutet darauf hin, dass mir der Spaß an der Musik nicht völlig genommen wurde. Außerdem gibt es da ja auch noch andere Geschwisterkonstellationen, die sich zudem auf andere Instrumente fokussieren und auch Ergebnisse abliefern, die deutlich angenehmer fürs Ohr sind – zumindest, wenn man nicht auf irgendwelche Jagdsignale steht.

Womit wir bei MAX & LAURA BRAUN wären. Die beiden machten ebenfalls bereits in jungen Jahren gemeinsam Musik, trennten sich dann aber räumlich, um schließlich 2008 nach einer zehnjährigen Schaffenspause erneut als Duo Songs zu schreiben und aufzutreten. 2012 folgte ihr Debüt „Telltale“, dem sich jetzt das Follow up „Highwire Haywire“ anschließt. Das Ergebnis sind zehn extrem entschleunigte Songs, die gänzlich ohne Jagdhorn auskommen und stattdessen Fingerpicking Gitarren, Vibraphon, Kontrabass, Pedalsteel und ein dezentes Schlagwerk an den Start bringen. Alles nimmt hier sehr entspannt seinen Lauf; getragen von einer zurückhaltenden Instrumentierung und der smoothen Stimme der Wahl-Londonerin. Hervorheben möchte ich an dieser Stelle lediglich den Titeltrack „Highwire Haywire“, bei dem man neben oldtime Countryjazz auch Max am Mikro hört. Außerdem seien noch die Folkjazz-Spots von „It Has Been Raining“ genannt, die bisweilen an die britische Band THE PENTANGLE denken lassen. Und zuletzt die flächigen Gitarrentexturen auf „While I’m Asleep“, deren komplexe polyrhythmischen Konzepte auch von STEVE REICH oder TERRY RILEY sein könnten.

Über zwei Jahre haben die Brauns an den Songs für „Highwire Haywire“ geschrieben und dafür unzählige Zugfahrten zwischen ihrer Heimatstadt Stuttgart, wo Max immer noch lebt, und Lauras Zuhause London in Kauf genommen. Die Geschwister brauchen einfach den direkten Kontakt und haben das Album dann im letzten Sommer auch gleich weitestgehend live und in kompletter Eigenregie im Studio eingespielt. Das Ergebnis ist vielschichtiger, eindringlicher Chamber-Pop, der sich auf leisen Sohlen in die Hirnwindungen seines Hörers brennt. Etwas, was ich von Jagdhorn-Signalen beim besten Willen nicht behaupten kann…

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