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MECHANICAL BIRD - Bitter Herbs

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Artist MECHANICAL BIRD
Title Bitter Herbs
Label VME
Leserbewertung
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7.4/10 (5 Bewertungen)

Die 2007 mehr oder weniger als Soloprojekt von Frontmann und Mastermind Jacob Brixen gestarteten Dänen MECHANICAL BIRD sind mittlerweile zu einer festen Band zusammen gewachsen und legen heuer ihr neues Album „Bitter Herbs“ vor. Und dieses macht seinem Namen alle Ehre, spielt es doch inhaltlich mit Motiven aus religiösen und/ oder spirituellen Texten, die im weitesten Sinne um giftige bzw. halluzinogene Pflanzen kreisen.

Musikalisch wird der geneigte Hörer in eine farben- und formenreiche Welt des Psychedelic Folk entführt, die nicht minder halluzinogen wirkt. Der Opener „Seven Valleys“ erinnert mit Banjoklängen und Brixens eindringlicher Stimme nicht nur dezent an die großartigen SIXTEEN HORSEPOWER, eine Reminiszenz, die im weiteren Verlauf des Albums immer mal wieder auftaucht. Der Titelsong bringt anschließend deutlich Schwung und versetzt einen mit hippiesker Elegie direkt zurück in die späten Sechziger (GRATEFUL DEAD anyone?), bevor es im Anschluss wieder etwas ruhiger zugeht. Besonders zart wirken MECHANICAL BIRD immer dann, wenn die wunderschöne und zerbrechliche Stimme von Sarah Hepburn zu hören ist. Dann legt sich die Musik des Kollektivs wie ein Mantel aus buntem Herbstlaub und frischen Frühlingsblumen um die Seele des Hörers, so dass sie gegen die immer wieder plötzlich auftauchenden rauen Winde aus elektrischen Gitarren („Tamarisk Tree“) und den kühlen, nordischen Morgennebel („Silvery Coffer“ ruft Erinnerungen an TENHI wach) gewappnet ist. Aber auch eine fröhliche Leichtigkeit ist MECHANICAL BIRD nicht fremd. Ausgerechnet „The Incredible Sadness“ klingt wie ein hüpfender Barfuß-Lauf durch Tolkiens Auenland und lässt einen unwillkürlich bis über beide Ohren grinsen, bevor nach kurzer Zeit wieder diese unnahbare Melancholie Raum greift, die „Bitter Herbs“ durchzieht wie ein roter Faden und meiner Meinung nach seine wahre Schönheit ausmacht. Und genau diese Schönheit (mir fällt wirklich kein anderes Wort dafür ein) ist es, die spätestens nach dem zweiten Durchlauf des Albums süchtig macht, sei es nun wegen der spürbar beruhigenden Wirkung oder der transportierten, überbordenden Energie. Dass tatsächlich beides gleichzeitig möglich ist, zeigt spätestens das abschließende „Caravan“, gleichsam als tonaler Balanceakt zwischen beiden Extremen.

Fazit: „Bitter Herbs“ ist ein tief unter die Haut gehendes Album, was trotz aller Warmherzigkeit einen leicht fröstelnden Schauer hinterlässt, der notorisch deprimierte Menschen sicherlich in ein tiefes Loch stoßen kann. Allen Anderen sei dringend empfohlen, ein Ohr zu riskieren. Der parallele Genuss bestimmter Kräuter ist ganz sicher nicht nachteilig.

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