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MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER - Die ganze Kraft einer Kultur

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Artist MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER
Title Die ganze Kraft einer Kultur
Homepage MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER
Label MUTE RECORDS
Leserbewertung
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9.3/10 (4 Bewertungen)

Kluge Menschen haben mal behauptet, dass die kreative Kraft einer Szene in der jeweiligen Hauptstadt am augenscheinlichsten ist. Von daher müsste Berliner Bands eine Schlüsselposition zukommen. Die MEDIENGRUPPE TELEKOMMANDER passt insoweit ins Bild, als dass man bereits jetzt über eine ziemlich große Klappe verfügt. Da werden in Interviews schon mal Kollegen wie BLUMFELD oder MIA als zu alt oder aufgesetzt bezeichnet. Doch was können sie selber leisten? Hype oder Hypnose? Jedenfalls ist ihr vage ElectroPunk zu nennender Stil ganz gut angesagt, CHRISTIAN KREUZ oder T.RAUMSCHMIERE lassen grüßen. Und wer sind nun die Helden dieser Bullyparade? Florian Zwietnig und Gerald Mandl gründen die Mediengruppe im Jahre 2001, nachdem sie sich auf einer gemeinsamen Zugfahrt kennen gelernt haben. Beide sind Studierte (Psychologie/ Kommunikationswissenschaften), was einen ja nicht per se vom Komponieren guter Songs abhalten sollte. Nach 2 EPs auf dem Hamburger Indie Label Enduro und den ersten Tourerfahrungen wird Mute auf das Duo aufmerksam: Eine Single („Trend“) und das nun zu sezierende Debütalbum folgen…

Grandios sind zunächst einmal die deutschen Texte, voller Widersinn, Widersprüchlichkeiten und Widerlichkeiten. Kritik an der Konsumgesellschaft, an der Trendhechelei nicht nur der Phonindustrie und dem modernen Leben im allgemeinen. Nicht alles ergibt Sinn, soll Sinn ergeben, manches klingt einfach nur gut und bisweilen auch leicht arrogant, Studierte eben (ich bin auch einer…). Dennoch werden die wenigsten außerhalb der Feuilletons die MTK aufgrund ihrer Texte mögen, ins Bein muss es nämlich auch gehen. Und da haben wir eine wilde Mischung aus NDW, deutschem Hip Hop, Gitarrenschrubbereien und Electronica. Hört sich Hip an, animiert zum Tanzen und wirkt cool, wenn man eine Frau das erste mal nach hause einlädt. Bestimmt auch nett als Hintergrundbeschallung irgendwelcher Kreuzberger Krawalle, obwohl die Musikanten natürlich zum Establishment gehören. Tolle Refrains haben die meisten Tracks, der Opener, das Schluss-Schmuckstück über die Liebe im Zeitalter der Maschinen (Cronenbergs „Existenz“ lässt grüßen), Nr. 7 (Titel ist mir zu lang) mit der industriellen Eigenironie. D.A.F. kann man hier nur mit der Lupe suchen, dafür klingt „Fantastisch automatisch“ extrem nach EXTRABREIT, mit diesem typisch hochgezogenen Gesang in der jeweils letzten Silbe. „FSEK“ ist der Hip Hop Song, was nicht so meine Baustelle ist, ohne Gitarren bin ich halt nicht glücklich!

Momentan dürfte die Mediengruppe beste Chancen haben, auf sich aufmerksam zu machen. Deutsche Musik ist in und in den Charts, Bands wie die HELDEN haben rotzige Retromucke mit Aussagen für die Zukunft wieder modern gemacht. Vielleicht können die Deutschen auch nicht mehr so viel Englisch verstehen, die Auswirkungen der Pisa-Studie lassen grüßen. Wer so unbekümmert intelligenteste Texte mit Body Music verbinden kann, darf sich auf berechtigten szeneübergreifenden Erfolg freuen… auch außerhalb der Hauptstadt.

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