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MEGADETH - Endgame

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Artist MEGADETH
Title Endgame
Homepage MEGADETH
Label ROADRUNNER RECORDS
Leserbewertung
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8.3/10 (26 Bewertungen)

Schon länger pfeifen es die metallischen Spatzen von den Dächern: Megadave samt Sidekicks nähert sich wieder der Form der glorreichen vier ersten Scheiben. Schon die letzten Alben „The system has failed“ und „United Abominations“ konnten einige Glanzpunkte setzen, jedoch hatten beide auch noch deutlich zu viele Füller, um sich in der glanzvollen Diskographie des kauzigen Chefrotschopfes ganz nach vorne zu spielen. Für die Fangemeinde zählte aber vor allem eines: es war zu erkennen, dass der musikalische Schmusekurs mit folgendem künstlerischen Totalbankrott zu Ende ging. Endlich spendierte Mustaine den Anhängern wieder die geliebten Thrash with Class Brocken, endlich wechselten wieder sein knurriges Gemurmel und virtuose Gitarrenläufe mit apokalyptischer Grundstimmung – wenn auch zunächst nur bei den begrenzten Highlightsongs.

Die Zahl dieser Songs steigt aber von einem Album zum nächsten und erreicht 2009 mit dem „Endspiel“ einen neuen Höhepunkt. Als erstes gibt es eine Hommage an sich selbst: „Dialectic Chaos“ ist ein kurzes instrumentelles Intro mit vielen kleinen, feinen Gitarrenleads, die Erinnerung geht sofort an das großartige „Into the Lungs of Hell“ das weiland den dritten Geniestreich „So Far, So Good….So What“ eröffnete. Toller Einstand, jedoch mit dieser Erinnerungslast auch ein gewaltiges Versprechen, das Mustaine auf sein neues Werk abgibt. Wie ernst es den Amerikanern damit aber ist, demonstriert „This Day We Fight!“. Es ist dies ein hartes, schnelles Thrashstück mit ganz großen Leads, mit Mustaine-Geknurre vom Allerschönsten und einem wegfetzenden Beat! Ganz klarer zukünftiger Klassiker und ganz sicher ein Song, der aus dem Live Arsenal of MEGADETH nicht mehr wegzudenken sein wird. Wer die Exzentrik des Meisters kennt, ist im Anschluß nicht mehr so überrascht: „44 Minutes“ ist der Song mit dem einschmeichelndsten Refrain des Albums und verweist somit auf die lange Leidensphase, die seinerzeit mit (dem ja noch sehr guten!) „Youthanasia“ eröffnet wurde. Für die aktuelle Verfassung der Band spricht es aber, dass der Titel dennoch ein echtes Highlight ist, insbesondere der Chorus klingt trotz seines hohen melodischen Faktors mit den doppelläufigen Gitarren nicht zahnlos, sondern einfach nach einer Band, die es kann.

Einen weiteren Moment des Zusammenzuckens muss der geneigte Hörer noch überstehen: „Bodies left behind“ erinnert sehr an den (unglückseligen) Bandhit „Symphony of Destruction“, mit dem zumindest ich noch nie Freundschaft schließen konnte (und auch nicht wollte). Aber auch dieses Stück beinhaltet ein wunderbares Solo und ist insgesamt mit besserem Songwriting gesegnet als die erwähnte Schreckenssymphonie. Ansonsten gibt es noch viel Positives zu berichten und zu entdecken. Da hätten wir „The Hardest Part of Letting Go… Sealed With a Kiss”, eine Powerballade, die (ganz ohne Scheiß!) das Niveau von „In my Darkest Hour” halten kann und dabei aber ganz anders klingt. Toller Song und einer meiner absoluten Faves, auch weil die Gitarrenfraktion hier einmal etwas untypische Akzente setzt. An dieser Stelle ist die Zeit, um auf den noch nicht angesprochenen Teil dieser Fraktion zu sprechen zu kommen: Mit Chris Broderick hat Mustaine wohl einen echten Coup gelandet und sich endlich nach Marty Friedman wieder einen gleichwertigen Counterpart installiert. Überraschend ist dies nur bedingt, wenn man weiß, dass der Typ vorher bei JAG PANZER und NEVERMORE gezockt hat. Für MEGADETH jedoch ein Riesenschritt nach vorn: Broderick rifft und soliert mit dem absoluten MEGADETH Gen und lässt mehr als nur einmal an die glorreichen Zeiten von „Rust in Peace“ denken. Hier könnte etwas ganz Großes entstehen, wenn es dem Chefdenker gelingen sollte, Broderick länger zu halten und auch in das Songwriting zu integrieren.

Bleibt mir nur noch, auf das tolle Ende einer tollen Scheibe zu verweisen: da gibt es erst mit „How the Story Ends“ einen weiteren Ohrwurm im Midtempo, was jedoch verwirrenderweise nicht der Schlusspunkt ist. Den gibt es mit „Nothing Left to Lose“ und da hauen die Jungs noch einmal richtig auf die Buletten! Nach einem dreiminütigen Gestampfe mit dominantem Bass schreddern sich die Guitar Heroes kurze, aber knackige Solos um die längst tauben Ohren. Eine Wonne! Zwar eine Hommage an sich selbst und eine Wiederholung des „United Abominations“ Schlussspurts, aber einfach eine Wonne! So und zwar genau so wollen wir unsere MEGADETH haben. Gehet also hin und kaufet sie, kein echter ’DETHer wird es bereuen.

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