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MEGAHERZ - Heuchler

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Artist MEGAHERZ
Title Heuchler
Homepage MEGAHERZ
Label GOLDEN CORE/ ZYX
Veröffentlichung ..
Leserbewertung
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6.9/10 (10 Bewertungen)

Ein jeder von uns ist mit einer bestimmten Art Musik aufgewachsen. Dabei gibt es immer mindestens eine Band oder einen Künstler, der einen besonders geformt oder begleitet hat und zu dem man deshalb eine ganz besondere Beziehung führt. In meinem Fall spielen da die Jungs von MEGAHERZ eine entscheidende Rolle. Seit 15 Jahren gibt es die Mit-Initiatoren der „neuen deutschen Härte“ bereits und nun legen sie 12 Jahre nach ihrem Debüt „Wer bist du?“ in neuer Besetzung ihr sechstes (Herz-)Werk „Heuchler“ nach.

Der Titelsong ist auch gleichzeitig der Opener des 52minütigen Albums und zeigt schon einmal gleich, wo der Hammer hängt. Wuchtig stampfen die Gitarren wie eh und je, da erklingt auch schon die Stimme vom neuen Sänger Lex, der nach dem Abgang von Gründungsmitglied „Alexx“ Wesselsky und der kurzlebigen Episode Matthias „Jablonski“ Elsholz den neuen Shouter gibt. War ich über den Weggang von „Alexx“ noch mehr als enttäuscht (immerhin ist er ja nun mit seiner Band EISBRECHER der Musik trotzdem noch erhalten geblieben), verhält es sich im Falle vom Herrn Elsholz doch etwas anders. Mit Lex hat man scheinbar nun endlich eine passende, neue Kraft am Mikrophon gefunden, seine mal tiefe, mal kratzig heisere Stimme besitzt einen eigenen Charme und bringt typische MEGAHERZ-Elemente genau so rüber, wie sie auch neues mit einfließen lässt. Erstgenanntes Merkmal lässt sich bereits gut am „Heuchler“ festmachen, das an das frühe „Miststück“ erinnert. Generell lässt sich feststellen, dass die „Herzen“ sich auch thematisch weiter mit bereits bekannten Themen befassen. So schielt „Fauler Zauber“ in die Richtung von „Gott sein“ und „Alles nur Lüge“ erinnert an den „5. März“. Doch der frische Wind, den Lex und der ebenfalls dazugekommene Jürgen „Bam Bam“ Wiehler (Ex-BONFIRE) eingebracht haben, ist unverkennbar und macht sich bei Kompositionen wie „Mein Gral“, „Ebenbild“ oder „L’Aventure“ positiv bemerkbar.

Der Sound der Band ist wie aus den frühen Jahren gewohnt nach wie vor phasenweise regelrecht brachial, allerdings wirkt er nun zusätzlich etwas reifer und weniger ungestüm – eine Entwicklung, die man den beiden Vorgängern „Herzwerk 2“ und „5“ auch schon anmerkte. Die Mischung aus beidem ist auf „Heuchler“ dabei durchweg gut gelungen und bringt ein hohes Maß an Varianz mit sich. So liegt beispielsweise „Kaltes Grab“ ein schönes Metalriff zu Grunde, welches den Song mächtig nach vorne treibt, während in „Schau in mein Herz“ auch elektronische Klänge zum Einsatz kommen oder „Mein Gral“ an ruhigere Sachen von OOMPH! erinnert. Dass die Süddeutschen ihr Herz-… Verzeihung… Handwerk verstehen, wird wieder mal mehr als deutlich und so sind weder Spielfehler noch Schwächen in der Produktion des mit einem sehr schicken Cover geschmückten Longplayers zu erkennen. Die Qualität der Kompositionen ist durchweg mindestens überdurchschnittlich. Wahre Knaller sind das gefühlvoll rockende und trotzdem überaus kräftige „L’Aventure“ und das düstere „Alles nur Lüge“, bei dem Lex im Refrain von einer weiblichen Stimme (der man auch bei weiteren Liedern hin und wieder begegnet) auf englisch unterstützt und dessen Stimmung von einem spacigem Pfeifton á la PAIN begleitet wird – absolut Gänsehaut! Dazu gesellt sich noch die erste Singe-Auskopplung „Mann von Welt“, mit der man der ganzen „Geht-nicht-gibt’s-nicht“-Einstellung den Mittelfinger entgegen streckt: „Geht nicht gibt’s doch! Arschloch!“ Abgerundet und beendet wird die Scheibe mit dem zwölften Stück „Morgenrot“, womit auch wieder ein rein instrumentales Werk seinen Weg auf einen schlichtweg sehr guten MEGAHERZ-Silberling geschafft hat

Personalwechsel innerhalb einer Band bringen ja immer wieder ein gewisses Risiko mit sich. Besonders die Stimme ist nun mal der Haupt-Wiedererkennungsfaktor, was es dem/ der Neuen dann besonders schwer macht, Akzeptanz zu erringen. War dies im Falle von MEGAHERZ und Matthias Elsholz bei mir nicht wirklich der Fall, gestaltet sich die Sache bei Alexander „Lex“ Wohnhaas nun schon deutlich anders. Natürlich ist er nicht Alexx Wesselsky, der für mich im Bereich der härteren deutschprachigen Musik einfach zu den Großen seiner Zunft gehört. Doch diejenigen, die ihn vermissen, werfen eben einfach ab und zu mal eine EISBRECHER-Scheibe ein. Das Hauptaugenmerk sollten Fans aber auf diesem guten Stück lassen, denn Lex macht es einem durch seine gute Leistung sowohl live, wo er auch ältere Songs hervorragend herüber bringt, als auch auf diesem Album durchaus leicht, Gefallen an der Sache zu finden. In diesem Fall hat sich das Risiko also gelohnt. Personalwechsel können nämlich auch eine Chance sein, welche MEGAHERZ zu einem absolut gelungenem neuen Werk genutzt haben. Glaubt einem eingefleischten Fan: Spätestens nach ein paar Durchgängen werdet ihr die CD genau so hoch und runter rattern lassen, wie ich es getan habe und noch lange tun werde!

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