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MEGALITH - Gipfelstürmer/ Storming The Summit

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Artist MEGALITH
Title Gipfelstürmer/ Storming The Summit
Homepage MEGALITH
Label ARTICAZ
Leserbewertung
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10.0/10 (2 Bewertungen)

MEGALITH? Nie gehört? Das solltet Ihr schnellstens ändern! Denn anspruchsvoller geht’s im Gothic-Death/ Black-Bereich kaum. Dazu gesellen sich eine Kante Neue Deutsche Härte, sowie ein paar Sprengsel Folk und Neo-Klassik, was den Bandsound ungemein vielfältig macht. Die Aufmachung der CD und vor allem des opulenten (28 Seiten!) Booklets ist mehr wie vorbildlich, neben allen Texten gibt es zu den Meisten auch noch ein Zitat des den Text beeinflussenden Individuums. Dazu zählen u.a. Nietzsche, Tolstoi, Kafka oder Heine, aber auch die Inuit oder Noah Seattle(ein 1786 geborener Indianerhäuptling)!
Schwere Kost? Ja und Nein, ich würde eher von hohem Anspruch sprechen, denn all diese Wortkünstler inspirierten die Band zu den ausnahmslos deutschen Texten. Da steckt Sinn und Verstand hinter! Zu Heine, Kafka und Noah Seattle gibt es im Booklet noch ausführliche Infotexte.

Ebenfalls vorbildliche und ausführliche Infos gibt es zu der Band und dem Album selbst, sowie eine genaue Diskografie mit exakter Beschreibung aller 3 bisher veröffentlichten Werke (Demos 1998 + 2001 sowie CD 2003)! Dazu passt auch das 5-seitige (!), vollfarbige Info, welches aus sachlich-gutem Anschreiben, Fotoseite (Band+Portrait+Live-Pics, alle Albumcover), perfektem Labelinfoblatt mit allen Daten, Biografie mit Beschreibung aller bisherigen Veröffentlichungen (geil!) und einer Seite Rezensionen zum Debütalbum besteht! Selbstredend, dass alles perfekt Layoutet ist und durchgängig oben groß das Logo prangt auf jeder Seite und unten ein Kontaktabsatz. Besser kann man seine Band nicht präsentieren! Das kann sich JEDE Band als Referenz heranziehen, wie man es richtig macht! Doch alle professionelle Präsentation nützt nichts, wenn die Mucke nicht stimmt. Aber die stimmt bei MEGALITH auf jeden Fall auch! Es handelt sich ja um die Band des ehemaligen AGATHODAIMON-Gitarristen Hyperion. Das hört man denn auch bisweilen natürlich heraus, Fans seiner alten Band sollten auch hieran gefallen finden. Allerdings gehen MEGALITH eine ganze Ecke vielfältiger und avantgardistischer zu Werke. So manches Mal fühle ich mich an die Hannoveraner DESOLATION erinnert. Musikalisch sitzt man aber eigentlich zwischen allen Stühlen. Und das ist auch gut so! Der letzte, rein akustische Track „Aufbruch in die dunkle Nacht“ könnte sowohl IN EXTREMO/ SUBWAY TO SALLY etc-Jüngern gefallen, wie auch SAMSAS TRAUM-Fans. Vom Grundtenor her liegt man aber schon im gothischen Death/ Black Metal-Bereich. Das gothisch-klassische Intro des Openers „Zukunftspläne“ leitet die Scheibe schön ein, der Track groovt sich mit seinem treibenden Beat sofort ins Bein und der keifende Gesang von Orpheus passt wie Arsch auf Eimer. Kann man mit SAMAEL (zu „Ceremony of Opposites“-Zeiten!) in Verbindung bringen, wie überhaupt Fans der Schweizer hier blind zuschlagen sollten! Der folgende Titeltrack schlägt in die gleiche Kerbe, der hervorragende Sound tut ein übriges zum Gelingen dieses Albums. Mit „Deutsches Herz“ hat man so was wie einen Tanzflächenhit im Gepäck! Melodisch und doch aggressiv, dazu sehr tanzbar. Das könnte in etlichen Tanztempeln zu schwebenden und zuckenden Leibern führen. Geil auch die cleanen Vocals! Bei „Der einsame Jäger“ rührt man etwas zu arg im pathetischen SAMSAS TRAUM-Topf und kann den Song gerade noch mit einigen harten Einschüben retten. MEGALITH fesseln eindeutig mehr, wenn ordentlich gesägt wird, wie bei dem von einem „Akte-X“-Zitat eingeleiteten „Die Geier“, welches sich zu einem rasanten Banger entwickelt, der in die blackige Richtung geht inklusive atmosphärischer Keyboards. Definitiv was für die Headbanger-Fraktion in den hiesigen Dissen. Politisch starken Tobak bietet man auf dem musikalisch geil zwischen Akustik und fettem Groove wechselnden „Wir lieben den Tod“. Ein direkter Anti-USA (Krieg)-Song, der aus Sicht der nahöstlichen Glaubenskämpfer verfasst ist. Dazu passt das beigefügte Zitat von Ayatollah Chomeini. Ob das jetzt als Pro-Glaubenskrieger gemeint ist, müsste mal ein Interview klären! Ebenfalls phasenweise recht blackig schallt „Eines Tages“ aus den Boxen, wohingegen „Ein Traum von Ende und Anfang“ nahezu rein akustisch ertönt. „Die Brücke“ ist textlich aus der Sicht einer Brücke verfasst und rifft wieder schön in alten SAMAEL-Gewässern, kann aber nicht so überzeugen, wie die erste Hälfte des Albums. Dramatisch baut sich dann „Das Tor“ auf, welches textlich in Bezug zum gelungenen Cover zu sehen ist. Schöner Song mit ein bisschen SUMMONING-touch. Aber auch eher zum Zuhören, denn zum Ausrasten.
Da geht das blackig riffende „Schämst Du Dich nicht?“ schon besser in die Füße, textlich ein intelligenter Anti-(Christen) Gott-Song! Weit ab von den plakativen, satanisch-typischen Anti-Christen-Tiraden der Black/ Death Metal-Szene. Nach dem oben beschriebenen letzten Track „Aufbruch in die dunkle Nacht“ gibt es noch zwei Bonustracks, von dem besonders der Erste genial gelungen ist: „March or Die“ von MOTÖRHEAD! Und zwar in einer MEGALITH-gepimpten Version. Lemmy goes Gothic-Black sozusagen! Mutig und geil. „The Trail of Tears“ ist dann eine modifizierte, reine Akustik-Klampfen-Version von „Aufbruch in die dunkle Nacht“, mit englischem Text und anderer Aussage.

Ein absolutes Juwel der Underground-Tonkunst! Weshalb da bisher kein großes Label zugeschlagen hat? Mir doch egal! Solange die Band in Eigenregie ein solch großartiges Gesamt-Werk auf die Beine stellt, braucht es keinen großen Labelsticker und irgendwelche Strategen, die den Herren Musikern dumm ins Konzept labern! Und alle Freunde obig beschriebener Sounds/ Bands ordern jetzt schnellstens diesen Gipfelstürmer…

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