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MELISSA ETHERIDGE - One Way Out

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Artist MELISSA ETHERIDGE
Title One Way Out
Homepage MELISSA ETHERIDGE
Label BMG
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Am 29. Mai ist MELISSA ETHERIDGE 60 geworden und ihren Geburtstag hat die Songwriterin und Rocksängerin genauso gefeiert wie auch ich es am liebsten mache: mit einem Konzert. Während ich allerdings regelmäßig vor der Bühne stehe, befindet sich die blonde Lady mit der markanten Stimme im Normalfall auf selbiger und performt dort seit ihrem 13. Lebensjahr vor Publikum. An ihrem diesjährigen Ehrentag war es ein weltweit übertragener Live-Stream-Gig aus dem Theatre at the Ace Hotel in Downtown L.A., der nicht nur eine kongeniale Geburtstagsparty war, sondern auch Appetit auf das neue Album „One Way Out“ machte.

Wobei: ganz so neu sind die Songs auf der Langrille gar nicht, denn basierend auf Songskizzen aus den späten Achtzigern und frühen Neunzigern, die damals ungenutzt in irgendeiner Schublade verschwanden, sind eben die Lieder entstanden, die es jetzt auf „One Way Out“ zu hören gibt. Wiederentdeckt hatte MELISSA ETHERIDGE die jahrzehntealten Songideen und Demos schon vor einigen Jahren, als sie gerade dabei war, ihr Archiv für die Arbeit an einem großen Retrospektiv-Boxset zu sichten. Wie sie dann diese frühen Songs auf sich wirken ließ, fühlte sie sich automatisch in die Anfangstage ihrer Karriere versetzt: Sie spürte ein weiteres Mal, weshalb diese Stücke damals nicht auf dieses oder jenes Album gepasst hatten. Einige dieser Songs waren bereits vor ihrem Coming-Out entstanden, und später hatte es sich einfach nicht richtig angefühlt, dieses Material zu veröffentlichen. Schon 2013 versammelte sie ihre Originalband (Fritz Lewak, John Shanks und Kevin McCormick) in den Henson Studios in Los Angeles um sich, um den wiederentdeckten Songideen neues Leben einzuhauchen. Kurz nach der Fertigstellung dieser Aufnahmen sollte sie sich jedoch von ihrem einstigen Labelpartner trennen – womit auch das geplante Boxset-Projekt wieder in der Schublade landete. Melissa begann derweil damit, ganz neue Sachen zu schreiben, und so kam es, dass die schon einmal ausrangierten Songs ein weiteres Mal beiseitegelegt wurden. Zumindest bis zum Jahr 2020: Dieses Mal ging Melissa älteres Material für die eigene Friday Night Time Machine-Show (Etheridge TV) durch – und als sie nun diese Lieder erneut aus der Versenkung hervorholte, passte alles, auch das Timing und der ganze Rahmen.

Tatsächlich beschleicht auch mich beim Hören der energiegeladenen Stücke das Gefühl, in einer Zeitkapsel gelandet zu sein. Es ist wieder 1988 und ich tanze zu „Bring Me Some Water“ vom Debüt, vielleicht auch schon 1992 und inzwischen läuft „Like The Way I Do“ vom „Yes I Am“-Silberling. Insbesondere die knackige Nummer „As Cool As You Try“ erinnert mich an diese frühen Jahre, aber natürlich auch die beiden Live-Tracks „You Have No Idea“ und „Life Goes On“, die 2002 im Roxy in Los Angeles aufgenommen wurden. Aber bereits das eröffnende Titelstück „One Way Out“ entführt mit geheimnisvollen, kraftvollen Hooks in den MELISSA-ETHERIDGE-Kosmos, der schlicht zeitlos ist. In diesem Sinne schließen sich das packende „I’m No Angel Myself“ und das druckvolle „For The Last Time“ an, bevor „Save Myself“ den Kopf zum Nicken und die Füße zum Wippen bringt. „That Would Be Me“ gefällt abermals mit Mundharmonika-Sounds, ehe das emotionale „Wild Wild Wild“ leisere Töne anschlägt. Eines steht fest: Die neun Tracks auf „One Way Out“ sind alles andere als zurecht vergessener Ramsch, sondern großartige Songperlen, die in Ohr und Bein gehen und selbst bei alten Ü50-Knochen wie ein wahrer Jungbrunnen wirken. Demzufolge müsste ein Konzertticket für MELISSA ETHERIDGE eigentlich von der Krankenkasse bezahlt werden, aber leider beschränken sich die aktuellen Termine bisher noch auf die USA.

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