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MENNAN YAPO - Die Vorahnung (DVD)

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Artist MENNAN YAPO
Title Die Vorahnung (DVD)
Homepage MENNAN YAPO
Label KINOWELT
Leserbewertung
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6.0/10 (1 Bewertungen)

Steckt eine geheime Strategie hinter Hollywoods Versuchen, hoffnungsvollen deutschen Regisseuren mit mittelmäßigen Filmstoffen das Wasser abzugraben? Siehe Robert Schwentke (vom intensiven „Tattoo“ zum konfusen „Flightplan“), Oliver Hirschbiegel (vom verstörenden „Das Experiment“ zum blassgrauen „Invasion“) und nun eben auch den Versuch des Deutsch-Türken Mennan Yapo, in der Traumfabrik Fuß zu fassen. Der Herr konnte mit seiner zu Unrecht gefloppten Killerstudie „Lautlos“ (mit Joachim Król) offensichtlich die Aufmerksamkeit der Studiobosse jenseits des Teiches erregen und bekam gleich mit seiner ersten Overseas-Regiearbeit einen Superstar frei Haus. Sandra Bullock ist ja quasi Halbdeutsche und so wird ihr die Aussicht, mit dem Regisseur ein wenig germanisch zu blödeln, gefallen haben. Auch ist die im Alter immer besser aussehende Mimin dafür bekannt, nicht allzu kontroverse Stoffe anzufassen – So ein wenig eine Art Sauberfrau mit Schwiegertochter Image. Meine bisherigen Top 3 mit ihr: „Mord nach Plan“, „Demolition Man“ sowie „Speed“ und das hat auch nach Begutachtung der „Vorahnung“ Bestand.

Der Streifen, eine Art romantischer Mysterythriller inkl. Sinnsuche, kombiniert die Zeitsprung Thematik mit Glaubensfragen und einem recht konservativen Weltbild. Hätte irgendwie auch von einem indischen Director stammen können, doch die haben aktuell keine Hochkonjunktur außerhalb ihrer Heimat. Sandra ist Linda Hanson, eine Frau mit einem erfolgreichen Ehemann, 2 süßen Töchtern und einem schnuckeligen Haus, viel mehr Charakterisierung geschieht nicht. Wenig Konturen für eine Rolle, die quasi den Film im Alleingang tragen muss und sich überwiegend nur für andere aufopfert. Frau Bullock spielt das Ganze allerdings sehr ordentlich, soviel sei gesagt. Ihr Ehemann ist der attraktive Julian McMahon, der überwiegend aus der Serie „Nip/ Tuck“ seine bisherige Aufmerksamkeit bezogen hat. Eines Tages wird der Dame des Hauses sein Unfalltod gemeldet, doch scheint dies nur die halbe Wahrheit. So erscheint schon kurz danach der Ehemann wieder höchst lebendig auf der Bildfläche. Schnell wird klar: Linda reist durch die letzten Tage ihres Gatten, erlebt Hoffnung und Beerdigung, wird Opfer düsterer Symbolik wie der eines toten Vogels. Auch die Töchter werden von dem Unbill nicht verschont, eine erlebt sein sehr unschönes Rendezvous mit einer Glastür. Die Umwelt reagiert verständlicherweise verstört und schaltet einen Psychiater ein. Der verkörpernde Schauspieler ist eigentlich selbst auf gestörte Typen abonniert, hier aber mal relativ seriös: Der Schwede Peter Stormare darf mit Streifen wie „Bruiser“, „Constantine“, „Spun“ oder „Fargo“ die Vorsilbe „Kult“ mit Würde tragen, ist hier aber nicht sonderlich handlungstragend… wie fast alle Nebenfiguren. Zu nennen allenfalls noch Nia Long als beste Freundin, die im Jahre 2000 zu den 50 schönsten Menschen unseres Planeten gewählt wurde.

Letztendlich hat das alles mit dem Glauben zu tun und der Kraft der Liebe und natürlich auch einer Nebenbuhlerin, was dem Schlussdrittel des Films keine sonderlich guten Kritiken eingebracht hat. Doch entweder man lässt sich auf diese Handlungskonstruktion ein oder schaut gleich lieber irgendeinen SAW-Teil. Dies hier ist eher Thrill für Frauen, die auch den finalen Handlungstwist freudig goutieren werden. Ein alternatives Ende wirkt zwar mysteriöser aber irgendwie auch nicht ganz passend, womit wir schon bei den Extras wären. 2 Audiokommentare, davon einer in deutsch, ein Making of, Interviews, zusätzliche Szenen, ein angemessen reichhaltiges Menü. Wirklich spaßig eine Art Gag Reel, wo in den wenigen Minuten mehr schwarzer Humor zum Vorschein kommt als im Hauptfeature über die gesamte Zeit. Wenn z.B. das tote Federviech zum Abendessen serviert wird oder Frau B. auf dem Highway mit einem abgetrennten Kopf knutscht. Die Stimmung am Dreh scheint jedenfalls sehr gelöst gewesen zu sein. Technisch sind Bild im 2.35:1 Format und Ton ebenfalls einwandfrei. Auffällig der Hang von Yapo und seinem Kameramann mit monochrom wirkenden Farben den Bildern etwas unwirkliches zu geben. Der Score vom ebenfalls Deutschen Klaus Badelt erfüllt solide seine Zwecke, mehr nicht.

Somit ein solides und inhaltlich schlussendlich sogar recht logisch ablaufendes Werk, dem aber wirkliche Spannung und Tiefe abgeht. Eine gute Hauptdarstellerin im Kampf gegen Kitsch und Beliebigkeit – Das Duell endet unentschieden. Für einen DVD Abend im Kreise Pilcher-verdrossener Damen sicherlich geeignet. Mal sehen, ob Fatih Akin dem Schicksal seiner Kollegen entgeht und an der Heimatfront bleibt.

FILMINFOS:
Die Vorahnung
Originaltitel: Premonition (Amerika 2007)
Laufzeit: 92:42 Minuten
Freigabe: FSK 12
Bildformat: 2,35:1 (anamorph / 16:9)
Tonformat: Deutsch (Dolby Digital 5.1)
Englisch (Dolby Digital 5.1)
Kommentar (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Kommentar (Dolby Digital 2.0 Stereo)
Audiodeskription für Sehbehinderte (Dolby Digital 2.0 Stereo)

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