Band Filter

MESSER - Jalousie

VN:F [1.9.22_1171]
Artist MESSER
Title Jalousie
Homepage MESSER
Label TROCADERO
Leserbewertung
VN:F [1.9.22_1171]
8.0/10 (1 Bewertungen)

Auch wenn die fünf Mitglieder von MESSER inzwischen über Münster, Rheine, Hamburg und Berlin verteilt leben, ist die Kapelle doch seit ihrer Gründung 2010 ein Post-Punk-Aushängeschild der Stadt des Westfälischen Friedens. Nach „Im Schwindel“ (2012) und „Die Unsichtbaren“ (2013) hat das Quintett im August seinen dritten Streich „Jalousie“ unters Volk gebracht. Allerdings ohne Gründungsmitglied und Gitarrist Palle Schaumburg, für den mit Multiinstrumentalist Milek und Manuel Chittka (Drums, live schon länger an der Percussion mit von der Partie) gleich zwei Neuzugänge zu Pogo McCartney (Bass, Orgel, Piano & Gesang), Hendrik Otremba (Gesang) und Philipp Wulf (Schlagzeug, Percussion & Saxofon) gestoßen sind.

Nicht nur neue Musiker haben sich zu MESSER gesellt, auch die Musik hat gewisse Veränderungen erfahren. Avantgarde-Tendenzen sind nicht zu überhören; etwa beim eröffnenden „So sollte es sein“, das gesanglich von Stella Sommer (DIE HEITERHEIT) begleitet wird und in stoischer Langsamkeit eine düstere Atmosphäre aufbaut, für die u.a. auch Jochen Arbeit (EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN) mit seiner signifikanten Klanggestaltung verantwortlich zeichnet. Das temperamentvolle „Der Mann der zweimal lebte“ knüpft derweil ähnlich wie das rhythmusbetonte „Niemals“ an bisheriges Material an. Schwungvoll zeigt sich auch das funkig angehauchte „Detektive“, während „Der Staub zwischen den Planeten“ oder auch das flirrende „Hölle“ eine Zärtlichkeit wagt, die sich nicht ankuschelt, sondern einnehmend unter die Haut kriecht. „Die Echse“ zeigt sich ebenso druckvoll wie nachdrücklich und mit „Schwarzer Qualm“ ist ein energiegeladener Abgesang auf Deutschland entstanden. Nach dem gitarrenschrammeligen Indie-Dancefloor-Filler „Meine Lust“ und dem verwegenen „Im Jahr der Obsessionen“ hinterlässt „Schaumburgs Vermächtnis“ am Ende treibende Synthies mit allerlei Soundspielereien.

Für die eine oder andere der Spielereien und Film-noir-Anmutungen auf „Jalousie“ war im Übrigen Micha Acher (THE NOTWIST) mit seiner Trompete involviert. Außerdem war da noch Katarina Maria Trenk (SEX JAMS), die mit Herrn Otremba eine gelungene gesangliche Symbiose eingegangen ist. Auf diese Weise ist ein Album mit doppelten Böden, offenen Verstecken und enormem Potenzial entstanden. Elf Stücke mit gänzlich unterschiedlichen Stimmungen und einer doch unverkennbaren MESSER-Signatur mit vielschichtigeren, musikalisch verspielteren und komplexeren Motivwelten als dies bislang der Fall war.

Es ist noch kein Kommentar vorhanden.

Hinterlassen Sie einen Kommentar.

MESSER - Weitere Rezensionen

Mehr zu MESSER